Lokales

Der dornige Weg vom Feld in die Vase

Was kann man als Kunde tun, wenn man sich beim Kauf von Blumen ökologisch und sozial verantwortungsvoll verhalten will? Die Ausstellung "Blumen-Welten" in der Auferstehungskirche gibt Antworten darauf, zeigt Hintergründe des weltweiten Blumenhandels und bietet Tipps für den verantwortungsbewussten Blumenkauf. Sie ist bis Sonntag, 20. November, zu sehen.

MICHAEL KRAFT

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KIRCHHEIM Hungerlöhne und befristete Arbeitsverträge. Kinderarbeit. Kein Urlaub. Mehr als 48 Stunden Arbeit in der Woche, in einem Nebel von hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln: Die Bedingungen, unter denen rund 200 000 Menschen in Lateinamerika oder Afrika die Rosen und andere Blumen produzieren, die bei uns als Geschenk in die Vase kommen, sind alles andere als rosig.

Dass es auch sozial gerechter und ökologisch sinnvoller gehen kann, beweist seit sechs Jahren das "Flower-Label-Program" (FLP), eine gemeinsame Initiative von Menschenrechts-Organisationen, Gewerkschaften, Kirchen, Blumenproduzenten und Blumenfachhändlern. Deren Aktivitäten und Ziele macht die Ausstellung in der Auferstehungskirche auf sehenswerte und informative Art und Weise deutlich.

Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit von "Kirche und Kultur" und dem Kirchheimer Eine-Welt-Verein. Sie wurde von Stefan Kost, dem Pfarrer der Auferstehungskirche, und Ulrike Binder, der Vorsitzenden des Eine-Welt-Vereins, eröffnet.

Zehn Milliarden Schnittblumen werden nach Binders Worten jedes Jahr in Deutschland gekauft. Deutschland sei nach den USA und Japan der Welt drittgrößter Importeur von Schnittblumen, die in den Ländern der so genannten "Dritten Welt" produziert werden mit allen schlimmen Folgen für Umwelt und Gesundheit, die die Produktion dieser Blumen für deren Produzenten haben kann. Haben kann, aber nicht haben muss: Wie man als Konsument beim Kauf fair gehandelter Blumen seinen Teil dazu beitragen kann, dass die Welt ein kleines bisschen gerechter wird, dazu finden sich in der Ausstellung in der Auferstehungskirche jede Menge hilfreiche und nützliche Informationen. So verraten Broschüren und Flugblätter, warum es sinnvoll ist, Blumen aus regionalem Anbau oder aus fairem Handel zu kaufen, bieten wissenswerte Hintergründe über das FLP-Siegel oder nennen Adressen von Blumenhändlern in der Region, bei denen fair gehandelte Blumen erhältlich sind.

Zu sehen ist die Ausstellung "Blumen-Welten" bis Sonntag, 20. November. Wer sie besuchen will, kommt einfach zur Auferstehungskirche in der Schöllkopf-Straße oder ruft wegen einer Führung oder weiteren Informationen beim Pfarramt der Kirche 0 70 21/33 40 oder dem Weltladen 0 70 21/50 97 97 an.

Die Ausstellungs-Eröffnung bot nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch für den Gaumen und die Ohren der Besucher: Leckereien und Getränke, serviert von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Weltladens sowie ein gut zweistündiges Konzert der "Grupo Sal" und Texte, gelesen von dem Journalisten, Filmemacher und Autor Siegfried Pater. Der sieht mit seinen langen, weißen Haaren ein bisschen aus wie eine schlanke und gepflegte Version von Harry Rowohlt, hat viele Jahre als Entwicklungshelfer in Brasilien verbracht und zahlreiche Bücher zu entwicklungs- und umweltpolitischen Themen geschrieben. Und er kann erzählen: Erfrischend, witzig und ironisch schildert er Erfahrungen aus seiner Zeit als Entwicklungshelfer, berichtet, warum ihm der faire Handel so am Herzen liegt, und unterhält sein Publikum mit Texten, die meistens nachdenklich machen, manchmal auch ein befreiendes Lachen auslösen. Hört man sich dazu noch die feurige, lebhafte südamerikanische Musik der "Grupo Sal" an, dann fällt es schwer zu glauben, dass drei ihrer Musiker hier ganz in der Nähe aufgewachsen sind: Die Hälfte der Gruppe kommt aus Chile, Argentinien und Portugal die andere Hälfte aus Tübingen und Stuttgart.