Lokales

Der Ehefrau das Haus angezündet

Um seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau als Racheakt einen Schaden zuzufügen, hat ein 55-jähriger Konstruktions-Ingenieur am frühen Morgen des 21. August dieses Jahres sein eigenes Haus in Neuffen an fünf verschiedenen Stellen in Brand gesetzt und einen Brandschaden von über 300 000 Euro verursacht.

BERND WINCKLER

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NEUFFEN/STUTTGART Jetzt sitzt der Mann wegen schwerer Brandstiftung auf der Anklagebank der 17. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts und gibt den Vorwurf zu.

Der gebürtige Sonthofener gibt jetzt vor den Richtern die Brandstiftung zu. Der Mann selbst ist nach den vorläufigen Feststellungen eines Mediziners schwer psychisch krank und soll die Tat auch im Zustand dieser Krankheit begangen haben.

Laut Anklage habe er am Vormittag jenes 21. August in den beiden oberen Etagen des Einfamilienhauses in der Paulusstraße mit Holz und mit Öl an fünf Stellen Feuer gelegt. In seinem Geständnis sagt er aus, dass er mit dieser Tat auch selbst aus dem Leben scheiden wollte. Er habe kein Benzin als Brandbeschleuniger verwendet, weil dieses wegen der Verpuffungsgefahr zu gefährlich sei. Zudem habe er vorher genau darauf geachtet, dass die Ehefrau und seine drei Kinder sich nicht im Hause aufhalten. Frau und Kinder waren tags zuvor in Urlaub gefahren. Auch die Kinderzimmer verschonte er mit dem Feuer. Der einzige Untermieter des Hauses war eine Stunde zuvor zur Arbeit gegangen. Erst dann sei er zur Tat geschritten und zwar aus Rache gegen die Ehefrau, von der er getrennt lebt und die an den finanziellen Problemen mit dem Haus die Mitschuld trage. Daher habe er auch nur die Räume angezündet, in der die Frau sich bewegte.

Da der Brand sich sehr schnell ausbreitete, habe er sich beeilen müssen, um in das Untergeschoss zu flüchten, sagt er aus. Zuerst habe er geduscht und sich umgezogen. Im Keller habe er sich dann danach mit einem langen Messer in der Hand in einen Raum eingeschlossen. Dort fand ihn zwei Stunden später die Feuerwehr nach den Löscharbeiten. Den geplanten Selbstmord habe er dann doch nicht begangen: "Ich war zu feige dazu".

Der jetzt 55-Jährige betrieb nach eigener Aussage zuletzt in Neuffen ein Konstruktions-Ingenieur-Büro. Zuvor war er bei verschiedenen Firmen in Esslingen und Dettingen als Technischer Leiter und Einkaufs-Leiter tätig. Die Beschäftigungsverhältnisse dauerten jedoch nie sehr lange. Ob es an seiner psychischen Krankheit liege, fragte ihn der Strafkammervorsitzende. Der Angeklagte verneint es, er habe sich mit Medikamenten immer fit gehalten. Auch der Versuch mit einem Fahrradgeschäft war fehlgeschlagen.

Das Gericht soll nun gemäß dem Antrag der Staatsanwaltschaft prüfen, ob der Mann infolge seiner Krankheit schuldfähig ist oder nicht. Jedoch sei er im krankhaften Zustand zumindest eine Gefahr für die Allgemeinheit und müsse in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden zum Schutze dieser Allgemeinheit, sagt die Anklage. Eine Entscheidung darüber soll am 13. Dezember gefällt werden.