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"Der Geopark ist mehr als Steine"

Unterm Strich sprachen die Zahlen für sich: Bei jährlich 670 000 Übernachtungen und einem Umsatz von rund 53 Millionen Euro im Kreis Esslingen sprach sich eine deutliche Mehrheit im Kreistagsausschuss für Technik und Umwelt für einen Verbleib des Landkreises Esslingen im Tourismusverband Schwäbische Alb (TVSA) aus.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN Im Rahmen der Haushaltsberatungen hatten die Freien Wähler im Kreistag dafür plädiert, den Mitgliedsbeitrag des Kreises für den Tourismusverband Schwäbische Alb in Höhe von 19 500 Euro zu reduzieren. Die Grünen wollten gar ganz aussteigen und blieben auch bei dieser Haltung.

In der jüngsten Sitzung des Technik- und Umweltausschusses gab der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Schwäbische Alb, Dr. Uwe Kraus, einen Überblick über dessen vielfältigen Aufgaben und Aktivitäten und erläuterte das Organisationsschema des Verbandes. Dessen Ziel ist es, den Raum Schwäbische Alb über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen. Dass dies gelungen ist, zeigt nicht zuletzt das Prädikat "Geopark Schwäbische Alb", das der geologisch einzigartigen Landschaft vergeben wurde. Diese Auszeichnung sei in Deutschland nur insgesamt fünf Mal verliehen worden und besitze europa- und weltweit Geltung. Sie sei eine Chance für die Schwäbische Alb, sich nachhaltig darzustellen. "Der Geopark, das ist mehr als Steine", wies der Geschäftsführer auf die Vielfalt des Landkreises Esslingen an geotouristischen Themen sowie archäologischen und historischen Stätten hin wie zum Beispiel dem urweltgeschichtlichen Museum Hauff in Holzmaden, dem Naturschutzzentrum Schopfloch, dem Freilichtmuseum Beuren, dem Heidengraben oder dem Köngener Römerpark.

Doch nicht nur dies überzeugte die Ausschussmehrheit. Dr. Uwe Kraus hatte, von Ulrich Deuschle (REP) nach dem "Mehrwert" für den Landkreis befragt, sofort Zahlen parat: Bei insgesamt 670 000 Übernachtungen pro Jahr zu durchschnittlich 80 Euro pro Übernachtung ergibt sich ein Gesamtumsatz von über 53 Millionen Euro. Dies sichere rund 1 000 Arbeitsplätze im Landkreis Esslingen und den Gemeinden bringe der Tourismus einen Steuerrückfluss von 1,8 Millionen Euro jährlich. "Das alles gibt's für den Landkreis für 19 500 Euro im Jahr", spielte Dr. Kraus den billigen Jakob und auf den "Wirtschaftsfaktor Tourismus" an.

In der Tat handelt es sich bei dem Kreisobulus bereits um einen ermäßigten Beitrag, wie Landrat Heinz Eininger bestätigte. Grund dafür ist die finanzielle Beteiligung der Esslinger an der Regio Marketing Stuttgart. Außerdem ist der Landkreis Esslingen auch in die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart eingebunden. Außer dem Kreis beteiligen sich am Tourismusverband Schwäbische Alb die großen Kreisstädte Kirchheim, Esslingen und Nürtingen, aber auch Plochingen und am Albtrauf gelegene Gemeinden. Ebenso profitieren das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb sowie das Freilichtmuseum Beuren von der Marketingschiene des Tourismusverbandes.

Landrat Eininger befürchtete, durch einen Ausstieg des Kreises den genannten Mitgliedskommunen das falsche Signal zu geben.

"Eines merkt man beim Sparen: Es ist immer an diesem Punkt ungeschickt", meinte Alfred Bachofer, Vorsitzender der Freien Wähler, und zog den Kürzungsantrag seiner Fraktion zurück. Nicht so Andreas Schwarz (Grüne). Er forderte, durch eine Bündelung der Aufgaben die Mittel effizienter einzusetzen und verwies auf die Marketingbemühungen der Region und der Gemeinden. Auch Ulrich Deuschle hieb in diese Kerbe: "Die Regio Marketing Tourismus Stuttgart deckt die ganze Region ab", sah er die Gefahr einer Aufgabenüberschneidung und erteilte dem Tourismusverband eine Absage.

Gerhard Remppis (SPD) sah im Tourismus eine Zukunftsbranche und verteidigte den Beitrag als "sinnvolle Investition". Auch Dr. Ulrich Adam (FDP) stimmte dem zu, wobei er dem Verband zu einem schrilleren Auftritt riet. Außerdem fehle ein prägnantes Logo und das Internet gebe zu wenig her. Sieghart Fritz (CDU) unterstrich die Bedeutung des Tourismus als weichen Standortfaktor und signalisierte ebenfalls Zustimmung zum Beitrag.

"Die Regio Marketing Stuttgart vermarketet Städtetourismus, der Verband Schwäbische Alb die Landschaft und ihre Potenziale", ging Dr. Kraus auf den Unterschied zwischen der Regio Marketing und dem TVSA ein. So arbeitet der Tourismusverband themenorientiert und nicht städteorientiert. Dabei nannte der Geschäftsführer den Wellnessbereich als "Zukunftsfaktor". Freilich liebe der Tourist die Vernetzung, wehalb er zusätzlich aus einer Fülle weiterer Freizeitaktivitäten auswählen könne. Die Angebote sind unter www.schwäbischealb.de abrufbar.