Lokales

Dem Stadtoberhaupt den Rücken frei halten



BARBARA IBSCH

Anzeige

O:508F402.EPS

KIRCHHEIM Es ist der vierte "Dienstherr", unter dem der 57-jährige Stadtverwaltungsdirektor Leo Klöhn seit 1977 arbeitet und so lange schon trägt er auch Verantwortung für eine der wichtigsten Positionen im Kirchheimer Rathaus. Dass seit März dieses Jah-res erstmals eine Frau an der Spitze der Stadt steht, spielt für ihn ebenso wenig eine Rolle wie das unterschiedliche Parteibuch der Beiden. Eine "Rote" und ein "Schwarzer" in solch enger Verwaltungsverbindung könne nicht gut gehen, unkten Pessimisten. Leo Klöhn straft sie unbeirrt Lügen und sieht sich auch nach knapp dreißig Jahren in der generellen Pflicht, als Hauptamtsleiter der Verwaltungsspitze durch Information, Beratung und umfassende Unterstützung die Arbeit zu erleichtern.



Als "Ausputzer" hat ihn einer der früheren Oberbürgermeister einmal bezeichnet, Leo Klöhn sieht sich aber auch als "Sparringspartner" und das nicht nur für die ein weites Feld abdeckenden Themen aus dem Personalbereich.



Exakt 436,87 Stellen sind es derzeit, mit 594 Personen besetzt. Leo Klöhn ist zuständig für alles, was mit Personalfragen zu tun hat Einstellung, Disziplinarverfahren, Entlassung. Er nimmt zudem, und das ist in Kirchheim atypisch für eine solche Position, die Aufgaben eines obersten Dienstherren wahr und vertritt den oder die Oberbürgermeister(in) in Sachen Arbeitsrecht, Dienstrecht, Tarifrecht. Eine enge Verzahnung mit dem Personalamt bleibt dabei nicht aus.



Im Gespräch mit dem Hauptamtsleiter ist viel von vertrauensvoller Zusammenarbeit die Rede. Gemünzt ist dies auch auf Personalrat und Dienststelle "im Interesse der Mitarbeiter". Freude kann dieses Geschäft bereiten, aber auch sehr belasten, wenn es Sachzwänge gibt, die härteres Eingreifen erforderlich machen. Da kann er dann abends "nicht einfach den Hebel umlegen weil hinter jeder Entscheidung ein Mensch mit Familie steht".



Leo Klöhn ist die Hauptverwaltung und umgekehrt, kann er doch nicht auf den "Unterbau" der anderen fünf Geschäftskreisleiter zurückgreifen, die in Personalunion auch noch Amtsleiter sind. Gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin "teilt" er sich Monika Kostorz als Sekretärin und er "bedient" sich bei Bedarf der seinem Geschäftskreis unterstellten Ämter für Organisation, Personal, Verwaltungsratsschreiberei und Stadtarchiv. Dabei sieht er in der Hauptverwaltung das Amt der inneren Dienste "unsere Aufgabe ist, grundsätzlich den inneren Lauf der Verwaltung zu organisieren und sicherzustellen" und weiß eine Verwaltung der kurzen Wege in der Innenstadt zu schätzen. Ziel dabei sei, "eine Einheitssachbearbeitung anzubieten und nicht nur Antragsentgegennahme zu sein". Wichtig ist ihm in diesem Zusammenhang der Hinweis auf die Anfang der 80er-Jahre erfolgte Reorganisation der Verwaltung, bei der schon vieles in die Wege geleitet und umgesetzt wurde, was heute unter dem so hoch gehandelten Begriff Bürgerservice läuft. Für Leo Klöhn ist es alter Wein in neuen Schläuchen oder umgekehrt. Deshalb seien auch nicht die Aufgaben geändert worden, sondern das Umfeld.



Im zweiten Stock des historischen Rathauses gibt es zwischen Angelika Matt-Heidecker und Leo Klöhn keine fixen Termine, dafür stehen aber die Türen zwischen den Dienstzimmern offen. "Ein ständiger Kontakt muss da sein", bekräftigt der Hauptamtsleiter. Dabei geht es um Informatives und Grundsätzliches, die Beratung bei konzeptionellen Überlegungen spielt ebenso eine Rolle wie die Vorbereitung von Grundsatzentscheidungen.



Die Hauptverwaltung ist zudem Anlauf- und Auskunftsstelle für den Gemeinderat, sofern dessen Mitglieder dies wünschen. "Aufdrängen tue ich mich nicht", stellt Leo Klöhn dazu fest, wird aber als Berater in kommunalpolitischen Fragen bereits von noch nicht vereidigten Neulingen im künftigen Geschäft in Anspruch genommen. Das freut zwar, wird aber eher beiläufig erwähnt.



Als Klöhn noch Persönlicher Referent des Oberbürgermeisters in der Ära Hauser war, beanspruchte die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit weitaus mehr seiner Zeit. Mittlerweile ist dieser Bereich nicht mehr so streng und zentral auf das Hauptamt fixiert, sondern wird auch von den Fachämtern in der jeweiligen Zuständigkeit abgedeckt. Für die Hauptverwaltung bleibt die Aufgabe, "das Übergreifende zu machen" und für das einheitliche Erscheinungsbild zu sorgen.



Letzterem widerspricht allerdings das Amtszimmer von Leo Klöhn. Ziemlich vollgestellt ist es und das wiederum hängt mit weiteren Zuständigkeiten des Amtsinhabers zusammen. Das Geweih eines Zwölfenders aus dem Staatswald von Rambouillet, die Originalflagge von U 16, ein Flugzeugmodell der Lufthansa-Flotte und noch viel mehr sind Zeichen der Partner- und Patenschaften sowie interkommunaler Zusammenarbeit. So wie der Hauptamtsleiter die Stadt beim Wirtschaftsbeirat vertritt (dessen Geschäftsstelle ist beim Hauptamt angesiedelt), tut er dies auch hinsichtlich der Partnerschaftsausschüsse. Und die Begegnungen hinterlassen nicht zu übersehende Geschenkspuren.



Wenn mit knappstem Einsatz Großveranstaltungen über die Bühne gegangen sind, wie beispielsweise der Abschluss der Städtepartnerschaft mit dem ungarischen Kalocsa, wenn für ein verlängertes Wochenende bis zu 400 Personen untergebracht sind und das Programm ohne Blessuren über die Bühne geht, dann kommt bei Leo Klöhn besondere Freude auf. Das gilt auch für gemeinsam durchgezogene Veränderungen innerhalb eines organisatorischen Prozesses zur Neupositionierung wie die jetzt angepackten Strukturen in der Verwaltung.



Bei all dem mitzuwirken, betrachtet er lediglich als "selbstverständliche Arbeit" und sieht sich einmal mehr in der Funktion, lediglich der Verwaltungsspitze zu dienen: "Ich muss mich nicht irgendwo hinstellen, sondern dafür sorgen, dass die Verwaltung rund läuft." Wenn dann der/die vorne dran Stehende Applaus bekommt, ist Leo Klöhn zufrieden, ohne nach Lob zu schielen. Da hält es der Weilheimer ohnehin mit schwäbischer Bescheidenheit: "Ned g'schempft, isch gnuag g'lobt".

Leo Klöhn ist bei der Stadt Kirchheim für das große Feld der Hauptverwaltung verantwortlich.

Foto: Gerald Prießnitz