Lokales

Das Schloss setzt einen besonderen Akzent

Ziel einer sonntäglichen Ganztagesexkursion der Kirchheimer Ortsgruppe des Schwäbischen Heimatbundes war das in der Rheinebene gelegene ehemalige Fürstbischöfliche Residenzschloss Bruchsal.

KIRCHHEIM Fünf Jahre, nachdem der Markgraf von Baden 1715 seine Residenz von Durlach nach Karlsruhe verlegte und im selben Jahr, als der Kurfürst der Pfalz von Heidelberg nach Mannheim zog, ließ sich der Fürstbischof von Speyer, Kardinal Damian Hugo von Schönborn zwischen diesen beiden Residenzen in Burchsal nieder. Das prächtige Renaissance-Schloss in Speyer war ebenso wie Durlach und Heidelberg im pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört und in Flammen aufgegangen. Außerdem waren die Speyrer Fürstbischöfe mit den aufmüpfigen Bürgern der protestantischen Reichsstadt immer wieder in Streitereien verwickelt, sodass ihnen eine Verlegung der Residenz sehr gelegen kam.

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Doch der Fürstbischof baute nicht nur für Präsentationszwecke, sondern die gesamte Verwaltung seines geistlichen Territoriums sollte von Bruchsal aus erfolgen. Durch die Brandschatzungen des vorigen Jahrhunderts gewarnt, wurde die Gesamtanlage von Schloss und Verwaltung in über 50 einzelne Gebäude aufgelöst. "Ich baue haldt in ein landt, wohe täglich und stündlich kriech zu besorgen ist. Also muss es auch so gebauet werden, dass, wenn ein Flam aufgehet, das andere gebey noch zu erreten ist, also wird alle von einanter separiert", so schrieb er zur Begründung an seinen Bruder. Schlossbrände blieben ihm und seinen Nachfolgern erspart, jedoch kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges traf ein verheerender Luftangriff Bruchsal und die Stadt wurde fast völlig zerstört. Auch das Schloss wurde schwer getroffen.

Erst ab Mitte der 1960er-Jahre begann man mit dem Wiederaufbau des Hauptgebäudes, wobei man sich bei der originalgetreuen Restaurierung beziehungsweise Rekonstruktion der Innenräume auf den besonders wertvollen Mittelteil konzentrierte.

Die Führung begann im Ehrenhof des Schlosses, in Front der dreiflügeligen Schlossanlage. Im Schlossinneren begann die Führung im Vestibül, das wie ein tempelartiger Vorraum von dorischen Säulen umgeben ist. Da die Holzdecke über dem Vestibül 1945 niederbrannte, musste die Freskomalerei komplett rekonstruiert werden. Das Original hatte der damals schon fast 80-jährige Francesco Marchini gemalt.

Die Halbovale der aufsteigenden Treppen umschließen als nächsten Raum die zentral gelegene Grotte. In das Halbdunkel dieses Raumes hinein schuf Marchini eine fantastisch-chaotische Welt aus zyklopischem Mauerwerk, mit antiken Ruinen und Satyren als Sinnbild für die wilde, ungepflegte Natur. Gegenstück dazu ist der sich anschließende Gartensaal (Sala Terrena), der die für jedes barocke Schloss wichtige Verbindung zur Schlossterrasse und zum Garten herstellt und in seinem Bildprogramm für die gepflegte Natur steht.

Nun ging es über das von Balthasar Neumann konzipierte Treppenoval hinauf in die Bel Etage, wo der in heiterster Pracht des Rokoko glänzende Kuppelsaal vergessen lässt, dass man sich noch im Treppenhaus befindet. Die Treppe tritt zurück, stört nicht mehr, man befindet sich im zentralen Festsaal der oberen Etage. Die reichhaltigen dekorativen Stuckornamente zeigen nicht nur Putten und Rocaillen, sondern auch florale und architektonische Elemente. Unmerklich gehen die Stuckornamente in die Ebene des Gemalten über. Der Freskenmaler Johannes Zick stellte im Kuppelgewölbe Szenen aus der Geschichte des Bistums Speyer dar.

Anschließend ging es vom Kuppelsaal in den Fürstensaal. Namengebend sind die lebensgroßen Ölporträts von sieben Speyerer Fürstbischöfen. Auch hier stammt das Deckenfresko von Johannes Zick, einen Götterhimmel mit Apoll darstellend, der die Wissenschaften und Künste zum Blühen bringt. In den vier Raumecken sind die Wirtschaftsgrundlagen des Fürstbistums dargestellt: Ackerbau, Weinbau, Jagd und Salzgewinnung. Krönender Abschluss der Bel Etage, künstlerischer und kunsthandwerklicher Höhepunkt ist der nach der Gartenseite gelegene Marmorsaal, der auch Kaisersaal genannt wird. Den Glanzpunkt bildet die von Zick gemalte Saaldecke, in der die fortdauernde Beständigkeit des fürstbischöflichen Hochstifts in einer heute kaum noch nachzuvollziehenden Ewigkeitssymbolik geschildert wird.

Während der Mittelteil des Corps de Logis in seiner historischen Form wiederhergestellt wurde, verzichtete man bei den anschließenden Räumen auf eine Rekonstruktion zu Gunsten größerer Museumssäle. Von den vorhandenen drei Museen wählte die Kirchheimer Gruppe das "Museum Mechanische Musikinstrumente" aus. Das Museum besitzt fast 500 Exponate, die die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der selbst spielenden Musikinstrumente vom 18. Jahrhundert bis zu den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts zeigen. Am Ende warf man noch einen Blick auf den verschneiten Schlosspark und auf die von der Nachmittagssonne beschienene Gartenfront, die sich vor der winterlichen Landschaft besonders stimmungsvoll abhob. Man war sich einig, dass dieses Schloss in der gewiss nicht armen Schlösserlandschaft Baden-Württembergs einen besonderen Akzent zu setzen vermag.

etr