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Das Kompostwerk als Öko-"Traumfabrik"

Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises tritt aus seiner "Schmuddelecke" heraus und wandelt sich zum vorzeigbaren Ökobetrieb. Landrat Heinz Eininger war sichtlich zufrieden, als er gestern im Kompostwerk Kirchheim die größte Fotovoltaikanlage im Landkreis Esslingen und eine der größten in Baden-Württemberg offiziell freischaltete.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Landrat Eininger als Teckstädter weiß um das "ambivalente Verhältnis" der Kirchheimer zum Kompostwerk. Inzwischen gehen die Gerüche aus der Rottehalle den Bürgern nicht mehr die "Nas' nauf". Es sind andere Dinge, die die Gemüter bewegen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb hat als "garantiert geruchsfreier und geräuschloser Gewerbesteuerzahler" nicht nur die Hallen seines Kompostwerks (geruchs-)dicht gemacht, er hat sogar noch eins drauf gesetzt eine rund 3,5 Millionen Euro teure Fotovoltaikanlage, die sich rechnet. Für den Landkreis und für dessen Bewohner. Die Erträge aus der Stromernte werden nämlich den Abfallgebührenzahlern gutgeschrieben. Und mit jährlichen Ernteerlösen von rund 300 000 Euro wird nach den Worten Heinz Einingers nicht nur eine ordentliche Kapitalverzinsung erreicht, sondern gleichzeitig der Umwelt Gutes getan: Der Kohlendioxid-Ausstoß wird dank der 3 768 Module mit einer Gesamtfläche von 5 240 Quadratmetern um circa 200 Tonnen pro Jahr reduziert.

Ihren ersten Leistungstest bestanden die Module bereits. Deshalb zeigte sich der Landrat zuversichtlich, dass die XXL-Fotovoltaikanlage den gesamten Lebenszyklus von mindestens 20 Jahren durchhalten wird. "Vom solaren Gesichtspunkt her eine traumhafte Anlage, wir haben hier auf den Dächern praktisch keine Verschattung", wie der "Vater" des neuen Kirchheimer Aushängeschildes, Professor Dr. Martin Müller von KINET Esslingen, versicherte. An diesem optimalen Standort rechnet er, verglichen mit anderen Orten, mit Spitzenwerten. "Wir können hier zwischen 950 und 1 000 Volllaststunden im Jahr erwarten. Das ist für Deutschland sehr gut". Der Professor, der an der Hochschule Ulm im Fachbereich Energietechnik und Energiewirtschaft lehrt, war für die Planung, Ausschreibung und Montage des größten Solarkraftwerks im Landkreis zuständig.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb, Ideen- und Geldgeber sowie Betreiber des Kompostwerks Kirchheim, mausert sich immer mehr zum Ökobetrieb: Er beschickt mehrere Heizanlagen im Kreis mit Holzhackschnitzeln von den Grünschnittsammelstellen, in Biomassekraftwerken wird aus Altholz Strom erzeugt, das Deponiegas aus den ehemaligen Hausmülldeponien ist Energielieferant für 2,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr, was dem Strombedarf von rund 600 Haushalten entspricht, und 60 000 Tonnen Biomüll werden jährlich zu rund 17 000 Tonnen hochwertigem Kirchheimer Kompost verarbeitet. Mit dem Solarkraftwerk fügt der AWB nun ein weiteres Mosaiksteinchen ins grüne Bild.

Wenn an Heiligabend die Kreisbewohner ihre Lichterketten an die Steckdosen anschließen, um die Christbäume in weihnachtlichem Glanze erstrahlen zu lassen, so sollten sie außer an das Christkind auch an die Fotovoltaikanlage auf den Dächern des Kompostwerks denken. Sie produzierte in der Adventszeit bereits 30 000 Kilowattstunden Strom. Das reicht aus, um in allen Privathaushalten des Landkreises den elektrischen Christbaumschmuck vier Stunden lang leuchten zu lassen.

Offiziell nahmen Landrat Heinz Eininger und der Abfallwirtschaftsbetrieb den umweltfreundlichen Stromlieferanten gestern mit der Enthüllung der Anzeigetafel in Betrieb. Dabei wünschte der Kreisverwaltungschef der Stadt Kirchheim ein "stets sonniges Klima" und dem AWB mit seinem Geschäftsführer Rolf Hahn "maximale Stromernten und einen störungsfreien Betrieb".

Der Betriebsausschuss des Abfallwirtschaftseigenbetriebs im Kreistag hatte im Frühjahr diesen Jahres einhellig dem Bau der Fotovoltaikanlage auf den Dächern der Rotte- und der Lagerhalle des 1996 gestarteten Kompostwerks nur deshalb zugestimmt, weil das Solarkraftwerk jährlich eine Rendite von drei Prozent erwirtschaftet. Das Geld für die enorme Investition kommt aus dem Topf, den der AWB für die Deponienachsorge anlegte. Aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) kann der Landkreis in den nächsten 20 Jahren mit 48 Cent pro Kilowattstunde rechnen.

Der Kreis ließ bereits vor Jahren an seinem Verwaltungsgebäude in der Nürtinger Europastraße eine Fotovoltaikanlage installieren.