Lokales

"Der letzte Mohikaner" und "Mackie Messer"

Mit Melodien aus Kino- und Fernsehfilmen und Theaterstücken sowie volkstümlicher Blasmusik begeisterte der Musikverein Nabern bei seinem Herbstkonzert in der Gießnauhalle das Publikum.

KIRCHHEIM Wie immer eröffnete die Jugendkapelle unter der Leitung ihres Dirigenten Stefan Schleich den Abend. Die Jugendkapelle konnte auch in diesem Jahr trotz eines Rückgangs von Jungmusikern wieder ihr Können unter Beweis stellen. Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Dietmar Schulz ging es mit dem Stück "A Song for You" weiter. Hier konnte Solistin Jaqueline Helber ihr Können unter Beweis stellen. Abschließend versetzten die Jungmusiker das Publikum ins Träumen: Mit dem Titel "Irish Dream" verabschiedete sich die Jugendkapelle.

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Dietmar Schulz hatte anschließend die Ehre, einem Gründungsmitglied besondere Ehre zukommen zu lassen. Walter Doll, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Nach einer kleinen Umbaupause übernahm die Stammkapelle das Heft. Die Musiker um ihren Dirigenten Thomas Götzelmann hatten für ihr Konzert ausschließlich Titel aus Kino, Fernsehen und Theater vorbereitet. Mit dem "Morricone-Portrait ging" man dann auch gleich in die Vollen. Das Medley von Roland Kernen verarbeitet Melodien des Western-Komponisten Ennio Morricone. Titel aus den Italo-Western "My name is nobody" und "Metello" rissen die gespannten Zuhörer gleich in ihren Bann. Nicht zuletzt deshalb, weil es die Kapelle sehr gut verstand, grandiose Fortissimo-Passagen und verträumte Piano-Sequenzen deutlich zu differenzieren. Melodien aus einer Neuverfilmung des Klassikers "Der letzte Mohikaner" griff John Mortimer in seiner Bearbeitung auf. Die ganze Tragik der Romanvorlage von James F. Cooper kam im 4. Satz, der mit "The massacre" überschrieben ist, zum Ausdruck. Vor allem aber im melancholischen letzten Satz "Coras theme" sah man sich gedanklich in den Indian-Summer nach Neuengland versetzt.

Ein mitreißendes Swing-Arrangement des Gassenhauers "Mackie Messer" aus Bert Brechts Dreigroschenoper lockerte die Stimmung in der voll besetzten Gießnauhalle auf. Trompeter Thomas Reinöhl übernahm den einleitenden Solo-Part, der dann vom Saxofon-Satz zusammen mit dem Holz übernommen und weiter verarbeitet wurde. Wunderschön kamen hier die satten Jazz-Harmonien aus dem Arrangement von Roland Kreid zur Geltung. Dem Stück fehlten allerdings zur Vollkommenheit noch ein wenig die rhythmischen Feinheiten.

Mit der Ouvertüre aus der Operette "Die leichte Kavallerie" von Franz von Suppé konnte Conferenciere Sonja Ambacher einen Höhepunkt des Konzerts anmoderieren. Das Stück eröffnete mit einem Signal der Trompeten, das vom Tenorhorn erwidert wurde, um alsbald vom Orchester übernommen und schließlich wieder von Trompeten und Posaunen beendet zu werden. Der zweite Satz stellte an Holz und Flügelhörner hohe Ansprüche, da den Musikern in diesem Teil ein hohes Maß an Griffsicherheit abverlangt wurde. Das Allegro ging über in das bekannte Hauptthema des Werkes. Nach einem langsamen Andantino-Teil schloss das grandiose Finale den wohl schwierigsten Titel des Abends ab. Aus dem Kinoklassiker "Die Brücke am Kwai" wurde der River-Kwai-Marsch adaptiert. Nachdem die kleine Trommel den Marsch eingeleitet hatte, wurde die bekannte Melodie von Flötist Dietmar Schulz übernommen, der aber vom gesamten Orchester pfeifend unterstützt wurde.

Als die allseits bekannte Titelmelodie der englischen Krimiserie "Miss Marple" erklang, hatte Dirigent Thomas Götzelmann die Lacher auf seiner Seite. Denn er leitete das Stück verkleidet als Titelfigur dieser Fernsehserie. Einen weiteren klanglichen Höhepunkt setzte der Musikverein Nabern mit "The best of Bond". Melodien aus den Bond-Filmen "Liebesgrüße aus Moskau", "Goldfinger" und "Man lebt nur zweimal" hat Darrol Berry in einem Medley zusammengestellt. Ein kleines Abstimmungsproblem zwischen Dirigent und Schlagzeugern konnte ohne Schwierigkeiten kompensiert werden, weil das Stück sehr mitreisend wiedergegeben wurde. Szenenapplaus erntete Solist Rainer Wolffram bei seiner Interpretation des Titels "You only live twice". Gemessen an der Lautstärke des Beifalls, war "The best of Bond" wohl der Knaller des Abends. Mit dem Deutschmeister- Regimentsmarsch aus dem Spielfilm "Die Deutschmeister" beendete der Musikverein Nabern den ersten Teil seines Herbstkonzertes. Aufhorchen ließ der Titel, weil Thomas Götzelmann das bekannte Trio des Marsches zunächst nur als Solo von Holz, Tuba und Schlagzeug dirigierte.

Nach der Pause boten die Naberner Musiker den Freunden der volkstümlichen Blasmusik noch ein paar Leckerbissen des Genres. Mit dem Bozner Bergsteigermarsch wurde das Programm abgerundet. Allerdings durften die Musiker die Bühne erst nach vier Zugaben verlassen, da ein begeistertes Publikum die Vorträge mit stehenden Ovationen belohnte. Insgesamt dürfte dieses Konzert das beste gewesen sein, das der Musikverein Nabern in seiner 14-jährigen Geschichte gegeben hat.

tg