Lokales

Der Countdown läuft

In drei Tagen vier Wahlen auf einmal – Was halten die Menschen davon?

Die Kandidaten der Parteien und Wählergruppen ringen noch bis zum Superwahltag am 7. Juni um die Wählergunst. Doch bewegen ihre Positionen die Bürger? Oder haben diese anderes im Kopf? Tobias Flegel hat sich umgehört.

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Kirchheim. „Ich finde es wichtig, wählen zu gehen, weil diese Leute mich vertreten“, sagt Julia Knöffel aus Notzingen. Deshalb ist für sie die Wahl des Gemeinderats am wichtigsten: Der entscheidet, was sie angeht. Mit Freunden redet Julia Knöffel eher oberflächlich über die Wahlen. Ihre Eltern unterhalten sich daheim darüber, doch das bekomme sie nicht so mit. „Wen ich wähle, weiß ich noch nicht 100-prozentig“, sagt Julia Knöffel.

„Der Wahlkampf interessiert mich“ sagt Sabine Mauser. Die Gemeinderatswahl verfolgt die Kirchheimerin besonders, die Europawahl nicht so genau. Ein paar Infos habe sie darüber aber schon mitbekommen. Daheim spricht Sabine Mauser mit ihrer Familie über die Wahlen. Sie habe den Eindruck, dass sich die Parteien und Gruppierungen dieses Jahr nicht so bekämpfen wie sonst. „Das gefällt mir“, meint sie.

Ähnlich sieht das der Holzmadener Karlheinz Greiner: „Den Wahlkampf finde ich interessant“, sagt er. Deshalb informiert er sich: Karlheinz Greiner liest Zeitung, schaut Sendungen im Fernsehen und holt samstags in der Fußgängerzone Infomaterial. In der Berichterstattung falle ihm auf, dass die Kandidaten die Finanzkrise sehr unterschiedlich bewerten. Außerdem legen seiner Ansicht nach manche Parteien europäische Themen sehr zu ihrem Vorteil aus. „Dabei sitzen wir doch alle im gleichen Boot“, findet Karlheinz Greiner.

Edda Schroeder-Rieckes Entscheidung steht schon fest. „Bei der Gemeinderatswahl werde ich dieses Mal einen anderen Weg als sonst gehen“, sagt die Gutenbergerin. Insgesamt fehlen ihr griffige Argumente zur Europapolitik – da wünscht sie sich speziellere Aussagen. Mit Freunden und der Familie redet Edda Schroeder-Riecke über die Wahl. „Da gehen die Meinungen schon mal auseinander“, sagt sie. „Mit der meines Mannes bin ich zum Beispiel nicht einig.“

„Mich interessiert das Thema Gesundheit am meisten, weil ich immer mehr aus eigener Tasche bezahlen muss“, sagt Willi Krieger über den Wahlkampf. Der Wendlinger hat sich in der Fußgängerzone, mit Tageszeitungen und Flugblättern über die Wahlen eingedeckt und informiert. Da sei aber vieles dabei, was ihn nicht interessiert. Im Fernsehen schaltet Willi Krieger extreme Parteien ab. „Meine Entscheidung steht im Großen und Ganzen auch schon fest“, sagt er.

Pascal De Micheli kommt aus Cannes und besucht mit seiner Frau Verwandte in Kirchheim. Über die Europawahl sagt er: „Ehrlich gesagt, habe ich in Frankreich vom Wahlkampf noch nicht besonders viel mitbekommen.“ Also hat sich Pascal De Micheli über die Programme der Parteien in der Zeitung und im Internet informiert. Die Themen Soziales und Umwelt interessieren ihn am meisten. „Für wen ich bei der Europawahl abstimme, weiß ich schon“, sagt er.

„Ich lebe seit 41 Jahren in Kirchheim und finde, dass die jungen Menschen hier zu viel Freiheit haben“, findet Luciano Adornetto. „Wenn die Ferien begonnen haben, ziehen die durch die Straßen und randalieren – reißen Blumen raus und so. Ich wohne in der Stadt und kann dann nicht mehr schlafen. Dagegen sollte man etwas tun. Deshalb gehe ich wählen. Weil ich aus Italien komme, gehe ich auch zur Europawahl.“

„Wir haben die Wahlen im Berufskolleg durchgenommen, aber ich halte mich so weit es geht raus“, sagt Janina Sauer. Die Kirchheimerin ist nämlich skeptisch, ob die Parteien das halten, was sie versprechen. „Wenn ich aber eine finde, die den Nagel auf den Kopf trifft, dann wähle ich die“, sagt die junge Frau. Sie ist aber noch nicht sicher, wem sie ihre Stimme gibt. „Das entscheide ich erst kurz vor der Wahl“, sagt sie.

Bernd Mauch hat sich mit dem Wahlkampf ausgiebig beschäftigt. Er hat sich praktisch alle Prospekte der Parteien in der Stadt besorgt und findet die Informationen ausreichend. Die Regionalwahl sagt ihm allerdings nichts. „Da frage ich mich, für was die da ist“, sagt er. Daheim seien die Abstimmungen auch Thema: „Meine Tochter darf zum ersten Mal wählen – wir sprechen deshalb immer wieder darüber“, erzählt der Kirchheimer. Die Stadtentwicklung ist für ihn besonders interessant.