Lokales

Der Grundstock ist schon gut gefüllt

Kirchenpfleger zieht positive Zwischenbilanz vor Gründung der Martinskirchenstiftung im November

Am 11. 11., am Martinstag also, wird in Kirchheim die Martinskirchenstiftung gegründet. Kirchenpfleger Bernd Kemmner zieht jetzt schon eine positive Zwischenbilanz, was den zu erwartenden Stiftungsgrundstock betrifft: Das Ziel von 50 000 Euro ist bereits übertroffen. Der aktuelle Stand beträgt 68 000 Euro.

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Andreas Volz

Kirchheim. Vor einem Jahr lautete die Zielvorgabe, 50 Gründungsstifter zu gewinnen, die bereit sind, eine Summe von mindestens 1 000 Euro einzubringen. 50 000 Euro waren das Minimum an Kapital, mit dem die Stiftung ins Leben gerufen werden sollte. Inzwischen haben sich 42 Menschen bereit erklärt, als Gründungsstifter zu fungieren. Zusätzlich zu deren Geldern sind in den Gründungsstock bislang auch Einzelspenden sowie Mittel aus dem „Kirchheimer Beitrag“, einer Art freiwilliger Kirchensteuer, geflossen. Deshalb ist die angepeilte Summe schon um 18 000 Euro übertroffen, obwohl noch acht Gründungsstifter fehlen. Bis zum Martinstag dürften sich aber auch diese acht Personen noch gefunden haben, da ist Kirchenpfleger Bernd Kemmner durchaus zuversichtlich.

Am 11. November soll die Stiftung Martinskirche formal gegründet werden. Erst dann falle der eigentliche Startschuss, meint Bernd Kemmner, der sich schon ein Vierteljahr vor dem tatsächlichen Beginn über das „durchaus positive Zwischenergebnis“ freut. Außer dem nötigen Startkapital braucht die Martinskirchenstiftung bis zu ihrem Gründungstag noch zwei Gremien: einen Stiftungsvorstand und einen Stiftungsrat. Dem Rat sollen neun bis zwölf Personen angehören, die aus dem Kreis der Gründungsstifter zu rekrutieren sind. Die beiden Vorsitzenden des künftigen Stiftungsrats ergänzen den dreiköpfigen Vorstand, der bislang kommissarisch tätig ist und der am Gründungstag aller Voraussicht nach auch den förmlichen Segen erhalten wird. Zum kommissarischen Vorstand gehören Dekanin Renate Kath, kraft Amtes, Kirchenpfleger Bernd Kemmner als Schatzmeister sowie als Vertreter der Martinskirchengemeinde deren Erster Vorsitzender Helmut Maisch.

Mit der Gründung ist allerdings nur der erste Schritt erreicht. Sinn und Zweck der Martinskirchenstiftung besteht nämlich darin, Erträge zu liefern, die für den notwendigen Gebäudeunterhalt dringend benötigt werden. Zum Ernst der Lage sagt Bernd Kemmner: „In den nächsten 15 Jahren brauchen wir 1,2 Millionen Euro – allein für die Substanzerhaltung. Da ist keinerlei Luxus dabei.“ Mittelfristig schätzt er sogar, dass diese Summe bereits in den nächsten acht bis zehn Jahren benötigt wird.

Die Zahlen machen deutlich, dass mit dem Gründungsstock von 50 000 Euro noch nicht viel anzufangen ist. In den nächsten Jahren werden die Stiftungslenker kontinuierlich dieselben Anstrengungen unternehmen müssen wie im ersten Jahr vor der Gründung: nach Möglichkeit jedes Jahr weitere 50 000 Euro einwerben. Das Ziel für 2009 besteht darin, das Stiftungskapital auf mindestens 100 000 Euro zu erhöhen. Bis 2023, also innerhalb von 15 Jahren, soll die Stiftung bei 500 000 Euro Kapital angelangt sein. Wenn diese Summe einmal erreicht ist, dann kann die Stiftung jedes Jahr rund 20 000 Euro an Zinseinnahmen für den Gebäudeunterhalt der Kirchheimer Stadtkirche zur Verfügung stellen, rechnet Bernd Kemmner vor. Er geht dabei von vier Prozent Zinsen aus.

Angesichts der anstehenden Millionenausgaben ist das nur ein kleiner Teil, gleichwohl ein wichtiger. Um aber diesen Teil in 15 Jahren überhaupt beitragen zu können, ist die Stiftung darauf angewiesen, dass sich ihr derzeitiges Kapital noch mehr als versiebenfacht. Kirchenpfleger Kemmner hofft deshalb auch auf Vermächtnisse zugunsten der Martinskirchenstiftung.

Außerdem setzt der kommissarische Stiftungsvorstand weiterhin auf werbe-, öffentlichkeits- und spendenwirksame Aktionen, wie etwa die Führungen zur „Spurensuche in der Martinskirche“. Bernd Kemmner bekennt: „Wir sind sehr dankbar für die Initiative, die der Schwäbische Heimatbund und der Verschönerungsverein da ergriffen haben. Das ist genau das, was wir wollen.“ Von Anfang an geht es in der Stiftungsidee darum, dass alle Kirchheimer sich einbringen können, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zur Martinskirchengemeinde. Potenzielle Stifter müssen sich auch nicht unbedingt kirchlich engagieren. Gedacht ist an eine breite Grundlage innerhalb der gesamten Bevölkerung.

Zwei weitere Aktionen von außerhalb sind für Ende des Jahres schon angekündigt: Am 23. Oktober, also wenige Tage vor dem Festakt zur Stiftungsgründung, liest Petra Durst-Benning zugunsten der Stiftung aus ihrem neuen Roman „Das Blumenorakel“. Kurz nach der Gründung startet eine Advents- und Weihnachtsaktion der Bäckerei Scholderbeck, von deren Erlös ebenfalls die Martinskirchenstiftung bedacht wird.

Besucher der Martinskirche können übrigens genau sehen, wie sich die Suche nach weiteren Gründungsstiftern entwickelt: Nach dem Haupteingang vom Kirchplatz her flattern im Kircheninneren weiße Bänder zwischen zwei Säulen. Die Bänder stehen symbolisch für die 50 Gründungsstifter. Am unteren Ende sind die Bänder violett eingefärbt, sofern schon ein Gründungsstifter vorhanden ist. Lediglich die letzten paar Bänder am rechten Rand der Installation sind noch ganz weiß und warten auf ihren Farbfleck.