Lokales

"Der Geschichtsvergessenheit entgegenwirken"

"Große Hochachtung" bescheinigte der Nürtinger Altkirchengemeinderat Helmut Kuby Cornelia Brox für die in den letzten zwölf Jahren geleistete Arbeit in der Synode. Dass sie sich nicht zu verstecken braucht, zeigte sich im Gemeindehaus der Kirchheimer Auferstehungskirche beim Bericht von Cornelia Brox über die jüngste Synodentagung.

KIRCHHEIM "Für mich war diese Synode eine sehr erfolgreiche, und ich kann nach zwölf Jahren sagen, dass nicht alles umsonst war", lautete ihr Fazit. Ihre fast unevangelische Zufriedenheit resultierte daraus, dass die Synode eine Schriftenreihe zur Geschichte der württembergischen Kirche, eine Stellungnahme zur Krisenprävention und gewaltfreier Konfliktregelung in Europa und eine Handreichung für PfarrerInnen, DiakonInnen und ReligionslehrerInnen, in der Interventionsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt dargestellt werden, auf den Weg brachte. Die Schriftenreihe solle in der kirchlichen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit das Interesse für die Geschichte der Landeskirche wecken. Das Jahrbuch setze sich auch mit den dunklen Seiten der Kirchengeschichte auseinander. "Diese Schriftenreihe soll der Geschichtsvergessenheit entgegenwirken", sagte sie.

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Die Stellungnahme in Richtung EU zur Krisenprävention und gewaltfreien Konfliktregelung hatte sie angesichts des großen Gewichts, das der Rüstungsbereich im europäischen Verfassungsentwurf einnimmt, initiiert. Die Stellungnahme fordert alle auf europäischer Ebene tätigen kirchlichen Vertreter auf, gegenüber dem Europaparlament, der Kommission und dem Rat eine Politik zur Friedensförderung und zivilen Konfliktbearbeitung einzufordern.

Über das Papier der EKD "Kirche der Freiheit" sagte der Synodale Hartmut Fleischmann aus Gerstetten, aus der Sicht der Offenen Kirche (OK) sei vor allem der theologische Mangel des Papiers zu kritisieren. Völlig richtig werde dort eine vor allem quantitative Situationsanalyse vorgenommen. "Aber wo bleibt das theologische Nachdenken, wo das weltweite Gerechtigkeitshandeln, wo die Option für die Armen, wo die Ökumene?", fragte Fleischmann.

"Mir ist wichtig, dass unsere Kirche eine offene Kirche bleibt, die der sich ausbreitenden Enge entgegenstellt. In diesem Sinn will ich in der Synode bei dieser Zukunftsdiskussion mitwirken", sagte die OK-Synodalkandidatin Elke Dangelmaier-Vinon. Ihr Kandidaturpartner Robby Höschele wies darauf hin, dass seit zehn Jahren, seit dem gemeinsamen Wort der Kirchen zur sozialen Lage, kein Kirchenpapier zu einer derart breiten öffentlichen Diskussion geführt habe, wie "Kirche der Freiheit". Allein dies sei schon ein großes Verdienst dieser EKD-Initiative.

Als "Armutszeugnis" für die konservative Synodenmehrheit bezeichnete es Cornelia Brox, dass über die für die Beschäftigten in der Diakonie nachteiligen Änderungen des Arbeitsrechtsgesetzes geheim abgestimmt werden musste. "Über Sachfragen wird öffentlich abgestimmt. So war das bisher wenigstens", sagte die OK-Synodale. Anscheinend habe die Mehrheit der Synodalen Probleme damit, zu ihrer Entscheidung in dieser Sache zu stehen. Sie bezeichnete es jedoch als Erfolg, dass 21 Synodale gegen diese Gesetzesänderung stimmten. Diese Stimmen seien bei der Offenen Kirche zu suchen, die unmittelbar vor der Synode eine entsprechende Presseverlautbarung herausgegeben habe.

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