Lokales

Dealer wollen gestehen

Rasches Ende im Nürtinger Kokainprozess erwartet

I

m Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht gegen drei mutmaßliche Kokaindealer, zwei davon Nürtinger Gastwirte, wollen die Angeklagten jetzt auch den Vorwurf des Verbreitens von gefälschten Euro-Scheinen zugeben – und damit ein mildes Urteil erreichen.

BERND WINCKLER

Stuttgart. Noch waren die Richter der 17. Großen Strafkammer am gestrigen vierten Verhandlungstag mit der Vernehmung von Zeugen um Aufklärung der Tatvorwürfe bemüht. Vor allem geht es um die Beantwortung der Frage, woher die großen Mengen Kokain stammten, die die Beschuldigten laut Anklage von Sommer letzten Jahres bis März dieses Jahres im Nürtinger Umkreis verkauft haben sollen. Es geht um insgesamt 160-fachen gewerbsmäßigen Handel mit Rauschgift, dazu noch um Verbreitung von Falschgeld.

Die Beteuerung eines der Gastwirte, er habe ein Falschgeldgeschäft mit einem Italiener aus Rottweil nur „zum Spaß“ eingefädelt, will der 56-Jährige jetzt vor der Strafkammer zurücknehmen und hinsichtlich dieses Vorwurfs ein Geständnis ablegen, wie sein Verteidiger gestern bekannt gab. In einem so

genannten „Verständigungs-Prozess“, den die drei Anwälte anstreben, geht es darum, dass geständige Angeklagte vom Gericht eine Strafobergrenze angeboten bekommen. In diesem Falle werden die Geständnisse mit einem hohen Strafrabatt belohnt.

Um jedoch herauszufinden, welche genaue Rolle die drei aus Süditalien stammenden Angeklagten im Kokain-Deal und im Fall der Falschgeldverbreitung spielten, hat die Strafkammer gestern mit der Vernehmung eines Beamten der Esslinger Polizeidirektion die abgehörten Handy-Gespräche zwischen ihnen und einem mutmaßlichen Lieferanten ausgewertet. Ebenso auch die Mobilfunk-Verbindungsdaten, bei denen man im Nachhinein bis auf den Meter genau feststellen kann, wo sich der Anrufer zu einer bestimmten Zeit aufgehalten hat.

Die Handys der Beschuldigten sind bei ihrer Festnahme sichergestellt worden. Allerdings stellten die Richter gestern eine kleine Ermittlungspanne fest: Es gibt kein Beweismittelverzeichnis, in dem die Sicherstellung der Mobiltelefone verzeichnet sein müsste. Bis zum nächsten Verhandlungstermin soll nun die Staatsanwaltschaft klären, ob es ein solches Verzeichnis gibt und dieses dann beschaffen.

Wenn die angekündigten Geständnisse des Trios abgegeben werden, könnte das Gericht auf die Vernehmung weiterer Zeugen gänzlich verzichten und den Fall per Urteil bereits am morgigen Freitag beenden.

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