Lokales

Dauerthema Verkehrslärm

Dettinger Bürger diskutieren über Schallschutzmauern und Tempolimits

Verkehrslärm von Autobahn und Bundesstraße belastet die Dettinger Bürger. Die Gemeinde hat dagegen Maßnahmen erarbeitet und sie in einer Infoveranstaltung zur Diskussion gestellt. Wer zahlt, ist unklar.

Antje Dörr

Dettingen. „Lärm ist ein Dauerthema“, sagte der Dettinger Bürgermeister Rainer Haußmann zu Beginn der Informationsveranstaltung in der Dettinger Schlossberghalle. Er muss es wissen: Der Verkehrslärm, unter dem laut einer Statistik 517 Dettinger leiden, beschäftigt die Gemeinde nicht erst seit gestern.

Die Europäische Union weiß es schon lange: Lärm nervt nicht nur. Er macht auch krank. Deshalb hat die Organisation eine Richtlinie vorgegeben, mit der der Lärm bekämpft werden soll. Diese Richtlinie muss in nationales Recht umgesetzt werden. Also haben die Kommunen Lärmkarten erstellen und Maßnahmen erarbeiten lassen.

Der Dettinger Gemeinderat beschäftigte sich bereits Anfang Oktober mit dem Resultat, der „Lärmaktionsplanung“. Jürgen Roth vom Fachbüro Braunstein und Berndt schlug verschiedene Lärmbekämpfungsmaßnahmen vor, unter anderem Temporeduzierungen und den Einsatz von offenporigem Asphalt auf der Autobahn beziehungsweise Lärmschutzfenster und Schallschutzwände entlang der Bundesstraße 465.

Die EU-Richtlinie sieht vor, dass die Öffentlichkeit an der Ausarbeitung und Überprüfung des Lärmaktionsplans mitwirkt. Bei der Infoveranstaltung konnten sich die Bürger informieren und Maßnahmen vorschlagen. „Sagen Sie uns, wie Sie es finden“, forderte Rainer Haußmann die Dettinger auf.

Vorschläge gab es viele – von Temporeduzierungen über mehr Blitzeranlagen bis zur Aufschüttung von Erdwällen. Stoff für Diskussionen bot vor allem der geplante Lärmschutz im Neubaugebiet „Goldmorgen-Süd“. „Das Baugebiet rückt an die Bundesstraße heran und muss deshalb nach geltendem Recht vor Lärm geschützt werden“, erklärte Rainer Haußmann. Geplant sei unter anderem eine drei Meter hohe Lärmschutzwand.

Diese Mauer würde allerdings an der Grenze des Neubaugebiets enden. Denn die bereits bestehenden Gebäude nördlich des Goldmorgens hätten keinen Rechtsanspruch auf Lärmschutz, obwohl sie vom Lärm der Bundesstraße genauso betroffen seien. „Hier reiben sich EU- und Bundesrecht“, erklärte Jürgen Roth. Anwohner wollten wissen, ob es nicht möglich sei, die Lärmschutzwand nach Norden zu verlängern. Es sei nicht sinnvoll, nur einen Teilbereich zu schützen. Rainer Haußmann versprach, diese Möglichkeit zu prüfen und anschließend alle Anwohner zu einer gesonderten Veranstaltung einzuladen.

Offen blieb auch nach der Veranstaltung die Frage, wer die Maßnahmen bezahlt und wann sie umgesetzt werden. Zuständig ist aus Sicht von Rainer Haußmann der Bund: „Wer den Lärm macht, muss sich auch kümmern.“ Ob der Staat das genauso sieht, ist unwahrscheinlich. Denn selbst wenn die EU-Lärmkarten Handlungsbedarf signalisieren, heißt das noch lange nicht, dass nach deutschem Recht Lärmschutz angebracht ist. Das heißt: Einen Rechtsanspruch auf Umsetzung der Lärmschutzmaßnahmen gibt es nicht.

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