Lokales

Das Straßenbauamt in seiner Entwicklung von 1808 bis 2004

KIRCHHEIM Am 1. Januar 2005 wurde das Straßenbauamt, zusammen mit allen anderen Unteren Sonderbehörden, aufgelöst. Seine Aufgaben gingen in der gemeinschaftlichen Straßenunterhaltung und bei den Kreisstraßen auf die Landkreise über. Für den Bau und die Erhaltung der Bundes- und Landesstraßen wird zukünftig das Regierungspräsidium Stuttgart zuständig sein. Hierfür wurde in Göppingen ein Dienstsitz eingerichtet, bei dem ein Teil der Beschäftigten, der im Landesdienst verbleibt, tätig ist.

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Die Geschichte des Straßenbauamts Kirchheim reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück.

Im Königreich Württemberg Mit dem Übergang vom Herzogtum zum Königreich Württemberg übernahm im Jahre 1808 der Staat alle Kommerzial- und Poststraßen, welche insgesamt 1900 Kilometer umfassten. Von diesem Zeitpunkt an sprach man von "Staatsstraßen". Bis 1918 wurde das Staatsstraßennetz verbessert und auf 3200 Kilometer ergänzt. Für den Bau und die Unterhaltung dieses Netzes wurde im Königreich beim Departement des Inneren eine leistungsfähige Straßenbauverwaltung unter der Leitung von ausgebildeten Ingenieuren geschaffen und das Land dazu in Bezirke, so genannte "Straßenbauinspektionen" eingeteilt.

Bei der Neueinteilung 1875 wurde das Oberamt Kirchheim der Inspektion Cannstatt zugeteilt, was auch bis 1918 so blieb. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm das Land Württemberg, nach dem Zweiten Weltkrieg das Land Baden-Württemberg die Organisation der königlichen Straßenbauverwaltung. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts gab es unter Aufsicht und mit finanzieller Unterstützung ein so genanntes "Vizinalstraßennetz", für das im Wesentlichen die Oberämter zuständig waren.

Verwaltung bis 1945 Die Verwaltung des Straßennetzes bis 1945 war, mit Ausnahme der Reichsautobahnen, Angelegenheit der Länder Baden und Württemberg. Das Reichsgesetz zur einstweiligen Neuregelung des Straßenwesens und -verwaltung vom 26. März 1934 brachte jedoch eine Änderung insbesondere in der Organisation für das Straßenwesen in den Ländern: Alle Straßen des Deutschen Reiches wurden, entsprechend ihrer Verkehrsbedeutung, in drei Gruppen eingeteilt: Reichsstraßen, Landesstraßen erster Ordnung und Landesstraßen zweiter Ordnung. Dadurch entstand ein Straßennetz, wie es im Prinzip heute noch existiert. Zugewiesen wurden die Reichsstraßen der Baulast des Reiches, die Landesstraßen erster Ordnung der Baulast der Länder und die Landesstraßen zweiter Ordnung der Baulast der Kreise. Den Gemeinden mit über 6000 Einwohnern wurde sowohl die Baulast für Gemeindestraßen, als auch die Baulast für klassifizierte Straßen innerhalb der Ortsdurchfahrten auferlegt. Die Verwaltung des gesamten klassifizierten Straßennetzes oblag den Ländern.

Die neue Kreiseinteilung im Jahre 1938 sorgte für Wirbel: Als Ersatz für das Oberamt wurden einige technischen Außenämter in Oberamtsstädte verlegt. Unter anderen wechselte somit beispielsweise das Straßen- und Wasserbauamt Cannstatt nach Kirchheim.

Der Zusammenbruch in Deutschland bei Kriegsende im Jahre 1945 und die von den Besatzungsmächten verfügte staatliche Neugliederung des Südwestdeutschen Raumes hatten auch auf die Straßenbauverwaltungen Baden und Württemberg starke Auswirkungen. Entsprechend der neuen regionalen Gliederung Südwestdeutschlands wurden auch die staatlichen Straßenbauverwaltungen einer Neugliederung unterzogen.

Die Organisation nach 1952 Die Neuorganisation der Straßenbauverwaltung wurde bereits 1952 eingeleitet. Demnach war das Innenministerium oberste Landesbaubehörde und verteilte die Aufgaben auf dem Gebiet des Straßenbaus an Regierungspräsidien, bei welchen für den Straßenbau besondere Abteilungen geschaffen wurden. Für das Regierungspräsidium Nordwürttemberg war eine dieser Abteilungen das Straßenbauamt Kirchheim, zu welchem in dieser Zeit die Landkreise Esslingen, Nürtingen, Böblingen und der Stadtkreis Stuttgart zählten.

Die Reform 1968 bis 1973Seit Bestehen des Landes Baden-Württemberg war lange Zeit der Grundsatz der Verwaltungspolitik, die gewachsenen verwaltungsmäßigen Strukturen zu schonen. Nachdem die Baden-Frage in der Volksabstimmung am 7. Juni 1970 endgültig gelöst worden war, kam die bereits im Jahre 1968 in Angriff genommene Gebiets- und Verwaltungsreform dann voran. Sie stand unter dem Vorzeichen des Grundsatzes der Maßstabvergrößerung. Dementsprechend wurden die Gebietszuschnitte der Gemeinden und Landkreise, und damit auch der meisten Sonderbe-hörden, vergrößert.

