Lokales

Delikate Albschnecken mehr als eine Fastenspeise

"Tradition frisch aufgetischt" unter diesem Motto laden am kommenden Sonntag, 2. April, alle sieben Freilichtmuseen Baden-Württembergs zu einer konzertierten Auftaktveranstaltung in die Beurener Herbstwiesen ein. Mit Gebrutzeltem und Gekochtem soll der Eröffnungstag Appetit machen auf die Saison, in der sich viele Aktionen um Essen und Trinken drehen.

ANKE KIRSAMMER

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BEUREN Drücken, schaben, presen, hobeln alles ist erlaubt beim Spätzleswettbewerb am kommenden Sonntag im Beurener Freilichtmuseum. Zwölf Teilnehmer, darunter auch der "Württembergische Meister am Spätzlesbrett", werden über dampfenden Töpfen schwitzen. Eine vierköpfige Jury entscheidet schließlich, welche Spatzen nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch besonders schmackhaft sind. Eine Ausstellung mit Spätzlespressen, Spätzlesbrettern, Spätzlesmaschinen und Spätzleshobeln sowie tütenweise "Faule-Weiber-Spätzle" wie die gekauften Teigwaren im Volksmund genannt werden runden den Beu-rener Beitrag ab. Auch die übrigen Freilichtmuseen werden sich mit Demonstrationen alter Kochkunst und Infoständen präsentieren und so manches Versucherle unter den Besuchern verteilen.

"Wir wollen bis zum Jahr 2010 das lebendigste, besucherfreundlichste und interessanteste Freilichtmuseum im Ländle werden", betonte Museumsleiterin Steffi Cornelius gestern in einer Pressekonferenz. Um dem ehrgeizigen Ziel näherzukommen, können Gäste in den Beurener Herbstwiesen wie schon im vergangenen Jahr ihre Wünsche auf Besucherkärtchen loswerden. Erste Vorschläge werden bereits umgesetzt: Mit insgesamt 60 Infotafeln, die es noch bis zum Wochenende aufzustellen gilt, soll der Wissensdurst der Besucher gestillt werden. Auch wurden gesonderte Flyer gedruckt für Aktionen wie die Schäfertage am 22. und 23. April, das Museumsfest am 18. Juni oder das Oldtimertreffen am 19. und 20. August.

Mit den Besuchermagneten und zahlreichen weiteren Angeboten setzt die Crew um Steffi Cornelius vielfach auf Altbewährtes. Neu ist in diesem Jahr der Aktionstag "Jugendliche früher und heute" am 21. Mai, der in Zusammenarbeit mit Berufsschülern auf die Beine gestellt wird, die "schwäbische Kirch" am 2. Juli und der Waldtag im September. Auch werden verstärkt neue Medien eingesetzt. So beispielsweise mit der Hörstation im Häslacher Rathaus. In einem dreiminütigen Film gibt die letzte dort angestellte Sekretärin Einblick in ihre Arbeit.

Auch wird das bisher 22 Häuser umfassende Museumsdorf des Landkreises Esslingen dieses Jahr wieder Zuwachs bekommen: Noch im Frühjahr ist der Baggerbiss für das knapp 400 Jahre alte Bauernhaus aus Aichelau geplant. Vom bereits erfolgten Abbau über die Restaurierung bis zum Aufbau verschlingt das Projekt 900 000 Euro. "Für uns ist das ein finanzieller Kraftakt", betonte Landrat Heinz Eininger. Möglich sei der nur durch das bürgerschaftliche Engagement der Fördervereinsmitglieder. Der Verein übernimmt Zins- und Tilgungslasten des Vorhabens. Mit der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen konnte der Kreisverwaltungschef zudem einen Partner präsentieren, der dem Freilichtmuseum von diesem Jahr an ebenfalls finanziell unter die Arme greift. Für jeden Besucher fließen 1,50 Euro von Seiten der Kreissparkassen-Stiftung in die Kasse des Museums. Bei einem ähnlichen Besucheransturm wie in den vergangenen Jahren von rund 80 000 Gästen, ein zu erwartender Geldsegen von rund 120 000 Euro. "Wir sehen uns als Teil der Gesellschaft im Landkreis", sagte der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, Franz Scholz. Das Freilichtmuseum als Aushängeschild des Landkreises biete sich durch die Verbindung von Kultur, Sozialem und Bildung für ein Sponsoring durch die Stiftung geradezu an. Der Sparkassen-Vorstand wird selbst die Besucherzahlen nach oben treiben: "Im Sommer bekommen wir Besuch von einer philippinischen Abordnung. Mit denen werden wir selbstverständlich auch das Museumsdorf besuchen", machte Franz Scholz klar. Als besonderes Projekt ist am 28. Mai mit Kreissparkassen-Azubis zudem im Häslacher Rathaus die Einrichtung einer Sparkassenfiliale im Wohnzimmer geplant, wie sie in kleineren Orten bis vor wenigen Jahrzehnten üblich war.

Flankiert werden die Veranstaltungen durch sieben Ausstellungen. Unter der Überschrift "So läuft der Hase. . ." werden bis zum 23. April Osterhasen aus einer Privatsammlung präsentiert, "Vom Segen der Albwasserversorgung" heißt eine Schau, die vom 11. Mai bis zum 5. November zu sehen ist, dokumentiert wird die Vielseitigkeit von Flachs und Lein, es gibt historische Kartoffelsorten und Streuobstsorten aus der Region zu sehen, und als besonderes Schmankerl werden vom 8. Juli bis zum 10. September Aquarelle im Schafstall aus Schlaitdorf ausgestellt.

Vom Moschtfescht über Backtage bis zur Topinambur-Ernte sind insgesamt 80 Veranstaltungen geplant. Als wichtigste Zielgruppe hat sich das Museumsteam unter dem Motto "das Museum als Erlebnis- und Lernort" für die bevorstehende Saison jugendliche Besucher und Familien ausgeguckt. "Dazu gehört unter anderem die gemeinsam mit dem TSV Beuren geplante Einweihung eines Bolzplatzes im Museumsdorf", so Steffi Cornelius.

In Zusammenarbeit mit dem Verein "Slow Food" sollen Tiere, Pflanzen und Lebensmittel vor dem Vergessen bewahrt werden. Der Schwarze Brei, wie er in kargen Zeiten auf den Tisch kam ebenso wie die Albschnecken, die ehemals als "schwäbische Austern" in Wien auf dem Markt verkauft oder in katholischen Regionen als Fastenspeise gereicht wurden. Dazu ist für den 22. Oktober ein Infotag vorgesehen. Wer Appetit auf die Kriechtiere hat, kann sie am kommenden Sonntag in einem Süppchen genießen.

Von diesem Jahr an stehen die Albschnecken auch auf der Speisekarte der Museumsgaststätte "Steinbüble". Die Vorkoster Steffi Cornelius, Heinz Eininger und Franz Scholz stellten ihnen das Prädikat "empfehlenswert" aus.

INFODas Fest zum Saisonauftakt im Freilichtmuseum Beuren am Sonntag, 2. April, geht von 11 bis 17 Uhr über die Bühne. Der Aktionstag wird vom SWR Fernsehen begleitet. Sendetermin ist der 16. April um 18.45 Uhr im Südwest Fernsehen. Das Freilichtmuseum Beuren öffnet bereits am Samstag, 1. April, und damit einen Tag vor dem offiziellen Auftakt, um 9 Uhr seine Pforten. Das Museum ist außer montags täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0 70 25/9 11 90-90.