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Der Kirschblütentag macht seinem Namen Ehre

Die Weilheimer hatten den richtigen Riecher: Später als sonst, aber keine Sekunde zu früh luden sie am Sonntag zum fünften Kirschblütentag. Dieser machte seinem Namen alle Ehre. Die Gäste konnten während zahlreicher Touren im und ums Städtle geradezu miterleben, wie sich die Blüten entfalteten und die Landschaft mit einem weißen Schleier zu überziehen begannen.

IRENE STRIFLER

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WEILHEIM "Wir schicken ständig neue Gruppen los", hatte Stadtmarketing-Chef Thomas Seyferle schon am Vormittag Grund zur Freude. Die Sonne lockte gut gelaunte Menschen scharenweise ins Freie, und das Interesse an den umfangreichen Angeboten in Weilheim war entsprechend groß. Die Teilnehmer genossen das noch etwas verhaltene weiße Kirschblütenmeer, in dem hier und da vorwitzige Magnolien rosafarbene Akzente setzten.

Dank guter Koordination und versetzter Startzeiten gerieten sich die einzelnen Gruppen keineswegs ins Gehege. Mountainbike-Touren wurden gleich in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen angeboten, zwei Trekkingradrouten boten sich für ganze Familienverbände an. Inliner konnten unter fachkundiger Führung durchs Wiestal gen Jesingen rollen. Wanderfreudige nahmen sich je nach Ausdauer den Hausberg Limburg oder den Brennereireichen Teilort Hepsisau zum Ziel. Für Kulturbeflissene gab's Stadtführungen.

Selbst wer Bewegung scheute, konnte den Tag in der erblühenden Natur genießen, beispielsweise bei der Hocketse auf dem Gelände der Firma Erdbau-Fischer. Dort vergnügten sich die Kleinen beim Ponyreiten, und die Wendlinger Fahrradfreunde amüsierten die Gäste mit historischen Gefährten. Gemütlichkeit verhieß eine Planwagenfahrt mit dem "Blütenexpress". Der drehte, gezogen von einem 50 Jahre alten Bulldog und stilecht geschmückt mit blühenden Kirschbaumzweigen, um die Limburg seine Runden. Als Transportmittel zwischen Hepsisau und Weilheim bewährte sich außerdem ein Pendelbus.

18 000 Kirschbäume stehen auf Weilheimer Gemarkung, die Baumblüte ist eine Besonderheit dieser Region. "Heuer sind die Blüten glatt zwei Wochen später dran als sonst", erklärte Karl Bölz der Gruppe, die ihm auf die Limburg folgte. Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins lenkte den Blick der Wanderer auf die Besonderheiten der Vegetation ebenso wie auf landschaftliche Schönheiten. Daneben warb er eifrig für die regionalen kulinarischen Genüsse. Schließlich ist es ein wichtiges Ziel des vor fünf Jahren ins Leben gerufenen Kirschblütentages, neben den Freizeitangeboten in Weilheim und Umgebung auch die heimischen Produkte ins Bewusstsein zu rücken. Passend dazu hatten örtliche Händler die Bewirtung übernommen, in Hepsisau standen zahlreiche Brennerei-Türen offen. Ein besonderes Schmankerl erwartete die Limburg-Wanderer inmitten der Weinberge, wo sie sich gegen einen kleinen Obolus den heimischen Tropfen schmecken lassen konnten. So fiel der steile Anstieg über das Katzmeierwegle hinauf auf den Gipfel leicht.

Manch einer bedauerte angesichts der Vielfalt der Angebote, nicht auf allen Hochzeiten tanzen zu können, sondern eine Entscheidung treffen zu müssen. Ein Trost: Auch in Zukunft wird es nicht nur eine Kirschblüte, sondern wohl auch einen Weilheimer Kirschblütentag geben. Außerdem bietet das kommende, lange Wochenende sicher für viele reichlich Gelegenheit zum Genuss der Blütenpracht am Albtrauf, diesmal in Eigenregie. "Bis dahin sind die Kirschbäume richtige Schneebälle geworden", versprach Karl Bölz.