Auswirkungen auf die Straßenbauverwaltung ergaben sich durch die Veränderung bei den Landkreisen und die dadurch bedingten Veränderungen der Straßenbauamtsbezirke. Die bisher 26 Straßenbauämter erhielten durch Änderungen der Landkreise neue Zuschnitte. Diese Umorganisation der Straßenbauämter war nicht einfach, handelte es sich bei ihnen doch um seit langem gewachsene und festgefügte Verwaltungseinheiten, die jetzt zum Teil aufgelöst und manchmal auch ganz erheblich verändert werden mussten. Teilweise wurden alte Amtssitze vollkommen aufgehoben, teilweise wurden ganz neue Standorte bestimmt. Das Straßenbauamt Geislingen wurde 1973 aufgelöst und in das Straßenbauamt Kirchheim integriert. Dieses umfasste nunmehr die Landkreise Esslingen und Göppingen. Der Landkreis Böblingen wurde dem Straßenbauamt Besigheim zugeschlagen.

Mit der Einrichtung von Außenstellen sollten große Bauvorhaben vereinfacht werden. Bauleitungen als selbstständige Organisationseinheiten hatte man an solchen Orten eingerichtet, wo auf längere Zeit diese Bauvorhaben verwirklicht werden mussten. In Plochingen wurde für den Neubau der Bundesstraße 10 und der Bundesstraße 313 als Außenstelle des Straßenbauamts Kirchheim eine Bauleitung zur Betreuung der Baumaßnahmen eingerichtet. Solche Bauleitungen waren je nach Aufgabenanfall mit jeweils zehn bis 20 Mitarbeitern ausgestattet und wurden von einem Beamten des höheren Dienstes geleitet.

Um gutes Arbeiten der Straßenbauverwaltung zu gewährleisten, wurde mit der Schaffung der neuen Amtsbezirke ein einheitlicher Rahmen- und Organisationsplan aufgestellt und durch das Wirtschaftsministerium verbindlich eingeführt. Bis zur Verwaltungsreform wurde bei den Straßenbauämtern noch nach den alten Organisationsplänen gearbeitet, soweit solche überhaupt vorhanden waren. Bei dem sich in den siebziger Jahren laufend steigernden Arbeitsanfall bei den Straßenbauämtern war eine einheitliche Organisation dringend nötig.

Dem Straßenbauamt Kirchheim waren in seinem organisatorischen Unterbau nunmehr acht Dienststellen zugeordnet darunter zwei Bauleitungen, fünf Straßenministerien und ein Bauamtsgerätehof.

Wie es zum Ende kamZum 1. Januar 2002 wurden die Bauleitungen Geislingen und Plochingen aufgelöst und in die neu entstandene Dienststelle Süßen integriert. Dann, im Zuge der "Neuordnung der Struktur der Straßenbauverwaltung in Baden-Württemberg" auf 1. Januar 2003, wurde das Straßenbauamt Schorndorf aufgelöst und in das Straßenbauamt Kirchheim (SBA) integriert. Hierdurch sind dem SBA Kirchheim auch die im Rems-Murr-Kreis liegende Bauleitung Waiblingen sowie die Straßenministerien Backnang, Schorndorf und Weinstadt zugewachsen. Und schließlich im Zuge der so genannten " Großen Verwaltungsreform" wurde das SBA Kirchheim zum 1. Januar 2005 aufgelöst. Die Aufgaben wurden auf die Landkreise Esslingen, Göppingen, Rems-Murr, den Stadtkreis Stuttgart sowie das Regierungspräsidium Stuttgart übertragen.

ÖrtlichkeitenIn der Nachkriegszeit war das Straßenbauamt im Gebäude der Kreissparkasse in der Alleenstraße 160 untergebracht. Im Jahr 1963 erfolgte der Umzug des Amts in die Stuttgarter Straße 22 ins ehemalige Krankenhaus, das Wilhelmshospital, das im Eigentum des Landkreises stand und in dem bereits der Kreisbaumeister, die Landwirtschaftsschule und die Zulassungsstelle untergebracht waren. Später erfolgte die Straßenumbenennung in Osianderstraße 6.

Auch Feste wurden gefeiert Die Durchführung von Festveran-staltungen, Betriebsausflügen, Wanderungen und sonstigen Freizeitaktivitäten ist für ein gutes Betriebsklima notwendig. Anfang der achtziger Jahre stellte sich die Notwendigkeit he-raus, für die Organisation von Gemeinschaftveranstaltungen einen Festausschuss zu installieren. Was wurde da nicht alles gefeiert: Hüttenfeste auf der "Ulmer Hütte", Wande-rungen ins Tiefenbachtal und auf die Teck, Besuch des Weinbesens in Kohlberg und der Winzergenossenschaft Neuffen, Durchführung von Skiausfahrten, Organisation einer silbernen Hochzeit bei der Eintracht Kirchheim, Management von Geburtstagsfeten und vieles mehr. Weil es auch im Landesdienst musikalische Menschen gibt, wurde 1984 ein kleines Männerchörle gegründet, das gut zehn Jahre lang bei Weihnachtsfeiern, Ausflügen und Verabschiedungen mit Volksliedern zu gefallen wusste.

Das PersonalEine optimale Aufgabenerfüllung hängt größtenteils von einem qualifizierten Personalkörper ab. Für viele Beschäftigte des Amtes war die Arbeit bei dieser Behörde kein kurzfristiger "Job", sondern sinnvoller Lebensinhalt. Stets haben sich auch Beschäftigte gefunden, die sich für eine Mitarbeit im Personalrat zur Verfügung stellten. Viele Aufgaben wurden einvernehmlich angegangen und Probleme gemeinsam gelöst.

ch

Quelle: Chronik, Straßenbauamt Kirchheim, Eine Erfolgsgeschichte von 1808 bis 2004.