Lokales

Den Eingang finden nun auch Auswärtige

Was kaum einer für möglich gehalten hat, ist doch eingetreten: Die umgebaute Gemeindehalle wurde tatsächlich zum Einweihungstermin nahezu fertig. Mit einem bunten Programm nahmen die Notzinger von ihrem neuen Schmuckstück Besitz.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Gute Stimmung herrschte am Samstagabend in der neu umgebauten Gemeindehalle in Notzingen. Schon der Weg zur Halle machte Lust, mehr von dem Gebäude zu sehen. Auch wenn noch nicht alles komplett fertig geworden ist der Treppenaufgang direkt von der Halle auf die Bühne, Fertigputz und Farbe an West- und Südseite oder die Bar so funktionierten schon die Wasserspiele neben den Treppen zum Haupteingang und belebten den gesamten Bereich. "Das ist unsere Form von Kunst am Bau", meinte dazu Notzingens Bürgermeister Jochen Flogaus.

"Der wirkliche Reichtum einer Gemeinde liegt nicht allein in der Gemeindekasse, sondern hauptsächlich mit im gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Leben", sagte Jochen Flogaus zu Beginn seiner Ansprache. Dies zu pflegen und weiter zu entwickeln sei eine bedeutende Gemeinschaftsaufgabe von Vereinen und Gemeinde. "Der heutige Tag ist ein Markstein auf diesem Weg", so der Schultes.

Nach dem Neubau der Sporthalle vor knapp sechs Jahren hatte sich die Bodenbachgemeinde viel vorgenommen: den Umbau der Mehrzweckhalle aus dem Jahre 1961. "Unsere Maxime lautete daher: Sparen, sparen, das Geld auf die Kante legen und dann mit antizyklischem Verhalten den Bau angehen. Das war sicherlich ein weiterer Kraftakt, aber ich glaube sagen zu können er hat sich gelohnt", so die Überzeugung des Bürgermeisters. Er hatte schon immer für zwei getrennte Hallen plädiert. "Eine Mehrzweckhalle ist eine schlechte Kompromisslösung nichts Halbes und nichts Ganzes", so sein Urteil. Nun stünden in Notzingen zwei funktionstüchtige, praxisgerechte und optimale Hallen zur Verfügung.

Die Kosten für den Umbau der Halle belaufen sich auf knapp 2,5 Millionen Euro. Das Geld ist jedoch gut investiert, es haben sich dank der Maßnahme einige Verbesserungen ergeben: die Küche mit zwei Kühlräumen wurde vergrößert, ein Regieraum und ein Behinderten-WC eingebaut. Durch den Anbau kamen noch zwei Übungsräume im Untergeschoss mit exklusivem Blick auf die Wasserspiele hinzu. "Durch das größere Bühnenportal und das Vorziehen der Bühne hat sich die Nutzfläche um rund 60 Prozent vergrößert", erklärte Jochen Flogaus.

Den Kostenrahmen gesprengt haben die Außenanlagen. Der Gemeinderat hatte sich durchgerungen, auch diese zu optimieren. "Das Motto lautete: Mit den Außenanlagen steht und fällt die Optik der Halle", so der Schultes. Nicht nur seiner Ansicht nach sind sie gelungen.

Die Festhalle erlaubt nun die unterschiedlichsten Nutzungen: Konzerte, Theater, Tanz- und Schulveranstaltungen, Ausstellungen und vieles mehr. "Damit sind ideale Voraussetzungen entstanden für eine weitere Belebung des kulturellen Geschehens", freut sich Jochen Flogaus. Die Erfüllung des langgehegten Wunsches nehme aber auch die Vereine in die Pflicht. "Mit der Überlassung des Gebäudes hat die Gemeinde den ersten Schritt getan. Es liegt nun an ihnen, diese Halle mit Leben zu füllen", legte er den Vereinen ins Stammbuch. Vom Engagement würden die Vereine selbst profitieren, insbesondere aber auch das öffentliche Leben.

