Lokales

Demo für Erhalt des "Spatzennests"

"Gebt den Kindern das Kommando . . .", so schallte es mit Herbert Grönemeyer gestern Morgen über den Kirchheimer Monatsmarkt. Für eine Weile zumindest gaben die Kids vom städtischen Kindergarten am Ötlinger Salbeiweg und ihre Mütter in der Fußgängerzone den Ton an. Der Grund für die Demo: Die befürchtete Schließung ihres "Spatzennests" im Sommer 2006.

ANKE KIRSAMMER

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KIRCHHEIM Mit Transparenten machten Kinder und Mütter auf ihr Anliegen aufmerksam: Sie wollen die von der Stadt in Betracht gezogene Schließung "ihres" Kindergartens im Sommer 2006 verhindern. Bereits im Kindergartenentwicklungsplan im Jahr 2003 stand die eingruppige Einrichtung in Ötlingen auf der "Roten Liste" der mittelfristig von der Schließung bedrohten Kirchheimer Kindergärten. Damals hatten die engagierten Eltern zusammen mit ihren Sprösslingen bei Bürgermeister Helmut Riegger angeklopft. Der wiegelte in Zeiten des OB-Wahlkampfs ab: In den nächsten Jahren bestünde kein Grund zur Sorge für das "Spatzennest". Laut städtischem Bedarfsplan werden bis zum Jahr 2007/2008 insgesamt 14 Gruppen zur Disposition gestellt. Die Schließung eingruppiger Einrichtungen soll danach vorrangig geprüft werden. Als erster Schritt wird im Sommer dieses Jahres bereits der Henrietten- in den Senefelderkindergarten eingegliedert.

Dass der Gruppe am Salbeiweg im fortgeschriebenen Kindergartenentwicklungsplan nach wie vor keine guten Zukunftschancen eingeräumt werden, rief die Eltern nun erneut auf den Plan. Für "ihren" Kindergarten führen sie "tolle Räume, super Außenanlagen, engagierte Erzieherinnen und eine gut funktionierende Ausländerintegration" ins Feld. Auch in einer von der Stadt und dem Gesamtelternbeirat angestoßenen Untersuchung sei dem "Salbeiweg" eine hervorragende Qualität bescheinigt worden. "Unser Kindergarten steht in einem Neubaugebiet, das noch über Jahre hinaus erweitert werden soll", so lautet ein weiteres Argument der beiden Elternvertreterinnen Claudia Marxer und Myriam Manns. Zudem wollen sie verhindern, dass die bestehende Gruppe auseinandergerissen wird. Derzeit besuchen 26 Kinder den Kindergarten. Nach der Einschulung im Sommer sind es voraussichtlich noch 16.

Um ihrer Forderung mehr Gewicht zu verleihen, sammelten die Eltern im Laufe der vergangenen Woche über 200 Unterschriften darunter allerdings auch viele von Nicht-Kirchheimern , die sie gestern im Anschluss an die Demo Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker überreichten. Den Vorwurf der voreiligen und unüberlegten Schließung wies die Verwaltungschefin entschieden zurück. Vielmehr werde die Stadt auf Grundlage der Zahlen, die das Statistische Landesamt zum 30. Juni liefere, berechnen, wieviel Gruppen in dem gesamten Bezirk benötigt würden. Außerdem will die Stadt die tatsächlichen Anmeldungen berücksichtigen. "Wir machen keinen Schnellschuss", betonte Angelika Matt-Heidecker sichtlich verärgert. Derzeit gibt es in Ötlingen acht Kindergartengruppen; der mittelfristige Entwicklungsplan geht davon aus, dass in dem Stadtteil sieben Gruppen ausreichen. Läuft es auf eine Schließung des Salbeiwegs im Sommer nächsten Jahres hinaus, muss die Stadt die im Waldorfkindergarten für 1000 Euro angemieteten Räume bis Ende August dieses Jahres kündigen.

Eine kleinere Gruppe biete auch die Chance für die Betreuung unter Dreijähriger, so eine gestern vorgebrachte Überlegung von Elternseite. Die Oberbürgermeisterin sicherte zu, die Stadt sei an dem Thema dran; eingestiegen werde mit altersgemischten Gruppen im Lichtensteinkindergarten, im Aichelberg-Kindergarten sowie auf dem Schafhof.

Im Falle einer Schließung des "Spatzennests" am Salbeiweg wäre der viergruppige Haldenkindergarten in Ötlingen die nächste Anlaufstelle für den Nachwuchs aus dem Neubaugebiet. Falls die Kapazitäten dort nicht ausreichen, der zu Fuß eine halbe Stunde entfernte Kindergarten an der Uracher Straße.