Lokales

Das Mellauer Gedächtnisrennen als bisher größte Herausforderung

LENNINGEN Die Wintersportler des TV Unterlenningen feiern in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Damit ist der Skilauf eine der ältesten Sportarten im TVU. Bereits im Jahre 1929 wurde die Skiabteilung ins Leben gerufen und Ernst Renz zum ersten Skiwart gewählt. Weitere Abteilungsleiter im Laufe der 75 Jahre waren Robert Mayer, Helmut Luikart, Ernst Heidenreich, Erich Schüle, Rüdiger Zecha, Josef Hohnheiser, Walter Schneider, Hans Renz, Wolfgang Schmidt und Werner Schmidt. Seit 1984 leitet Heinz Gökeler die Abteilung, der durch seinen Einsatz dem Verein auch auf Verbandebene Anerkennung verschafft hat. Dass die Abteilung bis heute sehr gut funktioniert, sieht man an der Größe der Mannschaft und an den Ergebnissen der aktiven Wintersportler, nicht zuletzt auch daran, dass die Abteilung auf eine Vielzahl an Übungsleitern und Helfern zurückgreifen kann.

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Die GeschichteMit den Brüdern Helmut und Alfred Luikart besaß der Verein schon vor dem Zweiten Weltkrieg zwei talentierte Skiläufer, die über den Kreis hinaus erfolgreich waren. Nach Kriegsende fanden dann regelmäßig Vereinsskimeisterschaften im Langlauf, Sprunglauf und Abfahrtslauf statt, Disziplinen, die in den Siebziger Jahren durch den Riesentorlauf ersetzt wurden. Die ersten Meisterschaften hielt der Verein im Gestad ab, später dann auf dem Bühl. Als in den Siebziger Jahren die Schneelage im Tal immer unsicherer wurde, sah man sich gezwungen, nach Schopfloch an die Pfulb auszuweichen. Bei geeigneter Schneelage veranstaltete die Abteilung auch Rodelwettkämpfe auf der Steige zum Engelhof, die sich großer Beliebtheit erfreuten. 1962 und 1965 wurden an der Sulzburg Nachttorläufe organisiert, die sich zur Attraktion im Tal entwickelten. Bis zu 500 Zuschauer erlebten damals hervorragenden Sport.

Dies war dann auch der Startschuss für den Rennlauf im TVU, mit dem sich die Sportler des Vereins aber auch der TVU als Ausrichter schnell einen Namen innerhalb des Schwäbischen Skiverbands (SSV) verschafften. Die Abteilung veranstaltete Tälesmeisterschaften, Bezirksrennen, Baden-Württembergische Meisterschaften und zuletzt das Roland-Kuhn-Gedächtnisrennen als Städte-Fisrennen mit internationaler Beteiligung.

Skifreizeit in den AlpenIm TVU erkannte man die Zeichen der Zeit. Um die Ski-Jugend sportlich zu fördern, wurde auf Anregung von Hans Renz, dem damaligen Fachwart und großen Förderer des alpinen Skilaufs am 26. Dezember 1968 in Wertach erstmals eine Skifreizeit für Jungen und Mädchen abgehalten, die schnell zur Tradition wurde. Bis 1972 machte der TVU in Wertach unter der Leitung von Rolf Gruber Station. 1973 und 1974 ging es ins Montafon und von 1975 bis 1980 war Stuben am Arlberg unter der Leitung von Wolfgang Schmidt das Ziel der Lenninger. 1980 wird vielen Mitgliedern in Erinnerung geblieben sein, als die Skigruppe in Stuben bereits in der ersten Nacht völlig eingeschneit wurde. Eine Lawine hatte sich damals bis in den Ort gewälzt, sodass die ganze Woche über kein Liftbetrieb mehr möglich war. Die Skifreizeit in Stuben fand damit im wahrsten Sinne des Wortes in den Stuben statt.

Dieser Zwischenfall war Anlass, sich nach einem anderen Skigebiet und einer anderen Unterkunft umzusehen, nach Möglichkeit mit Selbstverpflegung, um die Kosten für die Teilnehmer zu senken. In Savognin (Schweiz) wurde die Abteilung fündig. Von 1981 bis 1984 waren die Unterlenninger Nachwuchsfahrer unter der Leitung von Wolfgang Schmidt Gäste in Savognin. Die Selbstverpflegung erforderte aber von nun an einen höheren organisatorischen Aufwand. Mit Küchenchef Herbert Ritzmann, unterstützt von Fritz Weller, Hedwig Gökeler und Anita Raichle wurde diese Aufgabe bewältigt. 1985 wechselte man erneut das Quartier, das sich bis heute im schweizerischen Wildhaus befindet. Die Ski- und Snowboardfreizeit leiten seit 1985 Walter Rudolph jun. und Heinz Gökeler.

Seit dem Jahr 2000 folgt auch der TVU neuen Trends im Wintersport und nahm das Snowboarden ins Programm auf. In den ersten beiden Jahren holte der Verein Lehrer aus der Schweiz, heute übernehmen eigene qualifizierte Übungsleiter die Kurse. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigt die Statistik: Im vergangenen Jahr nahmen erstmals mehr Boarder als Skifahrer an der Skifreizeit teil. Die sind für Übungsleiter und Helfer ein echter Vollzeitjob. Die Kinder und Jugendlichen werden im kompletten Skigebiet betreut und vom Lehrteam geschult, das nebenbei auch noch für die Verpflegung verantwortlich ist. Am Abend steht dann meist ein buntes Programm auf dem Plan, für das der Helferstab Lagerolympiaden, Nachwanderungen bis hin zur Disco veranstalten. Aktionen, die die Mitgereisten zu einer Art Großfamilie zusammenschweißen.

