Lokales

"Das Königreich Württemberg 1806 bis 1918"

Zu einer Besichtigung der Landesausstellung in Stuttgart hatte die Kirchheimer Ortsgruppe des Schwäbischen Heimatbundes geladen. Wegen der großen Nachfrage kamen gleich zwei Gruppen zusammen, die unter der Führung von Jörg Alexander Mann die Ausstellung "Das Königreich Württemberg 1806 bis 1918 Monarchie und Moderne" besuchten.

ERICH TRAIER

Anzeige

STUTTGART Beim Anmarsch vom Bahnhof war die auf einem der Schlosstürme montierte acht Meter hohe Krone nicht zu übersehen. Die Krone, das wohl wichtigste Herrschaftssymbol des 1806 gegründeteten Königreichs, war auch im Innern der Ausstellung ein besonderer Blickfang. Während in den ersten Jahren der Königsherrschaft noch der alte Herzogshut als Krone herhalten musste, ließ König Friedrich zwischen 1809 und 1813 diese Krone grundlegend umgestalten.

Aus den sogenannten "Carolinischen Juwelen", der Edelsteinsammlung seines Großvaters Herzog Carl Alexander, ließ er die Krone reichlich mit Diamanten und Smaragden ausstatten. Als König Wilhelm I. im April 1820 in dritter Ehe seine Kusine Pauline heiratete, ließ er ihr aus diesem Anlass einen außergewöhnlich reichen Brillantschmuck anfertigen. Hierzu wurden auch besonders große Diamanten aus der Königskrone herangezogen. Diese wurden dann durch Diamantknöpfe einer aus der Mode gekommenen Westen-Jacken-Garnitur seines Vaters ersetzt. Aber auch in dieser Fassung ist die Krone in der Pracht ihrer Edelsteine das beeindruckendste Herrschaftssymbol der Ausstellung, gegenüber der Szepter und Thronsessel geradezu blass wirken.

Die Führung begann jedoch im Erdgeschoss mit zwei anderen Glanzstücken der Ausstellung: den beiden Meisterporträts der Königin Olga, von Franz Xaver Winterhalter gemalt. 1856 malte er die damals 34-jährige Kronprinzessin Olga Nikolajewna, die Zarentochter. Den Betrachtern gegenüber, die durch einen ovalen Rahmen blicken, sitzt eine der schönsten Fürstinnen der damaligen Zeit. Franz Xaver Winterhalter verstand es grandios, Olgas Nikoljewnas Schönheit und Ausstrahlung in Szene zu setzen. Da sie dieses Bild als vermögende Zarentochter aus ihrer Privatschatulle bezahlte, kam es durch verschiedene Erbgänge und Verkäufe außer Landes. Erst im Juni 2006 konnte es vom Land Baden-Württemberg dank der Mithilfe eines Sponsors bei Christie's in London erworben werden und kam so gerade rechtzeitig zur Ausstellung "Monarchie und Moderne" wieder ins Land.

Neun Jahre später, im Jahre 1865, wurde Franz Xaver Winterhalter erneut nach Stuttgart gerufen, um nach dem kleineren Porträt von eher privatem Charakter nun ein großes offizielles Staatsporträt von der inzwischen Königin gewordenen Olga Nikolajewa zu malen. Er porträtierte sie mit Diadem und Katharinenorden, in einem pompösen Ballkleid, über und über mit schweren Perlenketten behangen, allein im Freien auf einer Schlossterrasse stehend und jeder Zoll eine Königin.

Über die Reitertreppe des alten Schlosses ging die Führung in das dritte Obergeschoss, wo über 700 Ausstellungsobjekte das Interesse der Besucher auf sich ziehen. Neben der schon erwähnten Krone sind es zunächst die Staatsporträts der vier württembergischen Könige, die die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich lenken. In diesen Porträts kommt die politische Auffassung des jeweiligen Monarchen treffend zum Ausdruck: Friedrich im hermelinbesetzten Krönungsornat, noch ganz dem Absolutismus des 18. Jahrhunderts verhaftet, Wilhelm I. steht stramm in Militäruniform an seinem mit Papieren überdeckten Schreibtisch. Karl ließ sich 1867 in einer österreichischen Uniform malen, um damit seinen Unwillen über die sich abzeichnende preußische Dominanz im Deutschen Bund auszudrücken. Wilhelm II. schließlich musste sich dem Zeitgeist entsprechend uniformiert porträtieren lassen, obwohl er sich wahrscheinlich lieber in Zivil mit seinen beiden Hunden hätte darstellen lassen.

Jedem dieser Herrscher ist ein eigenes Kabinett gewidmet, in dem besondere Ereignisse, dynastische Verbindungen, höfische Repräsentationen und persönliche Neigungen jeweils aufgezeigt werden. Besonderes Augenmerk fand auch der Raum "Königliche Reliquien Vom Glück des Erinnerns", in dem viele zum Teil auch von privater Hand der Ausstellung zur Verfügung gestellte persönliche Gegenstände der Könige und Königinnen zu sehen sind. Ein vergoldeter Silberbecher aus dem heimischen Kirchheim zog das Interesse der Gruppe auf sich. Die Kirchheimer Schützengesellschaft hatte ihn, mit einer Widmung versehen, der Prinzessin Pauline im Jahre 1820 anlässlich ihrer Vermählung mit Wilhelm I. geschenkt.

Den Übergang zum zweiten Teil der Ausstellung "Vom Agrarland zur Industriegesellschaft" bildete ein Raum mit vier großen Figurenbildern als Pendant zu den Staatsporträts der vier Monarchen. Es sind Fallbeispiele für die Kunst des Klassizismus, der Historien- und Genremalerei, des Realismus und des Beginns der klassischen Moderne in Württemberg. Einen bedeutenden Platz in diesem zweiten Teil nehmen die Entwicklung Stuttgarts von der königlichen Residenz zur bürgerlichen Großstadt, die Verkehrswelt im Wandel, das Bemühen der Landwirtschaft um die Ernährung der wachsenden Bevölkerung und die Veränderung von Land und Leuten durch die Industrialisierung ein.

Alles in allem bietet die noch bis Sonntag, 4. Februar, währende Ausstellung "Das Königreich Baden-Württember 1806 bis 1918 "Monarchie und Moderne" einen eindrucksvollen Blick auf den Weg Württembergs in die Moderne.