Lokales

Dem "gemeindeeigenen" Journalisten die Ehre erwiesen

Über 50 Jahre übte Karl Kutteruf den Beruf des Journalisten aus und schrieb für den Teckboten kommunalpolitische und kulturelle Berichte aus den Gemeinden rund um Teck und Limburg, insbesondere aber aus seinem geliebten Heimatort Neidlingen.

RENATE SCHATTEL

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NEIDLINGEN Vor wenigen Wochen hat sich der Ehrenbürger der Reußensteingemeinde entschlossen, seine journalistische Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben. Die Gemeinde Neidlingen und ihre Vereine dankten nun ihrem langjährigen Berichterstatter mit einem Stehempfang in der ehemaligen Kelter des Rathauses.

Und dort herrschte schon beim Eintritt dichtes Gedränge, viele Neidlinger Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um ihre Wertschätzung und ihren Dank auszudrücken, Vertreter der Vereine, Gemeinderäte, Mitarbeiter der Ortsverwaltung, eine Delegation der Feuerwehr, Freunde, Verwandte, drei Chöre und die Kinder aus dem Kindergarten. "Segne uns, denn der Weg ist weit", sangen sie mit großer Ernsthaftigkeit und bedankten sich bei dem, der schon einen langen und segensreichen Berufsweg hinter sich hat für die vielen Informationen, die sie in seinem Buch "Neidlingen im 20. Jahrhundert" zum Thema Heimatkunde finden.

Bürgermeister Rolf Kammerlander hieß die Gäste willkommen und bedankte sich bei dem langjährigen journalistischen Begleiter der Gemeindearbeit, nicht ohne Wehmut, war Karl Kutteruf doch als engagierter, versierter Vertreter der journalistischen Zunft wie kein anderer vertraut mit den Belangen der Gemeinde. Karl Kutteruf hatte, so Kammerlander, nach dem Krieg zunächst in seinem eigentlich erlernten Beruf beim Landwirtschaftsamt in Nürtingen gearbeitet, bevor er durch ein Zusammentreffen glücklicher Umstände gefordert und gefördert wurde und er in der Lokalredaktion der damaligen Teck-Rundschau, später Teckbote, ein Volontariat beginnen konnte.

Nach der Ausbildung übernahm der frischgebackene Redakteur die vielfältigsten Aufgaben. Recht früh kam er mit der Kommunalpolitik rund um Kirchheim in Berührung. "Der rasende Reporter Karl Kutteruf" war stets vor Ort präsent und berichtete aus den Gemeinderäten rund um Teck und Limburg, wie auch aus den Kreistagen in Nürtingen und Esslingen. Kutteruf habe seine Aufgaben immer sehr ernst genommen. "Für Sie hat Journalismus etwas mit Verantwortungsgefühl und -bewusstsein zu tun", bestätigte Rolf Kammerlander.

Mit der Aufgabe, aus den Gremien rund um Kirchheim Bericht zu erstatten, hatte Karl Kutteruf Gelegenheit zu vergleichen und er konnte bei seinen redaktionellen Beiträgen aus dem persönlichen Gedächtnis auf Hintergründe und Erfahrungen zurückgreifen, um kommunalpolitische Entscheidungen zu bewerten, zu kommentieren, oder ins rechte Licht zu rücken, schilderte der Neidlinger Bürgermeister die Arbeit des Redakteurs. Das Ergebnis sei eine ausgewogene und informative Berichterstattung gewesen, die nicht unkritisch, aber stets fair war. Kutterufs unabhängige Meinung wurde akzeptiert und es entstand eine Vertrauensbasis, die hin zu freundschaftlichen Verbindungen führte. Rolf Kammerlander würdigte in seiner Ansprache auch den "anderen" Karl Kutteruf, den Schriftsteller, den Ortschronisten und Dichter, dem die Gemeinde und ihre Vereine viel zu verdanken haben. Er berichtete über viele Vereinsveranstaltungen und stellte seine Heimatgemeinde in Geschichte und Gegenwart vom ehemaligen Bauerndorf bis zur modernen, attraktiven Wohngemeinde unermüdlich dar, insbesondere in seinem Werk "Neidlingen im 20. Jahrhundert".

