Lokales

Der Bahnhof putzt sich raus

Möglichst einladend will sich Kirchheim den künftigen S-Bahn-Reisenden präsentieren

Noch sieben Monate, bis die erste S-Bahn in Kirchheim eintrifft. Am Kirchheimer Bahnhof laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, um die Fahrgäste des lang ersehnten Verkehrsmittels gebührend zu empfangen. „Wer ankommt, soll spüren: Hier beginnt die Stadt“, bringt Bürgermeister Günter Riemer die städtischen Bemühungen auf den Punkt.

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irene strifler

Kirchheim. Emsig hat sich der Bagger bereits am ehemaligen Kiosk zu schaffen gemacht. Dass hier früher ein Gebäude stand, verrät nurmehr eine platte Fläche. Daneben tragen die im vergangenen Jahr gepflanzten Ahornbäume bereits ganz passable Kronen. Darunter lässt sich mitunter schon mal jemand auf einer der Bänke im Halbschatten nieder. Genau das ist Ziel der Umbaumaßnahmen: Mehr Aufenthaltsqualität soll in das Areal gebracht werden, das in den 70er-Jahren aus der Stadt hinausgerückt wurde. – Leider, wie wohl die meisten Stadtplaner heute sagen.

Jetzt soll nicht nur die städtische Fläche direkt rund ums Bahnhofsgebäude einladender werden, auch die gefühlte Entfernung zur Stadtmitte soll schrumpfen. Der Weg Richtung neues Nanz-Center und dann weiter in die Max-Eyth-Straße oder quer durch die Schülestraße wird deutlich ausgeschildert, später soll auch noch eine ansprechende Fußverbindung durchs Gerberareal geschaffen werden.

Abgeschlossen sind bereits die Neuerungen im Untergrund: „Wir wollen Angsträume, die Unterführungen mit sich bringen, vermeiden“, erklärt Günter Riemer. Die Unterführung wurde daher saniert und gereinigt. Wer allerdings durch das Bauwerk läuft, wird bemerken, dass es viele Zeitgenossen mit der Sauberkeit nicht besonders genau nehmen. Putz­kolonnen mussten hier erst kürzlich Hand anlegen, als die Wände mit Parolen beschmiert wurden.

Allen Widrigkeiten zum Trotz hat die unterirdische Passage in den vergangenen Wochen gewonnen. Der Eingang Richtung Milcherberg und LUG wirkt heller, seit das marode Dach entfernt ist. Zweifellos das I‑Tüpfelchen stellen Kunstwerke junger Kirchheimer dar – eine Initiative des Jugendrates. Diese Kunstwerke ziehen unweigerlich die Blicke aller Passanten auf sich.

Außerdem wurde die Unterführung deutlich verkürzt. Der Grund dafür liegt darin, dass die Bahn bereits das Gleissystem verändert hat. Das Gleis der Teckbahn endet künftig in Kirchheim, ein paar Schritte weiter beginnt dann die Plattform für das S-Bahn-Gleis. Beide Bahnen sind somit oberirdisch zu erreichen. Die Unterführung wird für den eigentlichen Bahnbetrieb nicht mehr benötigt, denn die hinteren Gleise sollen Güterzügen beziehungsweise Sonderfahrten vorbehalten sein. Trotzdem bleibt die Unterführung eine unverzichtbare Verbindung für die Gymnasiasten vom LUG und all jene, die die oben gelegenen Wohngebiete erreichen wollen.

Soeben abgeschlossen sind die Abbrucharbeiten, die die Schließung der Treppenanlage und die Demontage des Kiosks mit sich gebracht haben. Als nächstes wird dort ein neuer Belag entstehen und ein offener Wartebereich. Dieses Areal soll ein aerodynamisches Dach zieren als Hommage an die Geschichte der Fliegerei in Kirchheim. Auch ein Brunnen, gestaltet von einer Kirchheimer Künstlerin, soll bald den neu gestalteten Bereich beleben. Schon bis August dürfte alles vorbereitet sein, dann kann die S-Bahn kommen.

„Wir sind voll im Zeitplan“, stellt Martin Zimmert, Leiter des Geschäftskreises Hoch- und Tiefbau in Kirchheim zufrieden fest. Auch der im Gemeinderat besprochene finanzielle Rahmen für die beschriebenen Maßnahmen, nämlich 475 000 Euro, wird nicht überschritten. Unangetastet bleibt einstweilen das Bahnhofsgebäude selbst, das sich nicht in städtischem Besitz befindet.

Langfristig noch nicht ganz gelöst ist die Parkplatzfrage für die Pendler. „Wir hoffen immer noch, dass wir mit der Bahn-Tochter Aurelis ins Geschäft kommen“, meint Bürgermeister Riemer und zeigt sich zuversichtlich. Immerhin gibt es jetzt auf dem Aurelis-Gelände zwischen AOK und Güterschuppen etwa 150 Parkplätze, die zu günstigen Tarifen von Pendlern genutzt werden können. Erweitert wird auch noch die Zahl der Fahrradboxen, die derzeit alle vermietet sind.

Umgestaltungsarbeiten sind auch am Ötlinger Bahnhof im Gange. Auch dort wird die Unterführung auf Vordermann gebracht, radelnde Pendler sollen genügend Boxen vorfinden und für Autofahrer wird rechtzeitig zum S-Bahn-Start ein erweiterter Park and Ride-Platz zur Verfügung stehen.