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"Das war dringend erforderlich"

Erste Erfolge kann die Gemeinde Dettingen in Sachen EU-Vogelschutzgebiete verzeichnen: Das Land hat zugestimmt, einige Flächen aus der vorgesehenen Schutzzone herauszunehmen, weil sie bedrohten Vogelarten gar nicht als Lebensraum dienen.

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN Für großes Aufsehen hatte Ende des vergangenen Jahres die Nachmeldung von EU-Vogelschutzgebieten durch das Land Baden-Württemberg gesorgt. Dettingen war mit einer äußerst großen Fläche zu der auch wichtige Gemeindeentwicklungsgebiete gehörten von 1029 Hektar betroffen. Die Kommune schaltete daraufhin den Arbeitskreis Natur und Umwelt sowie einen Sachverständigen ein, um im ersten Beteiligungsverfahren die Rücknahme von Flächen an insgesamt neun Stellen im Ort zu erwirken.

In jüngster Sitzung teilte Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann dem Gemeinderat nun die Ergebnisse des ersten Verfahrens mit. "Alles was mittendrin in den Gebieten liegt, wird nicht herausgenommen", so Haußmann. Gebäude, die im Vogelschutzgebiet stehen, genießen allerdings Bestandsschutz. Der Friedhof und die Kleingartenanlage kollidieren aus Sicht des Landes ohnehin nicht mit dem Vogelschutzgebiet und bleiben in der sogenannten Meldekulisse enthalten.

"Die Flächen, die innerhalb eines rechtskräftigen Bebauungsplans liegen, werden herausgenommen", informierte der Bürgermeister weiter. Dazu gehört in Dettingen etwa das Schul- und Sportgebiet mitsamt Tennisanlage. Auch andere Flächen sollen künftig nicht mehr zum Vogelschutzgebiet gehören, so etwa ein mögliches Neubaugebiet südlich der Teckstraße und eine potenzielle Fläche für ein Gewerbegebiet im Norden der Gemeinde. Den Ausschlag gegeben hatte allerdings keineswegs die geplante Nutzung. Ausdrücklich heißt es in der Vogelschutzrichtlinie der EU nämlich, dass wirtschaftliche, politische und infrastrukturelle Aspekte keine Rolle spielen dürfen.

"Es gibt nur naturschutzfachliche Gründe" stellte Haußmann klar. Eben solche konnten die von der Gemeinde beauftragten Experten feststellen: Einige der anfänglich ausgewiesenen Gebiete dienen gar nicht als Lebensraum für bedrohte Vogelarten. "Die Ausweisung war fachlich nicht fundiert", sagte Haußmann. Das Land hat nun die Ansicht der Experten bestätigt und mit der Rücknahme einiger Flächen reagiert. "Das war auch dringend erforderlich", betonte Rainer Haußmann. Das Vorgehen des Landes Baden-Württemberg in Sachen EU-Vogelschutzgebiete hält er noch immer für unerhört. "Die umgekehrte Beweislast ist zu verurteilen", kritisierte er, dass die Gemeinden den Beweis gegen die unter Zeitdruck entstandenen und fachlich nicht fundierten Gebietsvorschläge antreten müssen.

Abgeschlossen ist das Verfahren noch nicht: Es geht nun in die zweite Stufe. Dabei können sich nicht mehr nur Gemeinden beteiligen: "Jetzt sind auch Privatleute aufgerufen, Stellung zu nehmen", betonte Haußmann. Auch die Kommune möchte sich noch nicht mit dem Erreichten zufriedengeben: "Wir machen weiter", versprach der Rathauschef.