Lokales

„Den Radlern soll ein Licht aufgehen“

Gute Beleuchtung kann schwere Unfälle verhindern – Polizei setzt auf die Vernunft des Einzelnen

Dass den Radfahrern „ein Licht aufgeht“ wünscht sich Kirchheims Polizeichef Thomas ­Pitzinger sehnlichst. Er und seine Beamten des Reviers Kirchheim müssen leider wie in jedem Jahr beobachten, dass in der dunklen Jahreszeit sehr viele Radler mit unzureichender oder sogar gar keiner Beleuchtung unterwegs sind. „Fast täglich werden uns Beinahe-Unfälle gemeldet“, weiß der Polizeibeamte und warnt die Radler ausdrücklich, sich in ­solche Gefahren zu begeben.

Rudolf Stäbler

Kirchheim. Und Polizeichef Pitzinger hat auch gleich eine Warnung für die unverantwortlich handelnden Radler parat. „Wir werden in den nächsten Tagen verschärft Kontrollen durchführen“. Dies gelte vor allem im Bereich von Schulen, aber auch in anderen Gegenden, wo sich der Fahrradverkehr kanalisiere. Dazu, so wurde von den Verkehrspolizisten festgestellt, komme noch, dass nicht nur ohne Licht gefahren wird, sondern auch dunkle Kleidung dafür sorgt, dass ein Autofahrer die Radler kaum, oder aber zu spät, erkennen kann. So empfiehlt die Polizei, natürlich neben einer perfekten Beleuchtung, helle Kleidung zu tragen oder auf dunkle Kleidung wenigstens reflektierende Teile aufzubringen.

Erwischt die Polizei einen Radler ohne Licht, steht dem ein Mängelbericht ins Haus. Das Rad muss mit perfekter Beleuchtung wieder bei der Polizeiwache vorgeführt werden. Als „letztes Mittel“ bezeichnet Pitzinger dann ein Verwarnungsgeld. „Wir wollen absolut keine Abzocke“, betont der Polizeichef. „Unser Ziel ist in den Wintermonaten das „Sehen und Gesehen werden.“

So gab es zum Beispiel Ende November 2006 Schwerpunktkontrollen rund um die Kirchheimer Schulen. „Erschreckende Ergebnisse waren das“, erinnert sich Pitzinger. Obwohl es zu Schulbeginn noch recht dunkel war, fuhren rund 75 Prozent der Schüler ohne Licht. Teilweise gab es an den Drahteseln gar keine Beleuchtung oder war die Lichtanlage defekt. Und manche waren einfach zu faul, um den Dynamo einzuschalten.

Und Thomas Pitzinger und seine Kollegen haben auch einige Tipps parat: Fahrradfahren ist nicht nur ein Sommertrend. Vor der Wintersaison sollte das Rad noch einmal gründlich überprüft werden, gerade wenn es früh dunkel wird, lautet die Parole: Sehen und gesehen werden. Eine funktionierende Lichtanlage mit Frontscheinwerfer und Rücklicht sowie Front- und Speichenreflektoren, Pedalrückstrahlern und ein großflächiger roter Rückstrahler sind nicht nur in der Straßenverkehrsordnung vorgeschrieben, sondern erhöhen auch die Sichtbarkeit ganz erheblich. Defekte Lichtkabel sollten spätestens jetzt repariert werden. Außerdem sollten alte Glühbirnen-Scheinwerfer durch hellere und langlebige LED-Lampen ersetzt werden. Auch der Außtausch des Seitenläuferdynamos bringt große Vorteile: Moderne Nabendynamos sind zwar teurer, dafür aber leiser, leichtgängiger und wesentlich störungsresistenter.

Angepasstes Fahren ist bei Schnee und Glätte dennoch angebracht. Wenn es unerwartet rutschig wird, empfehlen die Fachleute. das Fahrrad rollen zu lassen und nur vorsichtig zu bremsen. Ein etwas niedriger eingestellter Sattel hilft, bei Bedarf schnell mit beiden Füßen Bodenkontakt zu bekommen.

Fußgänger sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer, betont Pitzinger. Für sie ist es besonders wichtig, gut sichtbar zu sein. Selbst wenn man als Fußgänger das Auto sieht, heißt das nicht, dass der Fahrzeuglenker den Fußgänger ebenfalls wahrnimmt. Zusätzliche Aufmerksamkeit für Radfahrer und Fußgänger schafft helle Kleidung, am besten mit reflektierenden Streifen. Reflektorbänder mit Klettverschluss, zum Aufnähen oder Aufbügeln, Reflektorschärpen oder kleine Reflektorfiguren zum Umhängen sind nicht nur etwas für Kinder. Solche Reflexmaterialien sind bereits in einer Entfernung von 160 Metern sichtbar. Leider, so weiß die Polizei, passen nicht alle Autofahrer ihre Fahrweise der Witterung an und fahren angemessen langsam. Daher sollten Radfahrer und Fußgänger die verlängerten Bremswege und die eingeschränkte Sicht der Fahrzeuglenker einkalkulieren und im Zweifelsfall nicht auf ihr Recht bestehen. Die Polizisten, und das nicht nur beim Revier Kirchheim, hoffen deshalb, dass ihre Warnungen auf fruchtbaren Boden fallen und sie nicht zu einem schweren Unfall gerufen werden müssen.

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