Mit Beginn der Siebziger Jahre führte die Abteilung, wenn es die Schneelage erlaubte, alljährlich Skikurse für Anfänger und Fortgeschrittene auf der Alb durch. Den Abschluss der Albskikurse markierte dann eine Skiausfahrt ins Allgäu. Weitere Ausfahrten ins Gebirge und traditionell nach Ischgl stehen jährlich auf dem Programm. Seit 2003 betreibt der TVU auch eine DSV-Skischule mit großem Erfolg.

Rennlauf in der AbteilungDie Rennläufer des Vereins beteiligten sich regelmäßig an den offiziellen Veranstaltungen des Skibezirks "Mittlere Alb", am Teck-, Reußenstein-, Bläsiberg- und dem Sickenbühlabfahrtslauf. Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Wintersportabteilung wurden am 2. März 1969 in Wertach die Bezirksmannschaftsmeisterschaften mit einer Rekordbeteiligung von 65 Teams ausgetragen. Am 29. Juni desselben Jahres dann das Bezirkssommertreffen (Dreikampf und Geländelauf) des Skibezirks "Mittlere Alb" und 1970 richtete der am "Bölle" bei Owen die Tälesmeisterschaften aus. Ab diesem Zeitpunkt veranstaltete die Abteilung alle vier Jahre je nach Schneelage in heimischem Gelände oder im Allgäu die alpinen Tälesmeisterschaften für alle Klassen. Seit 1989 veranstaltet der Verein das Wilhelm-Allgaier-Gedächtnisrennen für Jugend und Aktive, im Gedenken an den jungen Rennläufer, der bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam. Für seine jahrelange solide Arbeit als Veranstalter wurde der TVU 1997 mit der Ausrichtung der Baden-Württembergischen-Schülermeisterschaften am Fellhorn belohnt.

Vom 12. bis 14. März 2004 stand die Abteilung vor ihrer bisher größten Bewährungsprobe. Auf Grund hervorragender Organisation bei überregionalen Skirennen erhielt sie vom deutschen Skiverband (DSV) den Zuschlag, das Roland-Kuhn-Gedächtnisrennen ( FIS-CIT ) in Mellau (Bregenzerwald) zu veranstalten. Der so genannte City-Cup rangiert direkt unter dem Europacup und dem Weltcup, wofür sich die besten Läufer aus dieser Rennserie qualifizieren können. Unter den Teilnehmern sammelten auch lokale Skigrößen wie Pattrick Moll wichtige Erfahrungen auf internationaler Ebene. Der TVU erhielt damals Lob und Anerkennung von allen Seiten.

Der TVU-SkibasarDa die Ausrüstung für die Skifahrer immer anspruchsvoller und teurer wurde, hatte Hans Renz die Idee, einen Skibasar für gebrauchte Skiausrüstung abzuhalten. Die Abteilungsmitglieder waren von diesem Vorschlag begeistert und es wurde dann im Oktober 1977 der 1. Skibasar im Autohaus Renz ins Leben gerufen. Bis heute zählt der Skibasar zum festen Bestandteil im Jahreskalender der Abteilung. Doch nicht nur in der kalten Jahreszeit, auch im Sommer sind die Wintersportler aktiv. Wöchentliche Skigymnastik in der Turnhalle beziehungsweise auf dem Bühl sowie Übungsgruppen vom Kindergarten- bis zum Erwachsenenalter halten fit für den Winter. Ausdauer, Kraft und Spiel stehen dabei auf dem Programm. Ergänzt wird dieses Freizeitangebot durch Aktivitäten wie Inlinen, Wandern, Fahrrad fahren oder auch Schwimmen.

Anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens bekam die Wintersportabteilung in diesem Sommer die Ausrichtung eines Inliner-Rennens im Rahmen des LBS-Inline Cups 2004 übertragen das erste Inliner-Rennen der Vereinsgeschichte in eigener Regie. Die Engelhofstraße wurde zur Rennstrecke umfunktioniert, wann hatten Anwohner in Unterlenningen schon einmal Gelegenheit, mitten im "Skihang" zu wohnen. Toller Sport wurde von den rund 170 Läufern geboten, darunter einige aus Reihen der Deutschen Nationalmannschaft, sogar Mannschaftsweltmeister waren am Start.

Ab der kommenden Saison wird der Verein unter der Leitung von Markus Renz ein Inlinertraining für Kinder und Jugendliche anbieten, um für das nächste Inliner-Rennen in der Engelhofstraße im kommenden Sommer gerüstet zu sein.

Vergangenen Dezember stand zum ersten Mal eine Waldweihnacht auf dem Programm. Eingeladen waren alle Mitglieder, Gönner und Freunde der Abteilung Wintersport. Begleitet von der Flötengruppe wanderten die Teilnehmer auf den Bühl. Unterwegs wurde eine Weihnachtsgeschichte vorgetragen und Weihnachtslieder gesungen.

Vergangenen Samstag feierte die Abteilung in der Unterlenninger Turnhalle dann offiziell ihr 75-jähriges Jubiläum mit zahlreichen Gästen und einem bunt gemischten Programm aus Tanz, Hipp-Hopp und Kunstturnen. Nach dem offiziellen Programm wurden den Besuchern Musik, eine Dia-Schau und eine Bilderausstellung zur Vereinsgeschichte geboten. Was an diesem Abend nicht fehlen durfte, war das Gespräch untereinander. Gespräche, die vermutlich zahlreiche Erinnerungen wach riefen.