Lokales

Das perfekte Dinner . . .

Vesperkirche stillt erfolgreich den Hunger nach Gesellschaft und leckerem Essen

Kirchheim. Gehwägen werden neben Kinderbuggies geparkt, die Türen stehen weit offen und die letzten Speisebehälter werden in die

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marlene litzka

Thomaskirche getragen. Es ist 11.30 Uhr. Entlang der Aichelbergstraße kommen die Leute und folgen dem Duft von Essen. Sie gehen alle zur Vesperkirche. Im Eingangsbereich stehen schon liebevoll gedeckte Tische neben der Kaffee- und Kuchentheke. Ein Blick in den Kirchenraum: Viele Tische – für mehr als 200 hungrige Gäste – bedeckt mit Tischdecken, Getränken, Blumen und Kerzen. Wie ein Festsaal. Da in den letzten Tagen die Gästezahl stieg, musste sogar der Altar etwas zurückweichen, damit weitere Tische auf dem Podest Platz finden konnten.

Innerhalb einer viertel Stunde sind die Hälfte der Plätze schon besetzt. Gäste aller Altersklassen, aller Gesellschaftsschichten und verschiedener Religionen sind zum zwölften Mal der Einladung nachgekommen, gemeinsam an den Tischen Platz zu nehmen. Für die kleineren Gäste gibt es eine Kinderecke. Mittlerweile, erklärt Ilka Babel vom Kreisdiakonieverband, haben sich sogar Stammtische gebildet.

Um 12 Uhr wird der „Startschuss“ für die Helfer gegeben und sie beginnen an den ihnen zugeteilten Tischen mit herzlicher Art zu servieren. Auch Leute, die sonst nie den Luxus erfahren, bedient zu werden, sollen hier ihr Menü genießen. Flink werden nacheinander die Suppe, der Salat und als Hauptspeise Schnitzel serviert. Als Nachspeise gibt es Früchtejoghurt. Wer jetzt noch nicht satt ist, kann der Kaffee- und Kuchentheke einen Besuch abstatten.

Ganz nach dem Motto „Gemeinsam an einem Tisch“, lassen sich alle Gäste bei ausgelassenen Gesprächen die Speisen sichtlich schmecken. Wenn noch Plätze frei sind, werden – nach Nachfrage – neue Gäste hingeführt, die gleich freundlich in die Tischgemeinschaft aufgenommen werden. Die Hemmschwelle, sich mit unbekannten Leuten zu unterhalten, wird problemlos überwunden.

Bereits um 12.30 Uhr sind alle Tische besetzt. Weil alle sich unterhalten, die Helfer das Essen servieren und die Kinder miteinander spielen, ist es für einen Kirchensaal ungewöhnlich unruhig. Um 13 Uhr steht für kurze Zeit alles still. Sowohl für die Helfer, als auch für die Gäste. Eine Bibelgeschichte wird verlesen und bietet einen Denkanstoß. Danach wird noch ein Kanon gesungen. Nach etwa zehn Minuten geht es wie gewohnt weiter.

„Liebe geht durch den Magen“, sagt Pfarrer Karlheinz Graf aus Oberlenningen und ist ganz überwältigt von dem geselligen Miteinander, das alle beim gemeinsamen Essen erleben. Da vor allem ältere Menschen heute leider oft alleine essen, freue er sich, dass sie hier Anschluss finden.

Fast 34 freiwillige Helfer zählt die Vesperkirche. Sie servieren an den Tischen, arbeiten in der Küche oder geben die Speisen aus, die fertig zubereitet aus Nabern ankommen. Weil die gesamte Mittagsmahlzeit nur einen Euro kostet, lebt die Vesperkirche hauptsächlich von Spenden. Die Gesamtkosten sind nicht gedeckt. Ob die Vesperkirche nächstes Jahr wieder stattfindet, darüber wird noch diskutiert. Aber das Bedauern über das Ende ist bei den Gästen und auch bei den Helfern – trotz der Anstrengungen der letzten Tage – zu spüren.

Während die ersten Besucher gesättigt gegen 13.15 Uhr die Thomaskirche verlassen, kommt die zweite Essenslieferung gerade rein und neue Hungrige betreten den Saal. Nach Angaben von Ilka Babel mussten sie in den letzten Tagen oft nachbestellen. Diakon Wolfgang Burlein von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim und Ilka Babel, die die Organisation für die erste Vesperkirche übernommen haben, rechnen damit, dass die Zahl der verspeisten Essen bis Sonntag 2000 übersteigt.

Nach zwei kulinarischen Wochen endet morgen die Vesperkirche. Eine große Bereicherung wegen der Atmosphäre und der guten Menüs. Hier wird „Das perfekte Dinner“ serviert: Zehn Punkte für nette Gesellschaft, leckeres Essen und guten Service.

Fotos: Jean-Luc Jacques