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"Der Mann auf dem Plakat" begeistert die Jury

Die 17-jährige Sonja Holzschuh aus Kirchheim ist eine von 20 Preisträgern des 15. Literaturwettbewerbs Deutsche Sprache und Literatur 2005 in Baden-Württemberg.

ALEXANDRA HOLZNER

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KIRCHHEIM Sonja Holzschuh, die derzeit die 11. Klasse des Schlossgymnasiums in Kirchheim besucht, wurde bei einem landesweit ausgeschrieben Literaturwettbewerb mit ihren 17 Jahren die jüngste von 20 Preisträgern und die einzige im Landkreis Esslingen. Insgesamt haben an dem vom Kultusministerium oranisierten Wettbewerb 360 Schüler der gymnasialen Oberstufe teilgenommen.

Anfang November hatte Sonjas Deutschlehrer, Rolf Kronmüller, der Klasse ein Ausschreiben sowie die Themen des 15. Landeswettbewerbs Deutsche Sprache und Literatur präsentiert. Sonja ließ dies zunächst ungerührt. Erst als zwei ihrer Freundinnen beschlossen, an dem Wettbewerb teilzunehmen, wurde auch Sonja mitgerissen. "Es war eher Zufall, dass ich mitgemacht habe", so die Schülerin. Zu einem der insgesamt sieben vorgegebenen Themen fiel ihr sofort eine Geschichte ein. Die Arbeitsanweisung lautete in diesem Fall: "In der Mitte des Zimmers ein Tisch. Schwarze Stühle. Die Uhr zeigt 11. An der Wand neben dem Fenster zur Straße ein Plakat. In der Bodenvase hinter der geöffneten Tür ein Baseballschläger. Unzählige Zeitungen auf dem dunklen Parkett. Ein Fernglas liegt auf der Fensterbank, daneben ein ungeöffneter Brief. Nutzen Sie das Szenario für eine Erzählung."

Trotz der spontanen Ideen für ihre Geschichte hat die Kirchheimerin insgesamt fast zwei Monate an ihrem Werk geschrieben und es ständig neu überarbeitet, denn "immer wieder gab es etwas, das mir oder anderen nicht gefallen hat" gibt Sonja rückblickend zu bedenken. Im Januar schickte sie ihre eineinviertelseitige Erzählung unter dem Namen "Der Mann auf dem Plakat" ein. Am 10. Mai, "das war ein Samstag" weiß Sonja noch genau, erhielt sie schließlich einen Brief mit der Information, dass sie zu den 20 Preisträgern gehört. Die 17-jährige Kirchheimerin konnte ihr Glück kaum fassen, damit hatte sie nicht gerechnet. "Ich war sehr überrascht, obwohl mir meine Freundinnen schon gesagt haben, dass es eine gute Geschichte ist" so Sonja.

Nun winkten der jungen Preisträgerin ein dreitägiges Seminar in Ochsenhausen mit anschließender Preisverleihung, eine zehnbändige Duden-Ausgabe, sowie die Mitgliedschaft in der Schillergemeinschaft. Auf ihre Urkunde mit der Unterschrift von Doktor Annette Schavan ist die 17-Jährige besonders stolz. Auch die Möglichkeit auf ein Stipendium hat sich Sonja eröffnet.

"Die Preisverleihung war ziemlich offiziell" erinnert sich die Schülerin zurück, "es war der 15. Literaturwettbewerb, deshalb haben sie vielleicht so ein Trara daraus gemacht". Sonja hatte aus diesem Grund eigentlich auch gehofft, dass Annette Schavan zur Preisverleihung am 17 Juli erscheint, "allerdings war nur der Stellvertreter ihres Stellvertreters da" berichtet das Mädchen ein wenig enttäuscht.

Dafür hat Sonja das Seminar vom 12. bis zum 17. Juli sehr gut gefallen. Die Preisträger haben geschrieben, geschauspielert und Seminare besucht. Besonders spannend und lustig fand die junge Kirchheimerin den Programmpunkt "Publikumsbeschimpfung" von Peter Handke am Donnerstag. Auch die Autorenlesung von Annette Pehnt erweckte Sonjas Interesse. Des Weiteren hat sie unter anderem den "ganz bekannten Autor" Volker Schlöndorff kennen gelernt und ein Germanistikseminar besucht.

Während der drei Seminartage hatte die 17-Jährige außerdem Gelegenheit, sich mit den anderen Preisträgern zu unterhalten. "Da waren wirklich welche dabei, die hochbegabt waren. Von denen könnte man später noch einmal was hören," schwärmt Sonja. Von ihrem eigenen Talent ist das Mädchen wenig überzeugt. Sie fand ihre eigene Geschichte "gar nicht so toll" und traut sich auch nicht zu, nach dem Abitur einen Beruf zu ergreifen, in dem ihre schreiberischen Fähigkeiten gefragt sind. Lieber möchte sie Jura studieren oder "irgendwas mit Sprachen".