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"Den Mut nicht verlieren"

Knapp 16 000 Arbeitslose im Landkreis Esslingen sind für Adalbert Kuhn ein Skandal. Daher gibt es dem Leiter des katholischen Bildungswerkes zufolge eigentlich keinen Grund, das zehnjährige Bestehen des Arbeitslosentreffs zu feiern. Doch es sei wichtig, die Betroffenen zu ermutigen und immer wieder auf ihre Situation hinzuweisen.

SABINE FÖRSTERLING

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KREIS ESSLINGEN Mit augenzwinkernder aber auch beißender Ironie und Gesellschaftskritik übernahm bei der Feier im Forum der Württembergischen Landesbühne diesen Part der Kabarettist Peter Grohmann. Die hohe Arbeitslosigkeit ist ein heißes Eisen. Neben Betroffenen waren auch die CDU-Vizepräsidentin des Landtages, Christa Vossschulte, und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Wolfgang Drexler, anwesend. Auch die Gewerkschaft war indirekt durch den ehemaligen Regionalsekretär des DGB, Thomas Bittner, vertreten.

"Den Mut nicht verlieren", hieß schon vor zehn Jahren ein Seminar des katholischen Bildungswerkes für Arbeitslose im Landkreis. Daraus entwickelte sich Adalbert Kuhn zufolge der Wunsch der Betroffenen nach Eigeninitiative. Seitdem trifft man sich ein Mal im Monat, klärt eigene Fragen und berät sich gegenseitig. Hinzu kommen Informationsveranstaltungen. Die Stärkung des Selbstbewusstseins und der Eigenverantwortung ist Kuhn wichtig. Außerdem sollten sich die Arbeitslosen mehr zu Wort melden können. "Bei uns ist noch niemand in den Treff gekommen, der nicht arbeiten wollte." Vorurteilen müsste vehement entgegen getreten werden.

Der katholische Kreisdekan Dieter Hildebrand wünschte sich mehr Anwälte für die Würde der Erwerbslosen und für deren Recht auf Arbeit. Ein heiliger Zorn würde ihn ergreifen, wenn heutzutage immer weniger Menschen immer mehr und viele immer weniger haben. "Arbeit kommt vor dem Kapital", meinte Hildebrand. Der Überschuss des LBBW-Konzerns sei von 136 Millionen Euro auf 502 Millionen gestiegen und dennoch sollen 464 Stellen abgebaut werden, wies Kuhn auf eine Meldung hin.

Der Leiter des Bildungswerks forderte politische Rahmenbedingungen, damit auch Konzerne und Aktionäre zum Gemeinwohl beitragen. "Eine Wirtschaft, die darauf hinarbeitet, keine Konsumenten mehr zu haben, fährt sich selbst an die Wand", gab Kuhn zu Bedenken. Nach Hartz IV habe sich die finanzielle Situation der Arbeitslosen verschlechtert. Es reiche kaum noch, die normalen Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Wer kein Geld in der Tasche hat, sei darüber hinaus vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Mit einer "Hartzwanderung zwischen Hängen und Würgen" erklärte sich der Kabarettist Peter Grohmann auf ironisch-amüsante Weise solidarisch.

Informationen über den Arbeitslosentreff gibt es unter Telefon 07 11/38 21 74.