Lokales

Das „Zaumzeug“ führt er fest in der Hand

Hagen Zweifel wurde im Kirchheimer Gemeinderat für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt

Seit einem viertel Jahrhundert sitzt Hagen Zweifel für die Freien Wähler im Kirchheimer Gemeinderat. In seiner Fraktion ist er als Vorsitzender mittlerweile von „jungen Wilden“ umgeben. Aber gerade deshalb empfindet er das Ehrenamt bis heute nicht als eine lästige Arbeit.

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Andreas Volz

Kirchheim. Heute, am 18. Dezember, ist es auf den Tag 25 Jahre her, dass Hagen Zweifel als Nachrücker erstmals am Kirchheimer Ratstisch Platz genommen hat. In ihrer Laudatio auf den Jubilar ging Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker zunächst darauf ein, wie mühsam es sei, erstmals die Hürde der Wahl in den Gemeinderat zu nehmen. In den folgenden Wahlen habe Hagen Zweifel aber jedes Mal eine überzeugende Zahl an Stimmen erhalten, wobei er seinen persönlichen Rekord mit 5 411 Stimmen bereits 1994 erreicht habe.

Seine Fraktion sei als die zweitstärkste im Kirchheimer Gemeinderat gut aufgestellt, sagte die Oberbürgermeisterin. „Als Fraktionsvorsitzender müssen Sie, umgeben von jungen Wilden, das Zaumzeug führen“, stellte Angelika Matt-Heidecker fest und erinnerte an zwei bedeutende Vorgänger Hagen Zweifels in diesem Amt: Günther Schnürch und Sybille Köber.

Wie lange Hagen Zweifel tatsächlich schon im Kirchheimer Gemeinderat sitzt, das zeigt das Thema seiner ersten Wortmeldung im Technischen Ausschuss vom März 1986. Damals hatte er angeregt, in den städtischen Bädern auf den Bademützenzwang zu verzichten, wie Angelika Matt-Heidecker berichtete. Ist dieses Thema schon längst nicht mehr aktuell, so wird ein anderes Thema aus derselben Zeit immer noch heiß diskutiert: Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl habe es Grundsatzdebatten über Kernkraftwerke gegeben, erinnerte sich die Oberbürgermeisterin.

Mit vielerlei Erf

ahrungen aus dem persönlichen Umfeld habe sich Hagen Zweifel 25 Jahre lang im Kirchheimer Gemeinderat eingebracht, sei es mit seinem beruflichen, seinem technischen oder seinem sportlichen Hintergrund. Und immer sei ihm die Ehre des Ehrenamts wichtiger gewesen als die Ehre des persönlichen Ehrgeizes. Denn die Oberbürgermeis­terin bescheinigte ihm: „Sie sind ein leidenschaftlicher, aber auch ein verantwortungsbewusster Kommunalpolitiker.“ Dazu passt auch, dass er seine Jubiläumsgabe komplett an den Treffpunkt alleinerziehender Menschen (TRAM) weitergibt.

Seine Beiträge seien kritisch, aber auch kompromissorientiert. Das einzige, was ihn auf die Palme bringen könne, sei, wenn jemand die Kompetenz des Gremiums angreife. Denn die Aufgabe der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker werde durch die Vielzahl von Themen immer schwieriger und gehe immer mehr an die Belastungsgrenze.

Hagen Zweifel bedankte sich mit launigen Worten dafür, dass er bei der Ehrung „so gut weggekommen“ sei. Er sei jetzt 25 Jahre Gemeinderat, „ohne Schaden an Leib und Seele genommen zu haben“, und er sei zuversichtlich, dass das auch so bleiben werde. Auch wenn mancher Ärger mit dem Ehrenamt verbunden gewesen sei, so sei ihm die Arbeit im Gemeinderat niemals lästig gewesen.

Der Jubilar erinnerte ebenfalls an seine Vorgänger als Fraktionsvorsitzende und bedankte sich insbesondere bei seinem „damaligen Mentor“, dem mittlerweile verstorbenen Günther Schnürch. „Ihm verdanke ich sehr viel, auch den persönlichen Rat: ,Schlag drauf!‘“ – Inzwischen habe sich die Fraktion stark verjüngt, stellte Hagen Zweifel fest, aber gerade dadurch mache ihm die Arbeit immer noch „unheimlich viel Spaß“.