Lokales

Der Markt als Begegnungsstätte

Die Planungen für den Cap-Lebensmittelmarkt in Ötlingen laufen – Neueröffnung Anfang April

Dass Ötlingen einen „Cap-Markt“ bekommt, ist beschlossene Sache: Im November hatte sich der Gemeinderat für einem Zuschuss von insgesamt 150 000 Euro entschieden, und inzwischen hat auch der Esslinger Reha-Verein als künftiger Betreiber beschlossen, das Risiko einzugehen und den neuen Markt im April zu öffnen.

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Andreas Volz

Kirchheim. Die Verantwortlichen von der Filderwerkstatt des Reha-Vereins sind gefragt, bis März die passende Strategie zu finden, wie der neue Markt an der Stelle des alten Plus-Markts künftig aufgestellt sein soll. Eines aber steht jetzt schon fest, wie Udo Hörl, Leiter der Montageabteilung der Filderwerkstatt, vorab berichtet: „Die Cap-Märkte leben davon, dass sie im Ort verankert sind. Das zeigen unsere Erfahrungen in Neuhausen und Stetten.“ So soll also auch der dritte Cap-Markt im Landkreis Esslingen – eben der in Ötlingen – in engem Kontakt mit den Menschen in Ötlingen stehen, sowohl mit der weltlichen Gemeinde als auch mit den kirchlichen.

Auch eine kleine Umfrage zum künftigen Wunschsortiment der Ötlinger ist vorgesehen. Schließlich hatten die Bewohner des Kirchheimer Teilorts lange genug um ihre Nahversorgung am Ort gefürchtet, nachdem die bisherige Plus-Filiale im Juni wegen zu geringen Umsatzes in der Vergangenheit den Laden dicht gemacht hatte. Was Udo Hörl und seine Kollegen auf gar keinen Fall wollen, das wäre eine Konkurrenz zu örtlichen Bäckern oder Metzgern. Es ist daran gedacht, ansässige Betriebe möglichst mit ins Boot zu holen.

Bei der Auswahl des gesamten Sortiments geht es allerdings weniger um die Frage, was der Cap-Markt in Ötlingen alles anbieten will. Vielmehr stellt sich die Frage, was der Lebensmittelladen unbedingt anbieten muss und auf welche Artikel er verzichten kann. Das grundlegende Problem ist nämlich der vorhandene Platz. „Der Markt ist ziemlich klein“, stellt Udo Hörl sachlich fest.

Gegenüber einem herkömmlichen Supermarkt braucht der Cap-Markt in Ötlingen außerdem noch Platz im Eingangsbereich – für Stehtische und Sitzgelegenheiten. Das dient zum einen der besseren Verankerung im Ort, zum anderen ist es auch eine Hilfe für die älteren Menschen. Gerade für die älteren Mitbürger Ötlingens waren Rat und Verwaltung der Stadt und des Ortsteils auf der Suche nach einer Lösung des drohenden Nahversorgungsproblems. Von Neuhausen weiß Udo Hörl zu berichten, dass die ältere Kundschaft den Cap-Markt außer zum Einkaufen auch gerne als Begegnungsstätte nutzt: „Da kommen manche zwei bis drei Mal an einem Tag.“

Auch über das Konzept der Cap-Märkte kann Udo Hörl aus Stetten und Neuhausen einiges berichten. Der Name „Cap-Markt“ stammt vom „Handicap“, dem englischen Wort für „Behinderung“. Ein Teil des Personals sind also Menschen mit Behinderung. Diese Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen, wie Udo Hörl berichtet. Aus Erfahrung weiß er aber: „Sie werden im Markt die Behinderten von den Nichtbehinderten nicht unterscheiden können.“ Es gehe auch gar nicht darum, diesen Teil der Mitarbeiter besonders zu schonen. „Es gibt für sie keinen Bonus“, sagt Udo Hörl. Schon gar nicht gebe es einen solchen Bonus seitens der Kundschaft: „Wer’s eilig hat, hat’s eilig. Die Kunden kommen mit der berechtigten Erwartung, dass sie flott und freundlich bedient werden.“

Die Arbeitsplätze im Laden seien „dicht am ersten Arbeitsmarkt“ und in keinem geschützten Rahmen wie in der Werkstatt. Sowohl in Stetten als auch in Neuhausen sei es vorgekommen, dass jüngere Mitarbeiter mit „Handicap“ in eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann vermittelt werden konnten.

Außerdem sind längst nicht alle Mitarbeiter, die im neuen Einkaufsmarkt in Ötlingen tätig sein werden, Menschen mit Behinderung: Auch für Hartz IV-Empfänger und Ein-Euro-Jobber hält der Cap-Markt Arbeitsplätze bereit. Und auch in solchen Fällen gab es schon Mitarbeiter, die über diese Schiene eine feste Stelle bekommen haben.

Die neue Ötlinger Marktleiterin heißt Iris Keller. Sie hat viele Jahre lang im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb gearbeitet und diesen von der Milchviehwirtschaft auf den Anbau von Bio-Gemüse umgestellt. Sie hat ihre Produkte auch selbst vermarktet. Diese Arbeit musste sie aus gesundheitlichen Gründen wieder aufgeben. Inzwischen hat sie eine sozialpädagogische Zusatzausbildung abgeschlossen und ist stellvertretende Marktleiterin in Neuhausen. Das Team der Filderwerkstatt verfügt also über genügend Erfahrung. Wenn das Sortiment festgelegt ist und der neue Markt Anfang April seine Pforten öffnet, dann haben es die Ötlinger in der Hand, das Überleben des Cap-Markts zu sichern, im Idealfall sogar dessen Gedeihen zu fördern und somit ihre eigene Nahversorgung zu erhalten.