Lokales

Dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen

Der Rubel rollt. Das Schotterwerk Moeck hat dem Lenninger Netz 5 000 Euro gespendet. Anstelle von Weihnachtsgeschenken für Kunden unterstützt das Unternehmen seit vergangenem Jahr soziale Einrichtungen.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "Mit dieser Spende will unsere Firma dem Wandel der Gesellschaft Rechnung tragen", erklärte Helmut Roth, Prokurist bei der Firma Moeck, während der Scheckübergabe. Bei der derzeitigen Wirtschaftslage sei die Fluktuation der jungen Menschen vorprogrammiert, denn die müssten dorthin ziehen, wo es Arbeit gibt. "Ich kann nicht von meinen Kindern verlangen, dass sie mich dann hier in Lenningen pflegen", sagte der Familienvater. Betreutes Wohnen zu Hause biete die Möglichkeit, im gewohnten Umfeld, einschließlich der Freunde und Bekannten, alt zu werden. Helmut Roth sieht sich selbst als Nutznießer der "schaffigen" Nachkriegsgeneration. "Und die sollen wir jetzt hängen lassen?" fragte er und erzählte von einem Bekannten, der samstags Getränke ausfährt. "Das Sprudelbringen ist Nebensache. Die Leute warten schon und freuen sich auf den Besuch. Manchmal sind die Glühbirnen schon hergerichtet, die er dann reinschraubt. Nach getaner Arbeit sitzt er dann oft noch eine Viertelstunde bei den Kunden", erzählte er.

Dies ist für Pfarrer Karlheinz Graf der entscheidende Punkt. "All unsere Programme sind bislang auf eine ,Komm-Struktur' ausgerichtet. Wichtig ist jedoch, dass wir auf die Menschen zugehen, eine ,Geh-Struktur' aufbauen", erläuterte er. Beim Lenninger Netz stehe der Mensch im Mittelpunkt, und der wolle so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben.

"Dass wir es anders machen, ist schon auf Interesse gestoßen", freute sich Bürgermeister Michael Schlecht. Im Rathaus haben sich zwei Mitarbeiter des baden-württembergischen Sozialministeriums über das Lenninger Netz informiert. "Unser Engagement und das damit verbundende langfristige Ziel haben Eindruck gemacht", freute sich Michael Schlecht. Es habe sich eine rege Diskussion entwickelt. Zudem würden sich die Ministeriumsmitarbeiter Gedanken machen, ob dieses Konzept auf das Land übertragbar ist. "Das alles zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und unser Projekt zukunftsfähig ist", sagte Bürgermeister Schlecht. Das Netz soll eng geknüpft sein, es könne sich jedoch auch weit ausdehnen. "Wir sind offen für andere Partner, möglicherweise arbeiten wir irgendwann mit dem Ministerium zusammen", so der Schultes weiter.

Die großzügige Spende des Schotterwerks sieht Werner Schulmeyer, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Lenninger Netzes, als Verpflichtung. "Das ist ein enormer Vertrauensbeweis, dem wir gerecht werden wollen. Zaubern können wir zwar nicht, aber sorgfältig mit dem Geld umgehen schon", sagte er. Noch nie habe es so viele rüstige und gut ausgebildete Senioren gegeben wie zur Zeit. "Die Kunst ist es, diese Menschen anzusprechen und sie dazu zu bringen, im Lenninger Netz mitzuarbeiten", sagte Werner Schulmeyer.

Die ersten Verträge gibt es schon, wenn auch etwas weniger als erhofft. "Es ist besser, das Netz wächst langsam aber dafür beständig. Dann können wir gute Arbeit leisten", sieht der Geschäftsführer positiv in die Zukunft. Von falschen Versprechungen hält er wenig, dafür von Taten. So haben die Mitarbeiter mittlerweile einen Seniorenleitfaden erarbeitet, auf dem sämtliche Termine aufgelistet sind, ebenso wichtige Telefonnummern. "Das alles sind kleine Meilensteine", freut sich Werner Schulmeyer.