Für seine Verdienste um die Gemeinde erhielt Kutteruf 1996 die Ehrenbürgerwürde. Als Ausdruck des Dankes überreichte Bürgermeister Kammerlander im Namen der Gemeinde und der Vereine dem verdienstvollen Journalisten ein Luftbild seines Heimatortes Neidlingen.

Im Anschluss an die Ansprache von Bürgermeister Rolf Kammerlander reihten sich Sänger und Redner in den Reigen derer, die Karl Kutteruf danken wollten. Zunächst sang der Chor anima musica unter Leitung von Christian Vogt in bewährt ästhetisch-schöner Qualität. Dr. Wolfgang Jaschinski bedankte sich im Namen der Vereine für die journalistische Tätigkeit Karl Kutterufs. Jahrzehntelang habe der Redakteur Tätigkeiten der Vereine begleitet und für Hauptversammlungen, Ehrungen, Winterfeste und Jubiläen Reportagen geschrieben.

Karl Kutteruf sei immer in der Lage gewesen, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden, Zahlenkolonnen mühelos aufzufassen, aber auch in geselliger Runde seine Berichte in Reimform zu verfassen. Er sei ein angenehmer Mitmensch, bestätigte Wolfgang Jaschinski, der an vielen Vereinsausflügen teilgenommen und wunderbare Gedichte verfasst habe.

Unter Leitung von Elisabeth Geiselhardt sang der Gesangverein Neidlingen dem Dichter des "Neidlinger Liedes" ein kleines Ständchen, bevor die Volkstanzgruppe, bekleidet mit dem attraktiven Neidlinger Häs, einen norddeutschen und einen heimischen Tanz aus Weilheim aufführte. Auch der Kirchenchor unter dem Dirigat von Bernd Walter ließ es sich nicht nehmen, ihrem Mitsänger einige Lieder vorzutragen. Dietmar Brendel verlas dazu ein humorvolles Gedicht, das Liesel Kurz über den Einsatz von Karl Kutteruf im Kirchenchor geschrieben hatte. Nur vierzehntägig, nicht wie alle anderen wöchentlich, erschien er zu den Proben und konnte doch besser vom Blatt singen als seine Mitsänger. Auch führte er akribisch die Chronik, die nun brach liegt, weil sie jetzt keiner mehr weiterschreibe.

Zum Abschluss der Feierstunde ergriff Karl Kutteruf selbst das Wort und verabschiedete sich schweren Herzens von der öffentlichen Bühne, auf der er in fast 60 Jahren die journalistische Begleitung des Gestaltens und Wirkens des Gemeindelebens übernommen hatte. In unzähligen Sitzungen und Veranstaltungen seien in dieser Zeit vielfältige Aufgaben bewältigt worden. Er freute sich, dass er darüber berichten durfte. Dabei sei sein journalistisches Credo immer gewesen, den Handelnden in den Kommunen geradewegs in die Augen schauen zu können. Er sei dankbar für die vielen Kontakte, die er knüpfen durfte, aus denen sich zum Teil echte Freundschaften entwickelt hätten. Er wünschte der Gemeinde Neidlingen "Glückauf" und hoffe, dass der schöne Ort finanziell wieder genese.

Dass ihm sein geliebtes Neidlingen nach wie vor am Herzen liegt, machten er und seine Frau in einer Spende deutlich, die ein Beitrag für die neue Rathausglocke sein soll. Mit langanhaltendem Beifall würdigten die Gäste ihren verdienstvollen, "gemeindeeigenen" Journalisten. Zum Ausklang erwies dann der Musikverein ihrem Berichterstatter noch einen Dankesdienst und richtete einen schmackhaften Imbiss aus.