Lokales

Der lange Weg zur Datenautobahn

Knapp 200 Gebäude ohne schnelle DSL-Leitung – Warten auf Förderprogramm

Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier, sagt ein biblisches Sprichwort. Wo ein Förderprogramm in Sicht ist, steigen sogleich die Preise, vermutet Bürgermeister Rolf Kammerlander angesichts der aktuellen Angebote der Kabelbetreiber zum DSL-Ausbau.

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PETER DIETRICH

Neidlingen. Die Gemeinde Neidlingen hat genau nachgezählt: Bei 191 Neidlinger Wohngebäuden ist bisher kein schneller DSL-Anschluss möglich. 180 garantierte Neukunden will die Telekom für eine technisch mögliche, aber teure Erschließung haben, für jeden Neukunden weniger müsste die Gemeinde als Ausgleich 500 Euro plus Mehrwertsteuer an die Telekom bezahlen. Das macht im Extremfall bis zu 90  000 Euro und damit nur 10 000 Euro weniger als der von der EU festgelegte Schwellenwert für derartige Zuschüsse an Kabelnetzbetreiber. So ganz neu ist dieses „Kooperationsangebot“ der Telekom nicht, doch unterscheidet es sich in einem wichtigen Punkt von den bisherigen Aussagen: Bislang wollte die Telekom die bisherigen Nutzer eines 384 Kilobit-DSL-Sparanschlusses anrechnen, was die Forderung auf 130 Neuanschlüsse oder maximal 65 000 Euro begrenzt hätte. Davon ist jetzt keine Rede mehr. „Die Bedingungen sind schlichtweg unrealistisch“, klagt Bürgermeister Rolf Kammerlander, den das Verhalten der Telekom „maßlos ärgert“ – auch wenn diese mündlich eine gewisse Verhandlungsbereitschaft erklärt habe. Neidlingen habe 850 Haushalte, insgesamt müsste die Telekom also rund 25 Prozent der Haushalte als Kunden gewinnen. Kammerlander vermisst zudem eine Kalkulation, die von der Gemeinde überprüft werden könnte. In ihrem Schreiben führt die Telekom lediglich „erhebliche linientechnische und übertragungstechnische Investitionen“ an, die vorhandenen Kupferkabel müssten mit Glasfaserleitungen überbaut werden. Bei der Verbesserung der DSL-Situation würden die Investitionen „nach wirtschaftlichen und unternehmerischen Gesichtspunkten“ geschehen.

Parallel hat sich die Gemeinde beim Konkurrenten Kabel BW erkundigt, der bereits Neidlinger Neubaugebiete erschlossen hat. Für diesen kommt eine Nachverkabelung innerorts aber nur infrage, wenn die Gemeinde die Tiefbauarbeiten übernimmt. Bei geschätzten Kosten von 100 Euro pro Meter und 3,17 Kilometern Strecke schätzt die Verwaltung die Kosten auf rund 317 000 Euro.

Die Details des neuen Förderprogramms, mit dem das Ministerium für den Ländlichen Raum die Breitbandversorgung fördern will, standen in der jüngsten Ratssitzung noch aus, doch hat Bürgermeister Kammerlander den Verdacht, dass die Telekom und andere sich daran bereichern wollen. Auf jeden Fall will er das weitere Vorgehen mit den Nachbargemeinden abstimmen, denandere warten ebenfalls auf den schnellen Anschluss an die Datenwelt – noch viel mehr als Neidlingen, das im Prinzip als erschlossen gilt. Man muss dort eben im richtigen Haus wohnen: Der eine bekommt immerhin einen 1,5 Megabit-Anschluss, beim zehn Meter entfernten Nachbarn ist womöglich schon bei einem Viertel davon Schluss.

Neues Ungemach könnte Neidlingen zudem drohen, wenn, wie geplant, bis zum Jahr 2010 das analoge Antennenfernsehen abgeschaltet wird, denn die digitale Nachfolgetechnik DVB-T ist in der Neidlinger Tallage nicht zu empfangen.