Lokales

Den Adelstitel "Bad" fest im Auge

Geradezu antizyklisch verhält sich die Gemeinde Beuren. Das große Ziel "Heilbad" vor Augen gibt sich die Albrandgemeinde investitionsfreudig. So wird die Panorama Therme ausgebaut, der Ortskern saniert sowie das Rathaus erweitert und restauriert. Zudem will Beuren ein Drei-Sterne-Hotel ansiedeln und sucht dafür noch einen Investor.

IRIS HÄFNER

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BEUREN "Es geht um die Entwicklung der Gemeinde, angestoßen durch die Ortsumgehung. Wir sind kurz vor Bad Beuren", gibt sich Beu-rens Bürgermeister Erich Hartmann selbstbewusst. Das kleine Wörtchen Bad vor dem Ortsnamen war wegen der fehlenden Umgehungsstraße lange Zeit unerreichbar . Mit der Fertigstellung des Tunnels ist man diesem Schritt jedoch ein großes Stück näher gekommen. "Dieser Knoten ist zerschlagen", freut sich der Schultes nach 15 Jahren zielstrebiger Arbeit.

Nun nimmt die Gemeinde über 8 Millionen Euro in die Hand, um den Ortskern zu sanieren. Bis zum Frühjahr 2006 soll das Geld dann verbaut sein. In das neue Rathaus, das durch einen Glasbau mit dem historischen Ratsgebäude verbunden ist, ist die Verwaltung schon eingezogen. Im alten Gebäude sind derweil die Handwerker zu Gange. Nach der Fertigstellung dürfte Beuren damit ein kleines Schmuckstück mit besonderer Note sein Eigen nennen. Wo einst der Erlenbach durchgeflossen ist, werden ab kommendem Jahr Brautpaare getraut. Zurzeit wird dieser Teil des Gebäudes freigelegt, über dem Gewölbe ist die Zahl 1553 eingeritzt und schon zu sehen. In diesem Bereich soll als Attraktion ein "Tiefhof" entstehen, den die Feiernden für einen Sektempfang nutzen können. Auch Passanten ist es erlaubt, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, beispielweise in die alte Brunnenstube des Beurener Baders. Allein der Rathauskomplex kostete 3,6 Millionen Euro.

Den Ortskern prägen zurzeit die Bauarbeiter, denn auch die alte Durchfahrtsstraße erhält auf 600 Metern Länge ein neues Gesicht. "Ein Drittel der Ortsdurchfahrt bleibt im alten Zustand, denn mehr können wir finanziell nicht mehr schultern", begründet Erich Hartmann die Entscheidung.

In der Panorama Therme gibt es ebenfalls einige Neuerungen. Am 31. Mai wird der Barfußpfad in der Außenanlage eingeweiht. "Die Füße werden erstaunlicherweise immer vernachlässigt, obwohl sie uns im Laufe des Lebens dreimal um den Globus tragen", begründet Betriebsleiterin Karin Kaplan das weitere Angebot der Therme. Nicht ganz unschuldig an dem Neubau sind auch Beurens Senioren, die noch eine Woche nach einem Ausflug in den Schwarzwald von dem dortigen Barfußpfad geschwärmt haben. In der Anlage wird der Gleichgewichtssinn gefördert, ebenso Waden- und Oberschenkelmuskulatur und die Reflexzonen angeregt. An den neuen Pfad angeschlossen ist auch eine Kneippanlage sowie Kalt- und Warmwasserduschen. "Auf Schildern wird erklärt, wie die Anwendungen funktionieren und für was sie gut sind", erklärt Karin Kaplan. Zudem gibt es auch die Möglichkeit zur Freiluftinhalation mit fünfprozentiger Sole und ein kleiner Kräutergarten weist auf die Heilkraft der jeweiligen Pflanzen hin.

Schon in Betrieb sind neue Dampfbäder. Dem Trend folgend können sich die Besucher dort mit Honig oder Salz einreiben. "Die Gäste sind total begeistert davon. Die Haut wird dabei gereinigt und man entspannt prima dabei", erklärt Heidi Müller, Abteilungsleiterin Sauna.

Allerdings müssen die Badegäste den Sommer über mit Einschränkungen rechnen. Ab kommenden Montag bis voraussichtlich 15. September ist das große Becken gesperrt. Dach und Becken werden erneuert, eine Unterwasserbeschallung eingebaut und eine neue Gastronomie wird ebenfalls im Innenbereich entstehen. "Ein Freiburger Gesundheitsexperte hat herausgefunden, dass das Gehen im Wasser zur wertvollsten Bewegung überhaupt zählt, deshalb werden wir in Zusammenarbeit mit ihm Wasserwalking entwickeln", blickt der Schultes in die Zukunft. Damit sich die Einschränkungen für die Gäste in Grenzen halten, wird im Sommer gebaut, sodass die Außenbecken wenigstens einen Teil des Bedarfs auffangen können.

Doch dem nicht genug, ein weiteres großes Projekt ist in der kleine Gemeinde in Planung: Ein Hotel soll angesiedelt werden, denn eine solche Anlage ist eine weitere Grundvoraussetzung, um als Heilbad anerkannt zu werden. Bei der Hotelansiedlung ist Beuren jedoch auf einen Investor angewiesen. "Da geht uns als 3500-Einwohner-Gemeinde die Luft aus", so Erich Hartmann. Schon der Betrieb der Therme übersteige das Haushaltsvolumen.

Von der Idee, ein Seminar- und Tagungshotel zu bauen, riet Hotelplanerin Antje Zumsande nach eingehender Recherche ab. Grünes Licht gab sie dagegen für ein Drei-Sterne-Wellnesshotel, das direkt neben der Therme liegt. Entsprechende Flächen am Rande des Landschaftsschutzgebiets sind vorhanden. "Das ist eine fantastische Lage und garantiert den Gästen Erholung pur", so ihre Einschätzung. Als erste Hausnummer für die Kosten nennt Antje Zumsande 10 Millionen Euro. "Das Haus ist dann löffelfertig", verspricht die Fachfrau, was so viel heißt, dass in diesem Betrag alle Kosten von Erschließung bis Fertigstellung und Planung enthalten sind. Das Hotel lasse sich relativ günstig bauen, da mit der Therme eine gute Infrastruktur für das Wellness-Segment schon vorhanden sei.

"Der Zeitpunkt ist aus wirtschaftlicher Sicht gesehen nicht der beste", ist sich Erich Hartmann bewusst. Er setzt jedoch auf das Potenzial der Therme und der Region. Alles andere als begeistert ist er jedoch über die ungleichen Investitionsbedingungen. "In Baden-Württemberg müssen fünf Millionen Euro Zuschuss für das ganze Land reichen, an der Ostsee wird diese Summe in ein Projekt gesteckt", weiß Antje Zumsande. Trotzdem sieht sie für Beuren gute Chancen für ein Hotel: "Die Schwäbische Alb ist diesbezüglich ein weißer Fleck. Die bestehenden Häuser sind entweder recht klein oder veraltet." Erste Gespräche mit Reisebüros klangen zudem erfolgversprechend: Sie erklärten, dass sie ein derartiges Angebot sofort in ihren Prospekt aufnehmen würden.