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Der Biergartenbaum ist zu allen vier Jahreszeiten eine Augenweide

KIRCHHEIM "Plopp" macht es und eine Kastanie purzelt vor der Kirchheimer Stadtbücherei auf den Boden. Keine fünf Sekunden vergehen, bis sich der nächste Passant

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MIRIAM SCHWINGHAMMER

bückt, um sie aufzusammeln.

Kastaniensammler sind fleißig unterwegs im September und Oktober. Rosskastanienbäume genießen bei Kindern und auch Erwachsenen große Beliebtheit. Auch zeigen sich diese prächtigen Bäume in Kirchheim vielerorts. Sie schmücken die Plätze vor Stadtbücherei und Martinskirche, säumen den Alleenring oder spenden am Rossmarkt Schatten.

Unter der botanischen Bezeichnung "Aesculus hippocastanum" verbirgt sich eine der schönsten, bekanntesten und beliebtesten Stadt,- Park,- und Alleebaumarten: Die Rosskastanie, die sich den Titel "Baum des Jahres 2005" verdient hat. Die Rosskastanie erreicht eine Höhe von etwa 25 Metern und kann über 200 Jahre alt werden. Beliebt ist sie auch deshalb, weil sie zu allen vier Jahreszeiten eine Augenweide ist: Mit ihren großen Knospen im Winter, im April beim Erscheinen der großen gefingerten Blätter, im Wonnemonat Mai mit ihrem orchideenhaften Blütenmeer und im Herbst mit goldfarbenen Blättern und vor allem den großen glänzenden Samen, die ein Gewicht von bis zu 20 Gramm erreichen. Diese sind vor allem als Dekoration oder bei Kindern beliebt. Seit Jahrhunderten sammeln sie im Herbst Kastanien, um lustige Streichholzmännchen oder Ketten daraus zu basteln.

Außerdem ist die Rosskastanie der ideale Schattenspender in Biergärten, denn keine andere Baumart beschattet so stark wie sie. Der Baum selbst bedarf jedoch viel Licht, um alt zu werden, weswegen er im Wald fast vergeblich gesucht wird. In der Forstwirtschaft spielt er keine Rolle.

Das Wort "Ross" hat diese Kastanie als Beinamen, weil sie kranken Pferden, besonders bei Husten und Wurmkrankheiten, durch ihren Verzehr Linderung verschafft.

Die Rosskastanie darf nicht mit der Edelkastanie, auch Esskastanie genannt, verwechselt werden deren Früchte, die Maronen, sind für Menschen essbar. Die Früchte der Rosskastanie sind mit ihren Bitterstoffen jedoch ungenießbar, sogar schwach giftig. Ihr Verzehr würde Erbrechen und Angstgefühle auslösen.

Die Rosskastanie ist in den Mittelgebirgen Griechenlands, Albaniens und Mazedoniens beheimatet. Während der Eiszeiten hatte es sie dorthin verschlagen. Die Rückwanderung nach Mitteleuropa gelang ihr erst wieder durch den Menschen.

Kaum eine andere Baumart findet in der Naturheilkunde so viele Verwendungsmöglichkeiten wie die Rosskastanie. Die Inhaltsstoffe von Rinde, Blättern, Blüten und Früchten werden für kosmetische Produkte, Farben und auch für Medikamente verwendet sehr bekannt und geschätzt ist die durchblutungsfördernde Wirkung bei Venenleiden. Selbst zur Schnupftabak- und Seifenherstellung sind Kastanien geeignet, in Notzeiten auch zur Mehlherstellung und als Kaffeeersatz. Nicht zu vergessen dienen die Früchte Tieren insbesondere Wild als Nahrung.

Was der Rosskastanie jedoch zu schaffen macht, ist die Schädigung durch die Maniermotte. Die kleinen Tierchen fressen sich durch die Blätter; diese färben sich braun und fallen oft schon im Hochsommer ab. Die wirkungsvollste Vorsorgemaßnahme ist derzeit, das abgefallene Laub zu verbrennen oder zu vergraben, damit die Mottenpuppen nicht überwintern können.