Lokales

Der Dreck am Anfang des Tunnels

Der geplante Albvorlandtunnel für die ICE-Strecke Stuttgart – Augsburg verläuft auch unter Dettinger Gemarkung. Das stört Verwaltung und Gemeinderat nicht. Sorgen bereiten ihnen die 140 000 Lkw, die während der sechsjährigen Bauzeit mit Erde und Gestein durch die Gemeinde donnern sollen. Der Baubeginn steht aber noch nicht fest.

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Antje Dörr

Dettingen. Die Trasse verläuft nach Plänen der Deutschen Bahn im Bereich des Gewerbegebiets Dettingen unter der Autobahn und unterfährt die Anschlussstelle Kirchheim West, um dann in Parallellage zur Autobahn auf Gemarkung Nabern wieder aufzutauchen. Dettingen ist also vom Tunnel selbst nur indirekt betroffen.

Im Vergleich zu der Lösung, die die Deutsche Bahn in den 90er-Jahren favorisiert hatte, kommt die Gemeinde sogar glimpflich davon. Damals war eine oberirdische Trasse parallel zur Autobahn geplant gewesen. „Wir hatten damals gute Gegenargumente“, erinnert sich Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann. Vor allem die Entschädigungen für drei mittelständische Unternehmen im Gewerbegebiet, die von der Trasse betroffen gewesen wären, hätten die Bahn abgeschreckt. Im Großen und Ganzen sind Gemeinderat und Verwaltung also glücklich über die Tunnellösung. Auf den Weg dorthin freuen sie sich weniger.

Die Bauzeit ist auf sechs Jahre angesetzt. 140 000 Lkw werden allein für den Abtransport der Erde anfallen. Das bedeutet auch in Dettingen: Lärm, Dreck, Verkehrsbehinderungen und erhebliche Belastungen für die Umwelt. Besonders, wenn der Abtransport der Erdmassen so erfolgt, wie es die Deutsche Bahn plant. Die sieht vor, die Lkw auf der B 465 südlich Richtung Owen, dann beim Kreisverkehr Richtung Nabern und dann wieder über Feldwege Richtung Norden zur Baustelle fahren zu lassen, die bei der Autobahn liegt. „Wahnsinn“, findet das nicht nur Rainer Haußmann. Auch der Gemeinderat und die dazugerufenen Experten lehnen diese Lösung ab.

Momentan läuft das Planfeststellungsverfahren. Die Verwaltung kann also noch Änderungswünsche äußern. Eine Forderung wird sein, die Baustraße anders als geplant verlaufen zu lassen. Möglich wäre zum Beispiel, hinter der Autobahnmeisterei parallel zur Autobahn eine asphaltierte Baustraße einzurichten, raten die Experten. Dadurch würde die B 465, die ohnehin stark befahren ist, entlastet, die Dettinger würden von Lärm und Dreck verschont und das Landschaftsschutzgebiet, durch das nach Plänen der Bahn die Lkw fahren sollten, entlastet.

Gegen die Pläne der Bahn spricht nach Ansicht der Experten außerdem die Belastung der Biotope sowie der Eingriff in wertvolle Böden landwirtschaftlicher Flächen. Auch artenschutzrechtlich bestehe ein Hinderungsgrund: Die Baustraße der Bahn würde in die Lebensräume von Rebhuhn und Feldlerche eingreifen. Außerdem hätte die Deutsche Bahn Flächen als Ackerflächen ausgezeichnet, die eigentlich Biotope seien und der Gemeinde bereits auf dem Ökokonto gutgeschrieben worden seien, bemängeln die Experten. Diese Flächen würden nach Abschluss der Bauarbeiten als Ackerflächen wiederhergestellt. Das sei schlecht für das Ökokonto. Nach Meinung der Experten sind die ökologischen Argumente schlagkräftig genug, um die Baustraße der Deutschen Bahn abzulehnen.