Lokales

Der Fischflüsterer hilft auch bei nächtlichen Notfällen

WALDENBUCH Das Handy bleibt immer an für den Notfall. Manchmal klingelt es mitten in der Nacht. Dann schnappt Alexander Fleckinger seinen Koffer mit den wichtigsten Utensilien und fährt zum Kunden, um zu retten, was zu

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ELKE DOBNER

retten ist. Ein undichtes Aquarium kann eben nicht bis zum nächsten Morgen warten. Für den selbstständigen Aquarien-Betreuer aus Waldenbuch eine Selbstverständlichkeit: "Guter Service heißt für mich Verfügbarkeit für meine Kunden rund um die Uhr. Auch zu Uhrzeiten, wenn andere Leute schlafen."

Vor vier Jahren hat Fleckinger die Marktlücke entdeckt. Nach beruflichen Stationen in der Wilhelma und verschiedenen Zoohandlungen, zuletzt als Abteilungsleiter Terraristik, wagte der 31-Jährige den Sprung in die Selbstständigkeit. Ein Schritt, der sich ausgezahlt hat, denn die Auftragsbücher sind inzwischen gut gefüllt. "Aquarien werden immer beliebter. Für manche Kunden richte ich das Becken ein und bringe sie soweit, dass sie es selbst pflegen können. Bei anderen schaue ich regelmäßig vorbei, um nach dem Rechten zu sehen ganz nach Wunsch."

Viele von Fleckingers Kunden sind Arztpraxen oder Firmen, die die Fische aus zeitlichen Gründen nicht selbst pflegen können oder sich einfach Unterstützung vom Fachmann wünschen. Damit niemand auf den farbenfrohen Hingucker im Eingangsbereich oder Wartezimmer verzichten muss, kümmert sich der Aquarien-Spezialist fachkundig um Pflege von Becken, Fischen und Pflanzen sowie um die Wartung der Technik. Allerdings nicht um jeden Preis. "Ich lehne auch mal einen Auftrag ab, wenn mir der Kunde nicht behagt. Fische sind schließlich Lebewesen und kein Inventar."

Ebenso resolut rückt er utopische Vorstellungen mancher Kunden vom Traumaquarium zurecht. Wer nicht viel Zeit hat, sollte sich beispielsweise kein zu anspruchsvolles Becken ins Zimmer stellen. Seepferdchen sehen zwar hübsch aus, wollen aber mehrmals am Tag gefüttert werden nichts für Workaholics. Bei der Bestückung des Aquariums muss man zudem wissen, welche Tiere sich vertragen. "Nur nach der Optik auswählen funktioniert nicht", weiß Fleckinger. "Da gibt es schnell Mord und Totschlag im Aquarium."

Dass immer mehr Kunden nach anspruchsvollen Meerwasser-Aquarien verlangen, ist für Fleckinger verständlich auch seine Leidenschaft gehört der schillernden Unterwasserwelt zwischen Riff und Koralle. Süßwasserbecken gelten zwar gemeinhin als pflegeleichter, doch durch die fortgeschrittene Technik können heute auch Fischfreunde mit weniger Erfahrung ein Salzwasser-Becken unterhalten.

Die Wegbereiter für Alexander Fleckingers heutigen Beruf waren drei Goldfische, die er als Kind geschenkt bekam. Die Leidenschaft, die daraus erwuchs, blieb allerdings zunächst Hobby. "Ich wollte immer einen Beruf, bei dem ich im Sommer draußen und im Winter drin arbeite." Also ließ er sich an der Universität Hohenheim zum Tierwirt mit Fachrichtung Imker und Schäfer ausbilden. Aufgrund mangelnder Zukunftsperspektiven und wohl auch aus dem lange gehegten Wunsch heraus, auf eine Insel auszuwandern, entstand schließlich die Idee, das Hobby Aquaristik zum Beruf zu machen. Der Plan ging auf, doch prompt stand das Energiebündel vor einem vorher nicht bedachten Problem: Er brauchte ein neues Hobby. Deshalb züchtet Alexander Fleckinger nun nebenher an seinem Wohnort Waldenbuch Kunstflug-Tauben. "Ich trainiere jeden Tag mit den Tieren. Einige können sogar Überschläge und Saltos." Das hätte er mit den Fischen vermutlich nicht hinbekommen.

Infos zum Aquarien-Spezialisten Alexander Fleckinger gibt es im Internet unter www.art-aquarium.de oder per Telefon, 0 71 57/98 93 38.