Lokales

Dem Generationswandel einen Rahmen geben

24 000 Fahrzeuge muss Jesingen täglich verkraften, Tendenz steigend. Ein großes Problem für den Kirchheimer Teilort, das zwar nicht gelöst, aber doch gemildert werden kann. Vorschläge dazu finden sich in der Studie "Vision 2015".

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Unser Ziel ist, die Ortszentren zu stärken", kommentierte Planungsamtsleiter Dr. Oediger im Technischen Ausschuss des Kirchheimer Gemeinderates die Vorstellung der Studie des Notzinger Architekturbüros T. R. Pfeifer. Zu den Charakteristika des Straßendorfes zählt die viel befahrene Durchfahrtstraße. Ausgerechnet im Ortskern präsentiert sich die L 1200 überbreit. Unterschiedliche Formen eines Kreisverkehrs, mit oder ohne Wasserflächen, könnten ein wenig Abhilfe schaffen.

Was das Leben in der Ortsmitte anbelangt, so hat die Untersuchung einen großen Leerstand belegt. "40 Prozent der Gebäude sind leer oder untergenutzt", beschrieb Oediger das Ausbluten des Ortskerns. Denkansätze regen zum Beispiel die Einrichtung von betreutem Wohnen im Zentrum an. Um Nutzen aus dem Durchfahrtsverkehr zu ziehen, könnte ein gebündeltes Einzelhandelsangebot geschaffen werden. Für das Areal um den Farrenstall, der mit der Eingliederung des Jesinger Bauhofs in den städtischen frei wurde, bringen die Gutachter eine Art Bauernmarkt ins Gespräch.

"Die Studie hat viele interessante Anregungen gegeben", bestätigte Ortsvorsteher Harald Eiberger. Er berichtete vom Ansinnen des Ort-schaftsrates, nun zunächst die Bevölkerung über die Überlegungen zu informieren. Am Montag, 28. Februar, findet dazu eine Veranstaltung statt. "Eine Idee besteht darin, das Gebiet in die Stadterneuerungprogramme des Landes aufzunehmen", machte Oediger klar, dass es nicht um sofortiges Handeln gehe, sondern eher darum, "dem Generationswandel einen Rahmen zu geben".

Kernproblem ist und bleibt der wachsende Verkehr. Eine Nordumfahrung ist für Jesingen bereits ebenso angedacht worden wie die Südvariante, von einem Tunnel durch die Ortsmitte war hier und da die Rede oder auch von einer zusätzlichen Autobahnausfahrt. Doch hier wird es bei Visionen bleiben. "Eine Ortsumgehung ist auf Jahre hinaus nicht realisierbar", stellte Dr. Oediger klar. Auf der Prioritätenliste des Kirchheimer Gemeinderats steht die Nord-West-Tangente ganz oben. Dennoch machte sich Reinhold Ambacher, Jesinger Stadtrat der Freien Wähler, für den Traum von der Verkehrsberuhigung stark: "Wir wollen den Verkehr reduzieren, da muss die Ortsumgehung zumindest parallel zu anderen Planungen vorangetrieben werden." "Wenn Jesingen eine Ortsumgehung will, sollte man sich darauf konzent-rieren", war die Meinung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmut Kapp, in Anbetracht der klammen Finanzlage. Bedenken, womöglich falsche Hoffnungen zu schüren, äußerte sein Fraktionskollege Siegfried Pöschl: "Wir müssten was machen, aber wir können nicht."

Für den notwenigen "Blick in die städtebauliche Zukunft" warb dagegen SPD-Vertreter Bodo Schöllkopf. Die Studie müsse man eben als Vision betrachten und stets offene Augen für Privatinvestoren haben. Ein "grundsätzliches Ja" signalisierte auch Hagen Zweifel, Vorsitzender der Freien Wähler. Details gelte es zu gegebener Zeit zu diskutieren. "Man muss auch bei knappen Kassen über Stadtplanung nachdenken", ergänzte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker.

"Entscheidend ist die Zeitachse", wertete Ortsvorsteher Eiberger die Ergebnisse der Studie auf jeden Fall als "hilfreich" für künftige Schritte. Schließlich verzeichnet Jesingen auf Grund des Baugebiets Leiblensbett wachsende Einwohnerzahlen. Im Moment leben 3200 Menschen in dem Kirchheimer Teilort. Doch nicht nur die Bevölkerung wächst, auch der Verkehr: Laut Verkehrsprognose, die im Jahr 2004 mit neuen Aspekten und Zahlen untermauert wurde, ist für das Jahr 2015 pro Tag auf der Ortsdurchfahrt mit 29 000 Fahrzeugen zu rechnen.