Lokales

Der Elch nimmt neuen Anlauf auf Kirchheim

Das "unmögliche Möbelhaus aus Schweden", bei dem jeder an den Elch denkt, hat (wieder) Interesse an Kirchheim. Dass das blau-gelbe Ikea-Emblem wirklich einmal unweit der Autobahn prangt, mag man nach der langen Historie schon fast nicht mehr glauben. Zwar dürfte die Schar der Befürworter im Ringen um Arbeitsplätze groß sein, doch jetzt stellt der Regionalplan eine enorme Hürde dar.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Bereits 1981 viele heutige Ikea-Fans lagen noch nicht mal in den Windeln liebäugelte das schwedische Möbelhaus mit einem Standort in Wernau. Daraus wurde nichts, im Wesentlichen mit dem heute noch aktuellen Argument, den örtlichen Handel schützen zu wollen. Kurz darauf setzte der damals noch längst nicht so populäre Elch zum Sprung nach Kirchheim an. Heftiger Befürworter der Ansiedlung war seinerzeit Oberbürgermeister Peter Jakob. Doch im Ratsrund war das Projekt alles andere als unumstritten. Der Handel in der Innenstadt schien in akuter Gefahr. Aufwändige Verkehrsuntersuchungen trugen zudem zur Verzögerung bei. Als Kirchheim endlich das Möbelhaus willkommen heißen wollte, sprang der Elch ab.

"Ikea hat gesagt: Das dauert uns zu lange", erinnert sich Peter Jakob an eine gewisse Genervtheit seitens der Möbelhaus-Verantwortlichen. Der eigentliche Grund für das Scheitern der Ansiedlung habe aber in der räumlichen Situation gelegen: "Wir haben es nicht geschafft, Grundstücke aus einer Hand bereitzustellen", berichtet Jakob von damals drei Fremdeigentümern in dem Areal Hegelesberg, darunter noch ein Vollerwerbslandwirt. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Ikea zog nach Sindelfingen, Jahre später auch noch nach Ulm. Wer eines der Häuser besucht, weiß, was Trubel ist.

Genau in dieser Beliebtheit der Firma liegt die Chance auf eine Neuauflage der Verhandlungen. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker hat im Frühsommer bei dem Unternehmen angeklopft: "Ikea ist sehr an einem weiteren Standort zwischen Ulm und Stuttgart interessiert", berichtet sie auf Nachfrage des Teckboten. Das Gelände sei durch die Autobahn ideal erschlossen, auch der künftige S-Bahnanschluss dürfte ein entscheidendes Kriterium für die Region sein. Da liegt nämlich der Hase im Pfeffer: Der Ansiedlungswunsch eines Möbelhauses mit großem Sortiment im Boutiquebereich, wie es nun mal Charakteristikum von Ikea ist, entspricht nicht den aktuellen Maßgaben des Regionalplanes. "Der Schutz der Innenstadt ist ein ganz berechtigtes und wichtiges Grundprinzip, das wir auf jeden Fall beherzigen werden", betont die Verwaltungschefin, die in den 90er-Jahren durchaus auf der Seite der Skeptiker stand und jetzt zunächst einmal Marktanalysen fordert.

Damals war der Regionalplan noch kein Thema, könnte aber nun zum Stolperstein werden beim neuerlichen Ansiedlungsversuch. Die "Verkaufsfläche für zentrenrelevante Randsortimente" darf demnach 350 Quadratmeter nicht überschreiten. Matt-Heidecker, langjährige SPD-Regionalrätin, setzt auf eine Änderung im Rahmen der Fortschreibung des Planes und ist deshalb schon bei Regionaldirektor Steinacher vorstellig geworden. Mit ihrem Ansinnen ist die Kirchheimer Verwaltungschefin grundsätzlich nicht allein. Rundum brodelt in vielen Kommunen Unmut über die oftmals als unzulässige Einmischung empfundene Mitsprache bei der kommunalen Planung.

Die Rathauschefin will nicht lockerlassen. Schließlich geht es um das, was heutzutage nahezu als wichtigstes Gut gilt, quer durch alle Fraktionen: um Arbeitsplätze. Mindestens 240 davon will der Elch Kirchheim und Umgebung bescheren. Passenderweise drängen im fraglichen Gebiet auch verkehrsinfrastrukturelle Maßnahmen. Längst schon ist etwa daran gedacht, die Einmündung der Nürtinger Straße in die Hegelstraße zum Kreisel umzubauen, denn dort stauen sich die Pkw im Berufsverkehr.

Auseinandersetzungen im Gemeinderat in der Schärfe der 90er-Jahre sind wohl bei der Neuauflage der Ikea-Diskussion nicht zu erwarten. Die Front dürfte eher zwischen Stadt und Region verlaufen.