Lokales

Das Veto des Stadtkämmerers nutzte nichts



BARBARA IBSCH

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KIRCHHEIM Das gibt es nicht alle Tage. Kirchheims Stadtkämmerer Remshardt verweigerte seine Unterschrift auf einer Sitzungsvorlage zum Bebauungsplan "Eichwiesen" auf Gemarkung Ötlingen, Flur Lindorf. Es gibt wichtigere Aufgaben, lautet seine Ansicht dazu, die von Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats an das Gremium weitergegeben wurde. Die Rathauschefin hat dazu eine andere Meinung: "Die Sache sollte durchgezogen werden."



"Die Sache", das ist zunächst einmal der Bebauungsplan "Eichwiesen", für den der Gemeinderat im Oktober vergangenen Jahres den Aufstellungsbeschluss gefasst hatte. In jüngster Sitzung war die Auslegung beantragt. An der Sachlage hat sich nichts geändert. Auf einem südlich der Autobahn gelegenen Gelände in Lindorf soll ein multifunktionaler Platz angelegt werden. Einen Bolzplatz gibt es schon darauf, umgeben von landwirtschaftlichen Flächen.


Multifunktional darunter ist in erster Linie ein sportliches Freizeitangebot für Lindorfs Jugend zu verstehen, aber auch die Möglichkeit zum Festen unter schützendem Zeltdach. Als Art der Nutzung soll eine öffentliche Grünfläche mit der Zweckbestimmung Sportanlage ausgewiesen werden. Zur Planung gehört auch, innerhalb des vierzig Meter umfassenden Abstandsbereichs zur Autobahn eine Teilfläche als BMX-Park anzulegen.


Die Kosten für einen solchen multifunktionellen Platz wurden im Vorfeld auf rund 296 000 Euro geschätzt, in denen knapp 50 000 Euro für naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen enthalten sind. Das ist in Zeiten knapper Kassen ein ziemlich großer Brocken, den der Stadtkämmerer so nicht schlucken wollte.


Dafür lief Lindorfs Ortsvorsteher Haack zur Hochform auf, machte sich stark für eine über den Tag hi-naus reichende Entscheidung. Ein befestigter Platz für die Jugend sei notwendig, stellte er mit Nachdruck fest. Wenn es dazu schon eines Bebauungsplans bedürfe, dann sollte dieser so großzügig bemessen sein, dass nicht ständig nachgebessert werden müsse. Manfred Haack sprach in diesem Zusammenhang von einem "Zeitfenster von fünfzehn bis zwanzig Jahren". Einen Gesamtrahmen wolle man haben und nichts anderes, bekräftigte er und kündigte schrittweises Vorgehen an: "Wir wollen jetzt nur mal den befestigten Platz, damit Jugendliche Basketball spielen können".


Verständnis für die Wünsche des Ortschaftsrats hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Aeugle. Für die Auslegung des Bebauungsplans sprach sich auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Kapp aus, nachdem der Plan ja schon erarbeitet sei und derzeit keine weiteren Kosten in dem Bereich entstünden. Zugleich erinnerte Kapp an eine ähnliche Situation im Ortsteil Nabern, wo ohne städtische Beteiligung, dafür aber mit tatkräftigem Einsatz der Jugendlichen Ähnliches umgesetzt wurde. Dass die Lindorfer sehr rührig seien, bescheinigte Stadtrat Feeß namens der Freien Wähler und konnte sich gut entsprechende Eigenleistung vorstellen. Einen multifunktionalen Platz sah er allerdings noch nicht so schnell kommen.


Kritische Anmerkungen dagegen von Stadtrat Most (FDP). Er mahnte an, nach Wegen zur Eingrenzung der Paragrafenflut zu suchen, damit nicht weiterhin jede Menge Leute damit beschäftigt würden, einen Bolzplatz in einen multifunktionalen Platz umzufirmieren. Bernhard Most gab zu bedenken "wie wir mit dem Geld umgehen", räumte zugleich aber auch ein, dass die Sache jetzt schon so weit fortgeschritten sei, "dass man es laufen lassen soll". Künftig sollten Aufstellungsbeschlüsse aber mehr überdacht werden.


Ernstes Nicken im Sitzungsrund, dann die Entscheidung: Einstimmiger Auslegungsbeschluss. Mal sehen, wie lange der Stadtkämmerer das Geld zusammenhalten kann.