Lokales

Den Albtrauf ins rechte Licht rücken

Seit über 40 Jahren haben sich Gemeinden, Vereine und Institutionen im Verkehrsverein Teck-Neuffen zusammengeschlossen, um den Tourismus in der Region zu fördern. Auf der Mitgliederversammlung wurden nun Stimmen laut, die befürchten, durch die Einstellung von Tourismusbeauftragten würden Doppelstrukturen geschaffen.

BARBARA GOSSON

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NÜRTINGEN Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Kirchheim-Nürtingen, Ulrich Weiß, war voll des Lobes über die Region zwischen Teck und Neuffen. Die Volksbank ist Mit-glied im Verein und war Gastgeber der Sitzung. "Das ist eine sehr schöne und begnadete Gegend mit einer tollen Verkehrsanbindung und einer tollen Gastronomie", pries Weiß den "schönsten Standort Deutschlands". Dem schloss sich die Vorsitzende des Vereins, die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, an, bevor sie berichtete, wie die Schönheit der Gegend ins rechte Licht gerückt und versilbert werden soll. Als neues Mitglied hieß sie die Schwäbische Landpartie willkommen, einen Verein, der mit seinen Gästeführerinnen auf verschiedenen Touren Gebräuche, Natur und Sehenswürdigkeiten der Region präsentiert.

In diesem Jahr wird sich der Verein laut Matt-Heidecker mit einer strukturellen Neuausrichtung befassen. Zum einen planen der Kreis Esslingen und die Stadt Nürtingen, Tourismusbeauftragte einzustellen. Hier gelte es zu klären, welche Auswirkungen das auf den Verkehrsverein habe. Zum anderen gelte es, die eigene Position neben der großen Stuttgart-Regio-Marketing GmbH zu beziehen. Eine Belebung des Fremdenverkehrs erhofft sich Matt-Heidecker von der S-Bahn, die ab 2010 bis Kirchheim führen wird und soschneller Gäste aus Stuttgart an den Albtrauf bringen kann.

Überhaupt ist der Albtrauf das Pfund, mit dem der Verkehrsverein wuchern kann. Der Fotowettbewerb "Typisch Albtrauf" ist dabei nur ein Aspekt. Neues Herzstück der Präsentation ist ein neuer Prospekt, der rechtzeitig zur Eröffnung der Tourismusmesse CMT fertig ist. Entworfen haben ihn die drei Geschäftsführerinnen des Vereins, Kirsten Bopp, Karin Kaplan und Bettina Schreitmüller, die auch den Geschäftsbericht des Vereins vorstellten. Der Prospekt wurde in Zusammenarbeit mit den beiden regionalen Tageszeitungen Teckbote und Nürtinger Zeitung erstellt. Finanziert wurde er unter anderem durch themenbezogene Werbung. Bis Anfang April soll er an alle Haushalte verteilt werden.

Zunächst gibt es eine Frühjahr-Sommer-Ausgabe, die sich an verschiedene Zielgruppen, je nach Aktivität richtet, erläutert Schreitmüller. Konkrete Veranstaltungen wie etwa Stadtführungen oder eine von Erkenbrechtsweiler ausgehende Drei-Felsen-Sagenwanderung werden vorgestellt und können gleich gebucht werden. Mit den 24 Programm-Ideen kann ein ganzer Urlaub gestaltet werden, findet Schreitmüller. Regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen und eine Gastro-Liste ergänzen die Informationen.

Ein voller Erfolg ist die Homepage. Seit ein Veranstaltungskalender darauf zu finden ist, so Schreitmüller, hat sich die Zahl der Zugriffe auf rund 430 000 gegenüber 2006 vervierfacht. Am Internetauftritt werde stetig gearbeitet, und bald sollen die Bilder des Fotowettbewerbs "Typisch Albtrauf" zu sehen sein. Über 100 Menschen haben an die 300 Bilder eingeschickt. Die Rechte daran, so Kaplan, hat der Verein, der sie nun auch zu Werbezwecken verwenden kann. Im Frühjahr soll ein Routenplaner zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten online gestellt werden.

Die anschließende Diskussion drehte sich hauptsächlich um die Rolle des Verkehrsvereins unter ähnlichen Organisationen. Der Lenninger Bürgermeister Michael Schlecht befürchtet, dass Doppelstrukturen geschaffen werden, die nicht im Sinne der kleineren Gemeinden seien. Noch immer, und das bestätigte Matt-Heidecker, seien keinerlei Abstimmungsgespräche vom Kreis mit dem Verein geführt worden. Dabei gebe es gerade hier gewachsene Strukturen, auf die man zurückgreifen könne, so Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer. Dennoch findet er es richtig, dass der Kreis handelt. Nur müsste das Gespräch mit den Verkehrsvereinen gesucht werden. Michael Schlecht berichtete, dass Lenningen eine Analyse seines touristischen Potenzials habe erstellen lassen. Die Gegend biete viele Sehenswürdigkeiten, habe aber nur ganz wenige gut ausgestattete Unterkünfte. Die von Schlecht angeregte Kategorisierung der Unterkünfte findet Matt-Heidecker aber schwierig.

Nicht nur die Region Stuttgart, auch das neue Biosphärengebiet bringt sich im Wettbewerb um zahlungskräftige Touristen in Stellung. Ein guter Teil des Biosphärengebiets umfasst den Albtrauf, der, wie Hermann Bauer findet, sogar der interessanteste Teil des ganzen Gebiets ist. "Nur deshalb und nicht wegen des Truppenübungsplatzes wurde das Gebiet von der UNESCO ausgewiesen." Nun gelte es dort zu werben, wo die anderen Gemeinden auch werben, und in denselben Arbeitskreisen einen Platz zu beanspruchen. "Die Reutlinger werden hier aktiv werden. Entweder wir sind dabei oder wir werden abgehängt", warnte Bauer. Immerhin sei der Beurener Bürgermeister Erich Hartmann hier recht rührig.

Der aber bezweifelte, ob sich ausgerechnet der Verkehrsverein mit dem Biosphärengebiet befassen sollte, da 80 Prozent seines Einzugsgebiets damit gar nichts zu tun hätten. Das sei ein Problem, wenn es darum gehe, Zuschüsse zu beantragen. Dem hielt Bauer entgegen, dass genau jene Naturfreunde, die ins Biosphärengebiet wollen, auch die Schönheit der umliegenden Ortschaften und das Leben in den Städten zu schätzen wüssten und deshalb Verkehrsverein und Landkreis gefragt seien. "Das Biosphärengebiet bietet uns eine tolle Chance. Wir müssen sie nur nutzen", so Bauer. "Wir sollten mit Anzeigen in den entsprechenden Broschüren erscheinen", regte Matt-Heidecker an. "Wir müssen auf den Landkreis zugehen und ihm unsere Strukturen anbieten."

Kämmerer Roland Schröpfer stellte die Finanzen des Vereins vor, der am Ende des Jahres 2006 über ein Gesamtvermögen von 53 500 Euro verfügte. Der Haushalt für 2007 ist noch nicht abgerechnet, was aber bei der nächsten Mitgliederversammlung nachgeholt werden soll. Kassier und Vorstand wurden entlastet.