Lokales

Der "Kümmerer" übernimmt die Last der Organisation

Ganz klar: Das neue Projekt "Betreutes Wohnen zu Hause", initiiert vom Verein Buefet im Verbund mit der Stadt Kirchheim, trifft den Nerv der Zeit. Bei der Informationsveranstaltung platzte der große Sitzungssaal im Rathaus aus allen Nähten.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Die älteren Menschen werden nicht nur immer älter, ihre Zahl wird auch immer größer. "Im Jahr 2030 werden zwei Drittel älter als 60 Jahre sein", informierte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bei der Begrüßung die weit über 200 Gäste. Sie alle waren der Einladung ins Rathaus gefolgt, sich über ein zukunftsweisendes Projekt für ältere Menschen zu informieren, das ab Sommer in Kirchheim konkret werden soll. Ruth Hamberger vom Verein Buefet zeigte sich erfreut über die große Resonanz, bestätigt diese doch das Interesse an der geplanten Unterstützung für ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden.

Angebote für Betreutes Wohnen zu Hause sind allerorten im Entstehen. Als Vorreiter gilt Bayern, wo bereits seit mehreren Jahren gute Erfahrungen gesammelt werden. Darüber referierte Dieter Kreuz von der Arbeitsgemeinschaft für Sozialplanung in München vor den interessierten Kirchheimern, die überwiegend älter als 60 waren. Der Referent schilderte das Beispiel einer 86-jährigen Rentnerin, die im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses wohnt und sich ihr Leben gut organisiert hat: Der Getränkehändler kommt regelmäßig, ein Dienst bringt Essen auf Rädern, der Hausarzt schaut bei Bedarf vorbei, der Wäscheservice kommt und mehrere Bekannte teilen sich das Einkaufen. So weit, so gut. Aber die Frau weiß genau: Sobald ein Helfer ausfällt, entsteht ein Problem. Das macht ihr Angst.

Genau hier setzt "Betreutes Wohnen zu Hause" ein. Die Last der Organisation wird dem Einzelnen abgenommen. Dieter Kreuz skizzierte die Zielsetzung, möglich lange in eigenständiger Lebensführung sicher und gesund zu Hause bleiben zu können. Dazu müsse zunächst der Bedarf festgestellt und dann ein Netz von Dienstleistungen aufgebaut werden, das der jeweiligen Lebenssituation Rechnung trägt. Dreh- und Angelpunkt ist ein regelmäßiger Besuchsdienst, die Organisation übernimmt eine hauptamtliche Fachkraft, vom Redner "Kümmerer" genannt.

Das besondere am Betreuten Wohnen zu Hause ist also die Kontinuität in der Betreuung, der stete Zugriff auf einen festen Ansprechpartner und das verbindliche Betreuungs- und Pflegearrangement, das im Nu angepasst beziehungsweise umorganisiert werden kann. Die möglichen Hilfsangebote werden dem Betroffenen vorgeschlagen, also an ihn herangetragen, er muss sich nicht selbst auf die mühselige Suche machen im Dschungel der Angebote. In Kirchheim werden die Initiatoren mit zahlreichen Kooperationspartnern zusammenarbeiten. Ein Teil von ihnen stellte sich schon mal im Rathaus im Rahmen eines "Marktes der Möglichkeiten" vor.

InfoWer sich für das Angebot "Betreutes Wohnen zu Hause" interessiert, ist beim Verein Buefet richtig. Die Telefonnummer lautet 0 70 21/88 19 84.