Lokales

Das Stadtarchiv nicht "ins hinterste Loch stecken"

Nach mehreren Jahren des Stillstands hat der Owener Gemeinderat die Diskussion um die Nutzung der "Beginenklause" und den künftigen Standort des Stadtarchivs wieder aufgenommen. Die Grundüberlegung war dabei, erst einmal die Archivräume im Erdgeschoss einzurichten und die Sanierung der oberen Stockwerke noch zu verschieben.

ANDREAS VOLZOWEN Bürgermeister Siegfried Roser ging zu Beginn der Debatte gleich auf Grundsätzliches ein: "Die Stadt hat die Pflicht, ein Archiv zu unterhalten." Die Räume im Notariatsgebäude, die einmal dauerhaft für das Archiv vorgesehen waren, hatten den historischen Beständen mehr geschadet als genutzt. Zu hohe Temperaturschwankungen führten dazu, dass die Archivalien unter Pilzbefall zu leiden hatten. Die alten Bände seien für mehr als 50 000 Euro saniert worden und lagern seither im Verwaltungsgebäude des Beurener Freilichtmuseums im ehemaligen Munitionsdepot, erinnerte Roser an die besondere Problematik der historischen Zeugnisse aus Owen.

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Bereits vor Jahren diskutierte der Gemeinderat darüber, das Archiv im Erdgeschoss der so genannten "Beginenklause" unterzubringen. Das Gebäude ist eines der ältesten und geschichtlich interessantesten in ganz Owen. Der Name stammt von den klosterähnlichen Gemeinschaften der weiblichen Beginen, die sich im ausgehenden Mittelalter in ganz Westeuropa verbreiteten. In Owen gab es zwar tatsächlich Beginen, aber ihre Behausung war wohl nicht identisch mit der "Beginenklause" in der Kirchheimer Straße. Schon 1992 hat der Historiker Rolf Götz für dieses Gebäude die Vermutung aufgestellt, dass es sich dabei um den Klostergasthof gehandelt haben könnte.

Die Schwierigkeit mit dem Gebäude besteht darin, dass die Grundrisse der einzelnen Stockwerke kaum geeignet sind für moderne Nutzungen. Andererseits darf aus Denkmalschutzgründen so gut wie nichts geändert werden. Weil die "Beginenklause" aber einer dauerhaften Nutzung zugeführt werden muss, könnten durch den Einzug des Archivs in das Erdgeschoss zwei notwendige Aufgaben der Stadt auf einmal gelöst werden. Längerfristig sind für die oberen Stockwerke der "Beginenklause" Ausstellungsräume eventuell für ein Heimatmuseum und eine Wohnung vorgesehen.

Seit Ende 2002 gebe es für die Maßnahme ein genehmigtes Baugesuch, sagte Siegfried Roser im Gemeinderat. Die Kostenschätzung, die Architekt Matthias Grzimek damals erstellt hatte, rechnete Roser auf ungefähr 600 000 Euro hoch. Hinzu komme die Ausstattung des Archivs mit angemessenen Rollregallagern: "Und das wird auch nicht gerade billig werden." Deshalb warf der Bürgermeister im Ratsrund die Frage auf, ob sich nicht zuerst allein das Erdgeschoss in Angriff nehmen lasse einschließlich der notwendigen statischen Maßnahmen im Keller.

Die Gemeinderäte waren sich rasch über das weitere Vorgehen einig: Matthias Grzimek soll beauftragt werden, die aktuelle Kostensituation anhand der Auflagen des Landesdenkmalamts zu überprüfen. Wie es allerdings weitergeht, wenn die Zahlen auf dem Tisch liegen, das steht noch völlig in den Sternen. Stadtrat Hans-Jörg Schmid etwa bezweifelte, dass Rollregallager die richtige Nutzung für solch ein historisches Gebäude seien: "Der Raum da unten hat für mich mehr Wert." Sein Ratskollege Andre Bittner schlug deshalb vor, an einer anderen Stelle für das Archiv "ein kleines, schlichtes Gebäude zu erstellen".

Gabriele Horer erwiderte, dass dadurch die Frage nach der Zukunft der "Beginenklause" immer noch nicht gelöst sei. Dass das Archiv nach Owen zurückkehrt, begrüßte sie ausdrücklich. Wer in Beuren forschen wolle, müsse sich an die dortigen Öffnungszeiten halten, was die dauerhafte Arbeit an einem bestimmten Thema deutlich erschwere. Günther Diez machte sich ebenfalls für die "Beginenklause" als Archivstandort stark: "Die Zeiten, in denen man ein Archiv ins hinterste Loch gesteckt hat, sind vorbei. Wir sollten das ordentlich gestalten. Es dient uns nachher allen." Thomas Kerssens verglich die Debatte über die "Beginenklause" mit denen zur Bernhardskapelle, die sich inzwischen als Owener Schmuckstück präsentiere.

In eine ganz andere Richtung lenkte Christoph Ensinger die Diskussion: "Ich warne vor Teilbauten. Ob Heizung, Wasser oder Elektrotechnik da braucht es ein Gesamtkonzept, auch für die oberen Stockwerke. Wenn man ehrlich ist, muss man den Gesamtkosten gegenübertreten."