Lokales

Das Prasseln der Legosteine erfüllt das Museum

Da werden alte Kinderträume wahr. Längst vergessen geglaubte Tage, spielend verlebt in der Welt aus kleinen Plastiksteinen mit Noppen, erheben sich wieder aus dem Dunst der Erwachsenenwelt. Ja, man könnte beinahe ins melancholische Schwärmen geraten, wenn man durch die Sonderausstellung geht, die am Sonntag um 11 Uhr im Stadtmuseum eröffnet wurde. Kinderspiel-Sammlerwelten: Lego heißt sie. Hans Lochmann aus Hannover zeigt seine faszinierende Sammlung in Nürtingen zum ersten Mal in Süddeutschland.

ANDREAS WARAUSCH

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NÜRTINGEN Es gibt Geräusche, die sind so charakteristisch, dass man sie stets wieder erkennt. Wer schon einmal in einer größeren Kiste nach dem einen verschollenen und doch gerade dringendst benötigten Lego-Stein gesucht hat, kennt das Prasseln. Und eben jenes Prasseln erfüllte das Stadtmuseum zuletzt Tag für Tag. "Eine Woche und einen Tag haben wir gebaut", schmunzelt Museumsleiterin Angela Wagner-Gnan. Kinderherzen schlagen bei dem Gedanken an exzessive und auch noch bezahlte Lego-Bauerei höher. Doch als Muss wird der Traum schon einmal zur Arbeit.

Der Aufwand freilich hat sich augenscheinlich gelohnt. Die Ausstellungsmacher können darauf hoffen, dass die Lego-Schau sich genauso zum Publikumsmagneten entwickelt wie in den Jahren zuvor die Teddybären-, die Sandmännchen-, die Puppenstuben- oder auch die Winnetou-Ausstellung. "Wir wollen Familien in unser Haus locken", sagte Nürtingens Bürgermeister Rolf Siebert bei einer Vorab-Präsentation für die Presse. Und man hoffe, so Siebert, dass diese Familien dann auch den Blick auf die anderen Exponate des Stadtmuseums richten.

Diese Öffnung hin zu den Lebenswelten, zu den kulturgeschichtlichen Umständen des Lebens ist unter puristischen Heimatkundlern umstritten, weiß er. Dennoch stehe die Stadt dazu. So könne immer wieder bei einem knappen Ausstellungsbudget von nicht einmal 15 000 Euro ein beachtliches Angebot auf die Beine gestellt werden.

Tatsächlich ist kaum eine andere Exponatengruppe so dazu geeignet, Spiel und kulturgeschichtliche Zusammenhänge spielerisch zu verdeutlichen, wie die Gebilde, die aus den Acht-Knopf-Steinen gebaut werden können. Da sind die drei Großvitrinen. In einer saust ganz klassisch die Eisenbahn, in der anderen tummeln sich Ritter, Piraten und andere Abenteurer. Und in der dritten gar surren hoch komplizierte Spaceshuttles und ausgefeilte Raketen durch den Lego-Kosmos.

Dann gibt es da natürlich noch die kleineren Vitrinen. In denen gibt es meistens ein Treffen der Generationen, so Arne Steinert. Der Kulturwissenschaftler ist Kurator der Ausstellung.

Bei solch einem Treffen der Generationen widmet sich eine Vitrine einem Thema, zum Beispiel der Feuerwehr. Und da kann dann der Filius sehen, mit welchem Auto der Papi anno dazumal die Floriansjünger zum Einsatz schickte. Da spiegeln die Spielzeuge tatsächlich Zeitgeist und Wirklichkeit wider. Leuchtreklamen, Plakate, Prospekte und Anleitungen, die Lochmann ebenfalls seit einem Flohmarktbesuch Ende der 80er-Jahre in Erinnerung an seine eigene Lego-Spielzeit zusammentrug, tun ihr übriges dazu.

Doch die Ausstellung skizziert auch die Entwicklung und Geschichte der dänischen Marke. Zu sehen sind zum Beispiel die ersten Holzspielzeuge aus den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, die schon den Namen Lego trugen. Lego ist übrigens ein Kunstwort, das vom dänischen "leg godt", was so viel wie "Spiel gut!" heißt, abgeleitet ist. Diesen Veteranen folgt der Traktor, der 1949 das erste Gebilde aus Plastiksteinen war und mit seinem Verkaufserfolg Grundstein der Lego-Erfolgsgeschichte war.

203 Milliarden Steine sollen übrigens seitdem hergestellt und weltweit verbaut worden sein, weiß Steinert zu berichten. Ob die Berechnung genau stimmt? Naja, bei der Menge kommt es auf den einen oder anderen Stein nicht an. Viele dieser Steine liegen übrigens in einem Spielezimmer im Stadtmuseum für die jungen Besucher zum Bauen bereit. Und freilich auch für die älteren, die noch gerne spielen.

INFODie Lego-Ausstellung im Stadtmuseum in der Wörthstraße 1 ist bis zum 25. Februar täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Heiligabend und Silvester ist geschlossen. Zudem bietet der Arbeitskreis Museumspädagogik jeweils sonntags ab 14 Uhr am 14. Januar Bauen mit Lego, am 28. Januar Lego-Kurzfilme und am 11. Februar Malen mit Noppensteinen an.