Lokales

Der Fliegerberg und seine „Kinder“

Karl Buck schrieb die Geschichte der „Luftfahrt an der Teck“ von 1928 bis 1958 in einem Buch nieder

„Luftfahrt an der Teck – Geschichte und Geschichten zur Fliegerei im Land an der Teck 1928 – 1958“ lautet der Titel eines Buches, das der gebürtige Dettinger Karl Buck geschrieben hat und das nun druckfrisch auf dem Markt erschienen ist.

richard umstadt

Kirchheim. Heute ist das Segelfluggelände Hahnweide unter den Flugsportbegeisterten in aller Welt als schwäbisches Mekka des Segelflugs bekannt. Jahr für Jahr messen sich hier Luftsportler aus aller Herren Länder, und Kirchheim unter der Teck trägt zu Recht das Prädikat „Fliegerstadt“. Auffallend auch, dass sich gerade hier um den Teckberg und auf der Hochfläche zahlreiche Flugsportvereine ansiedelten. Dies war nicht immer so. Dem gebürtigen Dettinger Karl Buck, Jahrgang 1947, fällt das Verdienst zu, in seinem 334 Seiten starken Erstlingswerk die Geschichte der Fliegerei an der Teck und auf dem Teckberg beim Gelben Felsen erstmals in Wort und Bild zusammenhängend dokumentiert zu haben. Damit beschrieb er ein Stück schwäbische Luftfahrtgeschichte, von den Anfängen 1928 über die von der Naziadministration propagierte und geförderte Flugausbildung und Militarisierung des Luftsports bis hin zu den Ereignissen am Kriegsende und dem Neubeginn des Segelflugs bei Dettingen beziehungsweise auf der Hahnweide bei Kirchheim.

In jahrelanger, mühevoller Arbeit trug Karl Buck das Material, das er in Kreis-, Stadt- und Gemeindearchiven sammelte, zusammen. Authentisch wird die Geschichte des schwäbischen Fliegerberges durch zahlreiche Erzählungen und Einschätzungen von Zeitzeugen. Bemerkenswert viele – rund 400 –, zum Teil noch nie veröffentlichte Fotos aus privaten Beständen wie etwa der Segelflugzeugaufzug auf den Teckberg oder der motorisierte Flugzeugschlepp zur Sigelshütte veranschaulichen in besonderer Weise die luftsportlichen Aktivitäten auf dem für heutige Verhältnisse riesigen Teckfluggelände, das jetzt nur noch parziell für den Segelflug genutzt werden kann.

Der Autor, dessen Vater in den 30er Jahren Mitglied der FAG Dettingen war, beschreibt die einzelnen Flug- und Arbeitsgemeinschaften in den Orten rund um die Teck. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit dem Ausbau des Geländes vor dem Krieg, mit dem Bau der Segelflugzeug-Aufzüge, der Errichtung der Segelflug-Schule und geben aufschlussreiche Einblicke sowohl in den zivilen als auch in den militärischen Flugzeugbau der damaligen Zeit bei Schempp-Hirth Kirchheim und Wolf Hirth Nabern. Hier wurden nicht nur Minimoa, Musterle, Moazagoatl, Gö 4 und Habicht gebaut. In Kirchheim und Nabern entstanden auch Leitwerke für Lastensegler, Tragflächen für den Raketenjäger Me 163 und Leitwerke für die Me 109 sowie die „Natter“, ein Kleinstabfangjäger mit Raketenantrieb.

Gleich zu Beginn ist ein Kapitel den Flieger-Legenden gewidmet: Bereits im Jahr 1916 versuchte der schwäbische Flugpionier aus Stuttgart, Wolf Hirth, mit einem Hängegleiter der Gebrüder Gutekunst aus Kirchheim seinen ersten Start: „Es gab aber nur ein Stolpern und einen verstauchten Fuß.“ Dennoch gab Hirth nicht auf. Sein Name ist untrennbar mit der Geschichte der Luftfahrt an der Teck verbunden und zieht sich wie ein roter Faden durch das neue Buch. Und noch einer gehörte zu den schwäbischen Flugpionieren: Gottlob Espenlaup aus Balzholz. Der Weg des gelernten Tischlers führte ihn wie Wolf Hirth in die Rhön und an die Wasserkuppe, wo er in selbst gebauten Segelflugzeugen an zahlreichen Wettbewerben teilnahm. 1927 ließ er seinen Segelflieger zum ersten Mal mit einem Motorflugzeug in die Luft ziehen. Am Steuer des Schleppflugzeugs saß Gerhard Fieseler. Und Ende 1929 gelang Gottlob Espenlaup der erste erfolgreiche Raketenflug der Geschichte mit einem schwanzlosen Flugzeug.

Doch nicht nur die Anfänge des Flugsports am Kirchheimer Hausberg und dessen „Väter“ beleuchtet Karl Buck. Er geht im letzten Kapitel seines Buches auf Spurensuche und fahndet danach, was an baulichen Relikten aus den 30er-, 40er- und 50er-Jahren am und auf dem Teckberg noch zu entdecken ist, wie etwa die Gebäude der ehemaligen Segelflugschule zwischen dem Dettinger Altersheim und der Guckenrainsiedlung, die alte Flugzeughalle auf dem Dettinger Fluggelände, die ehemalige Werk- und Flugzeughalle von Wolf Hirth oder die Stützpfeiler der ehemaligen Schienentrasse des Hörnleaufzuges und die Fundamente des Teckbergaufzugs zur Startrampe Gelber Fels.

Das Buch „Luftfahrt an der Teck“, Geschichte und Geschichten zur Fliegerei im Land an der Teck 1928 – 1958 von Karl Buck ist im Selbstverlag Schuster-Buck, M.-v.-Wrangell-Weg 44/1, 89075 Ulm, erschienen, ISBN: 978-3-00-023757-7, und kostet 27,50 Euro. Das Buch, das nicht nur für flugbegeisterte Leser und „Teckflieger“ eine heimatgeschichtliche Fundgrube darstellt, kann in Kirchheim bei Schreibwaren Modelbau Weixler, Dettinger Straße 11, und am Schalter des Teckboten ab kommenden Montag erworben werden.

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