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Das Schlimmste ist, ein Kind zu verlieren

"Wenn ein Kind stirbt, haben Eltern häufig das Gefühl, aus dem Leben zu fallen." Diese Erfahrung hat Eva Storz gemacht. Die Theologin und Familientherapeutin aus Rottenburg betreut seit Jahren trauernde Eltern, hilft ihnen, den Weg zurück ins Leben zu finden. Diese Hilfe wird sie nun mit dem Köngener Pfarrer Bernd Schönhaar im Landkreis Esslingen leisten.

GESA VON LEESEN

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KREIS ESSLINGEN Der Ökumenische Arbeitskreis Trauerbegleitung bietet erstmals einen Tag an für Eltern, die ein Kind verloren haben. Es sind viele: Laut statistischem Bundesamt starben 2005 in Deutschland 4922 Kinder und Jugendliche.

"Wir haben schon Trauerbegleitungen, aber noch keine spezifische für Eltern", erklärt Adalbert Kuhn vom Katholischen Bildungswerk. "Doch Eltern benötigen eine spezielle Ansprache. Denn das Schlimmste ist, ein Kind zu verlieren." Mit Storz und Schönhaar wurden erfahrene Fachleute gefunden. "Das wichtigste schien mir, Eltern in einer Gruppe das Gefühl zu vermitteln, dass nicht nur sie diesen großen Schmerz haben", berichtet Schönhaar. "Häufig haben sich so Menschen getroffen, die auch nach so einem Tag in Kontakt miteinander bleiben." Denn der Verlust eines Kindes verändert alles. Die Familie muss sich neu sortieren, Freunde ziehen sich zurück oder die Betroffenen können diese nicht mehr ertragen und eventuell spart die Verwandtschaft nicht mit guten Ratschlägen, wie getrauert werden soll.

Therapeutin Storz: "Die brauchen Eltern gar nicht. Das verletzt. Wir werden auch keine Ratschläge geben." Vielmehr gehe es an diesem Tag darum, Eltern zu unterstützen, ihren ganz persönlichen Weg der Trauer zu finden und zu akzeptieren. Storz: "Trauer verläuft nicht nach einem Schema. Jeder hat seine Art und die ist richtig."

Ein wichtiges Thema des Tages könnte die Beziehung der Eltern untereinander werden. "Männer und Frauen trauern anders", sagt Schönhaar. "Frauen macht das oft wahnsinnig, wenn Männer nach einer Woche wieder zur Arbeit gehen." Aber viele Männer bräuchten ein Gebiet, wo sie normal funktionieren. "Umgekehrt fällt es vielen Männern auf die Nerven, wenn Frauen Monate nach dem Tod des Kindes immer wieder von ihrem Schmerz reden. Wir wollen dabei helfen, diese unterschiedliche Art zu akzeptieren." Dies sei umso wichtiger, als nach dem Tod eines Kindes 70 bis 80 Prozent der betroffenen Paare sich scheiden lassen.

Wie der Tag genau ablaufen wird, hängt von den Bedürfnissen der Teilnehmer ab. Angesprochen sind alle Eltern, die ein Kind verloren haben egal ob das Kind gerade oder vor Jahren gestorben ist, egal ob es klein oder schon erwachsen war. Auch die Konfession spielt keine Rolle. Falls die Teilnehmer des Tages weitere Betreuung haben wollen, werde man überlegen, eine Trauergruppe für Eltern einzurichten. Schönhaar und Storz wissen, wie schwer es gerade für Eltern ist, über den Verlust eines Kindes zu reden. "Aber es kann wirklich helfen. Und wer kommt und nach einer Weile merkt, er erträgt das nicht, kann selbstverständlich gehen."

INFOAm Samstag, 10. März, findet von 9.30 bis 16 Uhr im Gustav-Werner-Haus in Köngen ein Tag für Eltern statt, die ein Kind verloren haben. Es wird eine Gebühr erhoben. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich beim Evangelischen Bildungswerk unter Telefon 0 70 22/90 57 60.