Lokales

Dem DRK brechen die fördernden Mitglieder weg

Der DRK-Kreisverband Nürtingen-Kirchheim verliert im großen Maße passive Mitglieder. Rund 700 Förderer weniger zählte das Rote Kreuz im vergangenen Jahr. Bei der Kreisversammlung schlug Schatzmeister Gerhard Moritz in der Reußen­steinhalle in Neidlingen deshalb Alarm.

Nicole Mohn

Neidlingen. Rund 15 200 Mitglieder hatte der Kreisverband im Schnitt in der Vergangenheit. Inzwischen sank die Zahl auf rund 14 500. Und das hat schmerzhafte Auswirkungen. Denn die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen setzt der Kreisverband in der Hauptsache zur Finanzierung der Bereitschaften ein. Dienstkleidung, Ausrüstung, Fortbildung – all das wird damit bezahlt.

Rund 60 000 Euro weniger kamen über die Mitgliedsbeiträge 2007 in die Kasse, in diesem Jahr werden nach Moritz Einschätzung rund 50 000 Euro fehlen. „Das ist für uns ein Problem“, gibt Kreisgeschäftsführer Klaus Rau zu. Die Gründe sieht er nicht darin, dass die Menschen nichts mehr mit dem DRK zu tun haben wollen. Vielmehr bekomme man die Auswirkungen der Preissteigerung für Lebensmittel als auch auf dem Energiesektor zu spüren. „Wenn der Liter Benzin fast 1,60 Euro kostet, spart man an den Dingen, die man freiwillig tut“, sagt Rau. Dem DRK Nürtingen-Kirchheim gehe es da wie vielen anderen. „Mit 14.500 Mitgliedern stehen wir sogar noch ganz gut da“, erklärte er. Trotzdem sollen es nach Möglichkeit wieder mehr werden. Mit einer Werbeaktion will der Kreisverband versuchen, neue Förderer zu finden.

Die Auswirkung der Teuerungen bekommt der Kreisverband auch in anderen Bereichen zu spüren. Vor allem in den Seniorenzentren fressen die Mehrausgaben für die Bewirtschaftung und Sachkosten die Einsparungen auf der Personalseite auf. Die Seniorenzentren haben sich mit einem Umsatz von rund 9,5 Millionen Euro jährlich zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor für den Kreisverband entwickelt. Mit dem neuen Haus in Neckartenzlingen werde man nun „den letzten weißen Fleck im Kreisverbandsgebiet“ schließen, erklärte der Kreisverbandsvorsitzende, Nürtingens Bürgermeister Rolf Siebert, in seinem Bericht. Insgesamt bietet das DRK 350 Pflegeplätze. Weitere Wachstumsmöglichkeiten sieht man beim DRK in diesem Bereich nicht mehr. In Teilen des Gebiets sieht Siebert sogar eine leichte Überversorgung. Auf dem härter werdenden Markt werde sich das DRK behaupten müssen. Und das will der Kreisverband vor allem über die Qualität, Zufriedenheit und Renommee erreichen: „Wir tragen große Verantwortung“.

Verantwortung übernehmen – das tun auch die Aktiven in den Bereitschaften: Über 21 000 Einsatzstunden leisteten die Mitglieder. Bewährt habe sich auch die Notfallnachsorge, die 200 762 Einsätze leisteten, „Wir wären froh, wenn wir diese Gruppe noch verstärken könnten“, erklärte Siebert.

Nachdem der Landkreis das Gelände des Tafelladens aufgekauft hat, wird nach einem neuen Standort für den Kirchheimer Tafelladen gesucht. Siebert hofft, dass dies gelingt, um die „hervorragende und wichtige Arbeit“ fortsetzen zu können. Ruhe ist nach den Turbulenzen bei der Rettungshundestaffel eingekehrt. Unter der Leitung von Martin Schatzinger hätten sich „Spezialistenteams auf zwei Beinen und vier Pfoten“ gebildet, so der Kreisvorstand, die im vergangenen Jahr zu 45 Einsätzen gerufen wurden.

Einen leichten Rückgang verzeichnete das DRK bei den Blutspendeterminen. Zu den 51 Aktionen kamen 2007 10 216 Spender. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 1,49 Prozent. Auch bei „Essen auf Rädern“ ging die Zahl der Essen leicht zurück. Insgesamt wurden rund 70.000 Mahlzeiten ausgeliefert. Immer beliebter hingegen werden die Angebote für betreute Reisen, an denen 2007 382 Menschen teilnahmen. Gut besucht sind die Kurse in erster Hilfe: 3500 ließen sich ausbilden.

Neben den zahlreichen Berichten und dem Haushaltsplan standen Vorstandswahlen auf der Tagesordnung, die angesichts des EM-Halbfinales zügig abgewickelt wurden. Dabei gab es auf etlichen Posten Veränderungen: Roman Weiß, Bürgermeister von Erkenbrechtsweiler, ersetzt seinen Unterensinger Kollegen Sieghart Friz als stellvertretender Kreisvorsitzender. Nach 38 Jahren als Kreisbereitschaftsführerin verabschiedete sich auch Erika Jahke aus dem Kreisvorstand. Mit Standing Ovations verabschiedeten die Delegierten die DRKlerin, die seit 1946 für das Rote Kreuz in verschiedenen Ämtern gewirkt hat. Ebenso legte Kreisbereitschaftsführer Georg Preu sein Amt nieder. Wie sein Stellvertreter Jörg Wisniewski erhielt er die Henry-Dunant-Medaille in Silber. Für Preu rückt Andreas Schober in den Vorstand auf. Für den scheidenden Kreisverbandsarzt Dr. Thilo Haug fand sich kein Nachfolger. Abschied nehmen hieß es auch für Tanja Baumann. Für sie rückte Jutta Ziller als stellvertretende Kreissozialleiterin in den erweiterten Vorstand auf. Annerose Höpper, bislang Beisitzerin, gehört dem Vorstand nun als ständige Vertreterin des Jugendrotkreuzes (JRK) an. Neben dem Leiter der Bergwacht, Ralf Wurster, wird Hans-Dieter Layh als ständiges Mitglied in den Vorstand delegiert.

Nicht zur Wiederwahl stellten sich Kassenprüfer Peter Heilmair, sein Amt übernimmt der Wendlinger Gerd Happe. Beisitzer Rudolf Sorkalla und der Rotkreuzbeauftragte Christoph Schmid verlassen ebenfalls den Kreisvorstand.

Einstimmig sprach die Versammlung dem Vorsitzenden Siebert als auch Justiziar Michael Wiedeholt, Kämmerer Moritz, Kreissozialleiter Erich Hogen und dem Leiter des JRK, Antonio Reina, das Vertrauen aus. Beisitzer sind Jutta Ziller, Elke Meyer, Sigrun Maurer-Schindel, Uwe Bantleon und Martin Schatzinger.

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