Ein Anfang wurde bei der Eröffnung schon gemacht. Gleich mehrere Vereine präsentierten sich. Der Musikverein hatte die Ehre, als erster in der neuen Halle aufzutreten. Die Musiker werden auch die ersten sein, die den Reigen der Veranstaltungen mit ihrer Winterunterhaltung am kommenden Wochenende eröffnen. Musikalisch umrahmt wurde das Programm auch vom Gesangverein Concordia und dem Jungen Chor "Nowelli". Letzterer zeigte ein weltumspannendes Repertoire: vom jiddischen Lied über mexikanische Machos bis hin zum kleinen, grünen Kaktus der Comedian Harmonists. Zu Gast war auch die Rock'n'Roll-Gruppe des Turn- und Sportvereins. Deren temperamentvolle Vorstellung war für die Elektrik wohl ein bisschen zu viel: zunächst flackerte das Licht, dann fiel es ganz aus, ebenso das Mikrofon. Dabei zeigte sich, dass die Akustik gut ist. Selbst in der letzten Reihe war das Grußwort der Rock'n'Roller zu hören.

Auch Architekt Jürgen Hermann hielt eine kurze Ansprache. Aufgabe und Ort hätten hohe Ansprüche an die Planung gestellt. "Vorgefunden habe ich einen Funktionsbau, bei dem das Parkett hauchdünn, die WCs versifft und der Eingang nur von Einheimischen auffindbar war", erinnerte sich der Architekt. Die Beharrlichkeit zahlreicher Menschen habe schließlich zum Ziel geführt. Er sprach auch von der Inszenierung von Platz und Eingang. "Das wird sich einprägen", ist er sich sicher. Und dann bekam der Schultes auch noch ein dickes Lob vom Architekten: "Zupackend, unkompliziert, sympatisch ein netter, fast idealer Bauherr." Zur offiziellen Schlüsselübergabe kam es jedoch nicht: Jürgen Hermann hatte das Corpus Delicti schlicht vergessen. Die Notzinger nahmen's gelassen und lachten herzlich über dieses kleine Missgeschick.

Matthias Berg, erster Landesbeamter des Landkreises Esslingen, war in Vertretung von Landrat Heinz Eininger gekommen. Er lobte das Geschaffene. In schlechten Zeiten würde gerne an der Kultur gespart. "Diese Investition war mutig. Ich als Hornist finde dies jedoch sehr sympathisch", sagte er. Kultur brauche Raum und den habe Notzingen nun geschaffen. Auch er lobte den Schultes: Im Jahre 1987 sei Jochen Flogaus als einer von fünf Kandidaten zur Bürgermeisterwahl angetreten. Eines seiner Wahlversprechen sei eine Gemeindehalle gewesen und 18 Jahre später sei es nun so weit. "Sie sind ein hervorragendes Vorbild, da sie halten, was sie versprechen", erklärte Matthias Berg.

Auch Wolfgang Schäfer, Vorsitzender des TSV und Gemeinderat, hielt ein Grußwort. Er freut sich, dass nun der Musikverein und die Concordia ein echtes Zuhause haben. "Die Halle hat eine zentrale Bedeutung für das kulturelle Leben im Ort", so seine Einschätzung. Die Baumaßnahme zu realisieren sei ein finanzieller Kraftakt gewesen, der sich aber auf jeden Fall gelohnt habe. "Das gibt Anlass zur Freude und zum Feiern", so Wolfgang Schäfer.

Dies ließen sich die Gäste nicht zweimal sagen. Nach der Veranstaltung nahmen die Notzinger das neue, großzügigere gestaltete Foyer in Besitz. Dass die Bar noch fehlte, war nur ein kleiner Schönheitsfehler es ist Anlass, eine weitere Veranstaltung in der neuen Halle zu besuchen und sie dann in Augenschein zu nehmen.