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Der Einfluss des Volkstümlichen in der Musik

OWEN Thema des Konzerts unter dem Titel "Wer hat das Liedlein erdacht?" war der Einfluss des Volkstümlichen in der Musik der letzten Jahrhunderte. Eine kurze Einführung der Leiterin der Gesangsklasse der Owener Musikschule, Aylish Kerrigan, beleuchtete den Hintergrund der Wechselwirkungen von Volksmusik und hoher Kunst. Es gab und gibt immer noch Volkslieder, die von Komponisten zu Kunstwerken verarbeitet werden ebenso wie Kunstlieder, die allmählich, durch hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, zu Volksliedern werden.

Das Programm wurde eröffnet mit "Ich hörte ein Sichlein rauschen", einer deutschen Volksweise, vorgetragen von Angelika Precker, Steffi Ruoff, Helen Müller und Katharina Baumann, wobei der melancholische Grundton durch die abschließende Geste der gezückten tränentrocknenden Taschentücher humorvoll kontrastiert wurde. Drei Kompositionen von Johannes Brahms, die durch ihren Bekanntheitsgrad heute als Volkslieder empfunden werden, folgten: Wiegenlied, gesungen von Kathi Sigel, Mädchenlied, gesungen von Tatjana Sigel, und Sapphische Ode, gesungen von Carolina Bross, wobei alle Interpreten Inhalt und Stil treffend widergaben.

Weitere Werke von Brahms, diesmal von ihm bearbeitete Volksweisen, zeigten eine andere Interaktion von Volkstum und Kunst. Das fröhliche rheinische "Dort in den Weiden steht ein Haus" wurde von Helen Müller ansprechend interpretiert, in "Sandmännchen" gaben Angelika Precker und Katharina Baumann eine humorvoll naturalistische Vorstellung. Das Kärntner Volkslied "Da unten im Thale", das alles über Liebe, Treue und Verlassen aussagt, trug Sissilia Stieglmeier großartig vor.

Die alte Legende der Lorelei in einer Bearbeitung von Friedrich Silcher riefen Katharina Baumann und Steffi Ruoff gekonnt in die Gegenwart zurück. Eine sehr eingängige, ruhige Interpretation von "Jeanie with the light brown hair" von Stephen Foster, das heute als amerikanisches Volkslied angesehen wird, gab Steffi Ruoff. Das Schicksal der Juden ihre Vertreibung und ihre stetige Suche nach Heimat war Thema in "Far from the home I love" aus "Fiddler on the roof", auch bekannt als "Anatevka", überzeugend vorgetragen von Miriam Gruel. Der letzte Beitrag vor der Pause war eine deutsche Version von "The last rose of summer", ursprünglich von dem irischen Komponisten Thomas Moore geschrieben, bald danach als irisches Volkslied assimiliert und später von Friedrich von Flotow für seine Oper "Martha" adaptiert. In der deutschen Version wurde es mitreißend vorgetragen von Ingrid Vogel.

Eine bezaubernde Vorstellung gaben die beiden Sigel-Schwestern in dem schelmischen russischen Volkslied "Ging ein Mädchen Wasser holen", in dem ein Mädchen und ein Junge sich dem strengen Blick des Vaters erfolgreich entziehen. Es folgte ein interessanter Teil mit drei Liedern auf Spanisch. "Asturiana", ein Klagelied von Manuel de Falla, wurde beeindruckend von Uta Rendl interpretiert. In "El Café de Chinitas" von Garcia Lorca, in dem sich der Torero vor dem Kampf durch Prahlerei Mut macht, glänzte Miriam Gruel durch stilistische, stimmliche und darstellerische Kompetenz. Ein sehr inniger und überzeugender Vortrag gelang Carolina Bross in "Alfonsina y el Mar", einer Ode an die chilenische Folkloristin und politische Aktivistin Violetta Parra.

Zum Abschluss des Programms wandte man sich wieder den klassischen Werken zu. Zunächst den genialen Vertonungen Gustav Mahlers von Volksliedtexten, die Clemens Brentano und Achim von Arnim im 19. Jahrhundert unter dem Titel "Des Knaben Wunderhorn" veröffentlichten. Zuerst das fröhliche "Wer hat das Liedlein erdacht", mitreißend interpretiert von Martina Hanßum, danach das dramatisch-tragische "Das irdische Leben", gesungen mit Gänsehautfaktor 10 von Uta Rendl, gefolgt von Ingrid Vogels "Rheinlegendchen", einem fröhlichen Lied aus dem Rheinland, das sie mit strahlend kräftiger Sopranstimme vortrug.

Die letzten beiden Beiträge stammten aus Engelbert Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel", ursprünglich als Weihnachtsgeschenk für die Kinder seiner Schwester konzipiert und später zu seinem einzigen großen Erfolg avanciert. "Brüderchen, komm tanz mit mir" boten Martina Hanßum und Sissilia Stieglmeier temperamentvoll dar. Den Abschluss machten alle Schüler der Gesangsklasse mit einem ansprechend inszenierten und interpretierten "Abends wenn ich schlafen geh".

Es war erfreulich festzustellen, dass alle Schüler stimmlich wie darstellerisch enorme Fortschritte seit dem letzten Konzert gemacht hatten. Dies ist sicherlich teilweise auch der Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Hede Beck zu verdanken, die die Klasse für dieses Konzert eigens mit Workshops vorbereitet hatte. Großartige Arbeit leistete auch wieder Noemi May bei der Klavierbegleitung, die alle Stilrichtungen beherrschte und es verstand, auf alle Sänger intensiv einzugehen.

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