Lokales

Der Kampfgeist ist wieder erwacht

Der Flächenverbrauch auf den Fildern und der Schutz der Landschaft steht auch ein dreiviertel Jahr nach dem Baubeginn der neuen Messe ganz oben auf der Agenda der Schutzgemeinschaft Filder. Die Niederlage von damals ist inzwischen verdaut. Bei ihrem 9. Aktionstag in Echterdingen gaben sich die Verantwortlichen vor 250 Zuhörern wieder kämpferisch.

TOBIAS DORFER

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LEINF.-ECHTERDINGEN Der 14. September 2004 war ein rabenschwarzer Tag für die Mitglieder der Schutzgemeinschaft Filder. Denn mit dem Spatenstich zur Fildermesse endete für die Gruppierung ein langer und aufwändiger Kampf mit einer großen Niederlage. Von einer "brutalen Erfahrung" sprach die ehemalige Vorsitzende Gabi Visintin, die nach der Niederlage den Vorsitz an Steffen Siegel übergeben hatte, beim Aktionstag in Echterdingen. Doch bei dieser Gelegenheit wurde deutlich: Der Kampfgeist ist wieder erwacht. Denn auch wenn der Messebau mittlerweile in vollem Gang ist, die Schutzgemeinschaft hat neue Themen auf die Agenda gesetzt mit dem Ziel, die Filder vor weiteren Bebauungen zu schützen. "Wir machen weiter, weil die Planer und Zerstörer der Filder auch weitermachen", sagte Visintin in ihrer Rede.

Mit den "Zerstörern" meint sie vor allem zwei: den Flughafen, der sich nach Westen ausdehnen will und die Stadt Leinfelden-Echterdingen, die vergangenes Jahr den Flächennutzungsplan fortgeschrieben hat und sich ebenfalls in Richtung des Flughafens ausdehnen will. Einen Planungsstopp fordern die Aktivisten zu diesem Thema. Dem widersprach OB Roland Klenk vehement: Damit Leinfelden-Echterdingen weiter attraktiv für Investitionen und Arbeitsplätze bleibe, könne auf eine Ausbreitung nicht verzichtet werden. "Ein Planungsstopp kommt nicht in Frage", meinte Klenk. Gleichzeitig mahnte er die "Dialogfähigkeit" beider Seiten an: "Sonst kommen wir zu keinen Lösungen." Auch andere Vereinigungen nutzten den Aktionstag der Schutzgemeinschaft, um ihre Programme vorzustellen. Beispielsweise die "Initiative Leben in Stuttgart", die sich gegen das Projekt Stuttgart 21 und die ICE-Neubaustrecke engagiert. Deren Sprecher Gangolf Stocker kritisierte die Enteignungen beim Messebau und dass die Projekte "über die Köpfe der Leute" entschieden werden. "Ein Lumpenfilz, ein Absahnerfilz" sei das, so Stocker.

Zwei Klagen von enteigneten Grundstücksbesitzern unterstützt die Schutzgemeinschaft Filder. Vor dem Bundesverfassungsgericht will man Recht bekommen und damit erreichen, dass sich die Messe nicht weiter ausdehnen kann. Eines, so Vorsitzender Steffen Siegel, habe man immerhin mit dem Kampf gegen die Fildermesse erreicht: "Ursprünglich sollte sie fast doppelt so groß werden." Als Symbol dafür, dass der Kampf weitergeht, wurde das Mahnmal des Filderstädter Künstlers Waldemar Beck enthüllt. Das Kunstwerk wurde 1997 auf der heutigen Messebaustelle aufgestellt und musste im Herbst 2004 den Bauarbeiten weichen. Nun steht es wieder als Warnung für den Flächenverbrauch in den Spiegeln sieht man die Erdberge der neuen Messe.

ez