Lokales

Der finanzielle Aufwand ist relativ gering

Im Notfall kommt das Wasser aus der Ermsquelle. Was aber passiert, wenn beispielsweise durch einen Verkehrsunfall eines Tankfahrzeuges die einzige Wasserfassung des Zweckverbandes Wasserversorgung Vordere Albgruppe nicht mehr benutzt werden kann? Mit diesem Thema befasste sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

ERKENBRECHTSWEILER Die Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch kurz Trinkwasserverordnung hat den Zweck, die menschliche Gesundheit von den nachteiligen Einflüssen, die sich aus der Verunreinigung von Wasser ergeben, das für den menschlichen Gebrauch bestimmt ist, zu schützen. Aus diesem Grunde werden in dieser Verordnung nicht nur verschärfte Grenzwerte auf den verschiedensten Bereichen festgelegt, sondern den Betreibern der Wasserversorgungsanlagen auch erhöhte Vorgaben gemacht.

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Paragraph 9 Absatz 2 bestimmt: "Ist eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit zu besorgen, so ordnet das Gesundheitsamt an, dass der Unternehmer für eine anderweitige Versorgung zu sorgen hat." Aus dieser Regelung folgt, dass sich die Versorgungsunternehmen, darunter auch die Vordere Albgruppe, welche auch die Gemeinde Erkenbrechtsweiler mit Trinkwasser versorgt, schon vorher intensiv Gedanken darüber machen müssen, wie sie ihre Kunden im Falle des Ausfalls einer Quelle durch Verunreinigungen mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen könnte.

Der Zweckverband Wasserversorgung Vordere Albgruppe beliefert mit rund 600 000 cbm jährlich die Einwohner, Landwirte und Betriebe in Römerstein, Bad Urach-Hengen und -Wittlingen, Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Sankt Johann-Würtingen. Das Wasser stammt ausschließlich aus dem Forstbrunnen am Pumpwerk Enge im Ermstal.

Im Falle einer Verunreinigung der Quelle, zum Beispiel durch einen Unfall auf der Seeburger Steige oder in Seeburg beziehungsweise im Fischburgtal, wäre das Quellwasser aus dem Forstbrunnen möglicherweise über längere Zeit nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet. Gleiches würde auf die weiteren im Ermstal liegenden Quellen der Albgruppe Münsingen, sowie der Uracher Albgruppe, der Stadt Bad Urach und der Gemeinde Dettingen zutreffen.

Vor diesem Hintergrund sind das Regierungspräsidium Tübingen und das Landratsamt Reutlingen schon vor einiger Zeit, nach dem die TrinkwasserVO 2001 in Kraft getreten war, auf die Wasserversorger zugegangen mit dem Ziel, für das gesamte Versorgungsgebiet eine tragfähige, kostengünstige und zukunftsweisende weitere Versorgungsmöglichkeit zu finden. Mögliche Anschlüsse an überregionale Versorger wie Bodenseewasser- oder Landeswasserversorgung scheiterten entweder an den hohen Kosten oder an der zwangsläufigen Folge, dass zum Beispiel die Gemeinde Römerstein nicht mehr über das Eigenwasser, sondern über den Großverband mit Trinkwasser versorgt wäre. Die Erschließung des qualitativ hochwertigen und vor Ort vorhandenen Trinkwassers hat aus Sicht des Landes und auch der Versorger hohe Priorität.

Nach verschiedenen Gesprächen hat sich nun ergeben, dass in Kooperation mit der Albgruppe XIII eine sinnvolle Gesamtlösung machbar wäre, die auch finanziell verantwortbar wäre. Durch diesen Verbund entsteht die Möglichkeit, die Sicherstellung der Wasserversorgung im Oberen Ermstal für mehr als 20 000 Wasserabnehmer im Notfall als zweites Standbein umzusetzen. Die Aufteilung der Investitionskosten auf mehrere Verbände nach einem noch definitiv zu vereinbarenden Kostenschlüssel macht die Finanzierung überschaubar. Die dort genannten 322 662 Euro Aufwand für die Vordere Albgruppe und somit auch für die Erkenbrechtsweiler Einwohner würde bedeuten, dass deshalb rund 2,7 Cent/pro Kubikmeter Wasser Mehrkosten auf die Wasserabnehmer zukämen. Bei einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von 40 cbm pro Person und Jahr würde dies für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde einen zusätzlichen Aufwand von rund 1,20 Euro pro Jahr ausmachen. Für diesen Mehrpreis hätte man jedoch die Sicherheit, dass im Notfall auch längerfristig die Trinkwasserversorgung mit qualitativ einwandfreiem Wasser möglich wäre.

Die Planung sieht vor, dass vom ergiebigen Ermsursprung eine neue Leitung DN 300 zum Werk der Albgruppe XIII gelegt wird. Von dort zum Pumpwerk Enge und weiter zu den Anlagen der Stadtwerke beziehungsweise der Uracher Albgruppe. Die gemeinschaftlich benutzten Anlagen und Leitungen werden anteilig finanziert. Im Notfall würde bei Realisierung der Verbundlösung die Vordere Albgruppe zunächst über die Ultrafiltrationsanlage des Zweckverbandes Albgruppe XIII versorgt werden. Der Zweckverband Albgruppe XIII wiederum würde sich über seine bestehende Notversorgung aus Buttenhausen versorgen. Wird dann festgestellt, dass die Notversorgung für die Stadtwerke Bad Urach, die Uracher Albgruppe und die Vordere Albgruppe über einen Zeitraum von mehreren Monaten aufrecht erhalten werden muss, würde durch die beteiligten Verbände eine zusätzliche Ultrafiltrationsanlage in entsprechender Größenordnung in der Aufbereitungsanlage Seeburg eingebaut werden. Hierfür werden bereits jetzt sämtliche Voraussetzungen geschaffen.

Die Albwasserversorgungsgruppe XIII Münsingen hat dem Notverbund mit der Stadt Bad Urach, der Vorderen Albgruppe und der Uracher Albgruppe bereits zugestimmt. Die Vordere Albgruppe wird sich in ihrer nächsten Verbandsversammlung mit dem Thema befassen.

Der Gemeinderat war ebenso wie die Verwaltung der Auffassung, dass diese Sicherheit der Versorgung der Bevölkerung mit stets sauberem Trinkwasser die relativ geringe finanzielle Belastung rechtfertigt und beschloss einstimmig, dass der Zweckverband Vordere Albgruppe zusammen mit den Stadtwerken Bad Urach und der Uracher Albgruppe einerseits, sowie der Albgruppe XIII andererseits zur Sicherstellung der Wasserversorgung kooperiert und eine Verbundlösung herleitet.

wg