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Das Richtige finden

Berufsmesse des KJR soll Mädchen Lust auf Handwerk und Technik machen

Als Teil seines Berufsfindungsprojekts „Mädchen FIRM gemAcht“ organisierte der Kreisjugendring (KJR) eine Berufsmesse. Sie sollte Siebt- bis Neuntklässlerinnen für technische und handwerkliche Berufe begeistern. Die beteiligten Firmen hatten an ihren Ständen im Quadrium Wernau viele praktische Aktionen vorbereitet.

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Peter Dietrich

Wernau. Die rund 45 Mädchen des Berufsfindungsprojekts stammen aus Haupt- und Realschulen in Ostfildern, Oberesslingen, Plochingen, Kirchheim, Weilheim und Frickenhausen. An allen Orten hatten KJR-Mitarbeiter in Schulen und Jugendhäusern für das Projekt geworben. Die Mädchen kamen in pädagogischer Begleitung und freiwillig ins Quadrium – und waren entsprechend motiviert und neugierig. Bevor die Firmenstände öffneten, berichteten drei Frauen in einem „Erzählcafé“ über ihren bisherigen Berufsweg. „Das Engagement und der Wille, mit denen man einen Job macht, sind absolut entscheidend“, meinte Bettina Schmauder, die mit ihrem Mann in Kirchheim die Firma Auto Schmauder betreibt. Den Kontakt mit Kunden übte sie schon, als sie als Studentin der Wirtschaftswissenschaften in Kneipen und Kleiderläden jobbte. Zuvor immer am unteren Ende der Hierarchie, musste sie sich in der eigenen Firma erst an die Rolle der Chefin gewöhnen, ein langer Prozess. Selbstständig zu sein, gebe Gestaltungsspielraum. Doch seien Privatleben und Beruf sehr eng verbunden, was nicht für jeden passe. „Schaut genau hin, überlegt euch, was für ein Beruf euch Spaß machen könnte“, forderte sie die Zuhörerinnen auf.

Lisa Seeger, die derzeit bei der Daimler AG eine Ausbildung zur Industriemechanikerin macht, findet diesen Beruf sehr abwechslungsreich. „Man wird gleich behandelt wie die Männer, da gibt es keinen Unterschied“, betonte sie. Zu ihrer 21-köpfigen Ausbildungsgruppe gehören vier Mädchen. Nach einem Praktikum habe sie sofort gewusst: „Da muss ich hin.“ Am Ende des Tages sehe man, was man gearbeitet habe: „Das spornt einen an.“ Ihr Rat: „Macht einen guten Schulabschluss. Lasst euch nicht von den Eltern reinreden, trefft eure eigene Entscheidung!“

Menschen bewegen und die Welt verändern wollte Anke Wiest, heute bei der Beratungsstelle Frau und Beruf des Landkreises Ludwigsburg tätig. So studierte sie Psychologie, Soziologie und Erziehungswissenschaften. Man habe ihr zum Glück gesagt: „Wenn du willst, kannst du ganz viel.“ Sie machte den Mädchen Mut: „Jeder kann was, man muss nur das Richtige finden.“

Das Richtige – das könnte auch für Leute mit gutem Hauptschulabschluss bei der Papierfabrik Scheufelen in Lenningen sein, die an ihrem Stand zum Papierschöpfen einlud. Bei Fahrrad XXL Walcher in Deizisau, wo derzeit nur Jungs zum Fahrradmechaniker ausgebildet werden, könne sich das bei interessierten Mädchen jederzeit ändern, sagte Geschäftsführer Thomas Schmidt.

Bei 2 300 Mitarbeitern habe Index 140 Auszubildende, erläuterte Ausbilderin Simone Kuhn, die meisten derzeit als Mechatroniker. Bosch bildet in Wernau ebenfalls zum Mechatroniker aus. Wie vielfältig Keramikprodukte eingesetzt werden, demonstrierte die Plochinger CeramTec AG – vom künstlichen Hüftgelenk bis zur Wasserhahndichtung.

Das GARP-Bildungszentrum, in dem viele Auszubildende im ersten Jahr die Grundfertigkeiten erwerben, zählt 160 Mitgliedsbetriebe. Auch mit 67 Filialen versteht sich die Firma Veit noch immer als handwerkliche Bäckerei. Derzeit gibt es in der Backstube fünf, im Verkauf 18 Auszubildende.