Lokales

"Das Mädchen hatte einen grausamen Tod"

Am zweiten Tag des Prozesses vor dem Stuttgarter Landgericht um den gewaltsamen Tod einer 18-jährigen Kirchheimer Schülerin schilderten die Notärztin und der Gerichtsmediziner, wie grauenvoll das Mädchen durch die Schläge mit einem Billardstock habe sterben müssen.

STUTTGART / KIRCHHEIM Auf der Anklagebank sitzt der 21-jährige Bruder des getöteten Mädchens. Ob er der alleinige Täter ist, oder ob vielleicht andere Familienangehörige daran beteiligt waren, werden weitere Gutachter in dem Verfahren aufzuhellen versuchen.

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Der bekannte Tübinger Gerichtsmediziner Dr. Dietmar Benz schilderte den Stuttgarter Richtern am gestrigen Donnerstag, wie er kurz nach der Tat das Opfer in der Kirchheimer Wohnung der afghanischen Familie in Kirchheim auffand und die tödlichen Verletzungen untersuchte und dabei auch die Todesursache feststellte: Zahlreiche Hämatome durch "massive Schläge von einem stumpfen Gegenstand (Billardstock) am ganzen Körper habe er gefunden". Und der Gerichtsmediziner zählt auf: Am Rücken, den Oberarmen, Kopf und Hals, Augen, Nase, Ellenbogen, Hände, Brust und Beine sowie Schlüsselbein... die Folge, so der Sachverständige, die 18-jährige Schwester des Angeklagten verstarb innerhalb kurzer Zeit an den massiven inneren Blutungen, hervorgerufen durch die Schläge.

Auch die Notärztin berichtete im Zeugenstand von massiven Verletzungen des Opfers. Sie habe lange versucht, die 18-Jährige wieder durch Beatmung zu retten, vergeblich. Sie sagte auch aus, dass die Familienmitglieder eine etwas seltsame Haltung an den Tag legten, als sie das Haus in der Röntgenstraße in Kirchheim betrat. Der Tod muss ihrer Meinung nach etwa eine bis zwei Stunden vor ihrem Eintreffen eingetreten sein. Ob das Mädchen aber schon zu einem früheren Zeitpunkt von dem Angeklagten misshandelt wurde, oder gar von anderen Familienmitgliedern, ist indes noch offen.

Der Vorsitzende Richter befragte den des Totschlags Beschuldigten schon am ersten Verhandlungstag, ob er der Einzige sei, der die Schläge gegen die Schwester ausgeführt habe, oder ob eventuell einer seiner Brüder da noch beteiligt war. Der 21-Jährige konnte diese Frage nicht beantworten. Er bleibt dabei, dass er nicht mehr weiß, was am Abend des 17. November letzten Jahres genau geschah, nachdem er Streit mit der Schwester bekam. Doch, betont er vor Gericht, dass er es wohl gewesen sein müsse.

Der Prozess, in dem noch fünf weitere Sachverständige und über zehn Zeugen gehört werden sollen, geht nächste Woche weiter.