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Der Markt für moderne Holzöfen bricht ein

Die Diskussion über strengere Grenzwerte für Holzöfen hat auch im Kreis Esslingen dazu geführt, dass die Nachfrage eingebrochen ist. Wie die Innung für Sanitär, Heizung und Klempner (SHK) mitteilt, halten sich die Hausbesitzer mit Entscheidungen für diese Technik auffallend zurück. Die Handwerker halten diese Vorsicht für unbegründet. Betroffen von den strengeren Vorschriften wären aus ihrer Sicht nur veraltete Öfen.

HERMANN DORN

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KREIS ESSLINGEN In den vergangenen Jahren erlebten Anbieter moderner Holzheizungen einen kleinen Boom. "Auch im Landkreis Esslingen wählten immer mehr Hausbesitzer diese Technik", weiß Klaus Weinmann, der Obermeister der SHK-Innung. Vor allem in ländlichen Gegenden sowie in Neubaugebieten waren Heizungen gefragt, die mit Holzpellets gefüttert werden. Diese genossen den Ruf, günstig und umweltfreundlich zu sein. Dass es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt, sprach ebenso für diese Technik wie die Tatsache, dass die Umwelt nicht mit Kohlendioxid belastet wird. Weniger gefragt sind solche Öfen hingegen in einem städtischen Umfeld wie in Esslingen, wo sie seit 1997 nur mit Genehmigung der Stadt installiert werden dürfen. Obwohl das Baurechtsamt die Zustimmung in der Regel unbürokratisch erteilt, ist die Zurückhaltung unverkennbar. Neue Öfen, die mit Holzpellets geheizt werden, bilden in Esslingen die Ausnahme. Der gute Ruf dieser Kamin- und Kachelöfen hat zuletzt gelitten. Erst gab es Lieferengpässe. Dann kletterten auch die Preise für Holzpellets. Und zuletzt ließ die Nachricht aus Berlin aufhorchen, die geplanten Grenzwerte für den gefährlichen Feinstaub könnten dazu führen, dass Hausbesitzer ihre Anlagen schon bald wieder mit hohem finanziellen Aufwand nachrüsten und Rußfilter einbauen müssen.

Der Stimmungswechsel veranlasst die Innung, für moderne Holzheizungen eine Lanze zu brechen. "Die Bedenken der Verbraucher sind unbegründet", sagt Weinmann, der zusammen mit seinen Kollegen versucht, neues Vertrauen in die Kamin- und Kachelöfen zu wecken. Er betont, die Mitglieder der Innung seien auch für alle anderen zukunftsgerichteten Techniken aufgeschlossen. Holz müsse aber eine Option bleiben. Wer sich vor dem Kauf einer Holzheizung richtig informiert, ist dem Obermeister zufolge auf der sicheren Seite. "In solchen Fällen werden die Grenzwerte, die ab 2014 gelten sollen, problemlos eingehalten."

Renate Daurer, die im Esslinger Rathaus die Koordinierungsstelle für Umweltschutz leitet, teilt Weinmanns Darstellung. Wichtig ist für sie allerdings, dass das Holz aus der näheren Umgebung kommt. "Unter dieser Voraussetzung gibt es keinen Grund, diese Technik abzulehnen."

Sorge bereiten Daurer dagegen die alten Holzöfen aus der Nachkriegszeit, die Bestandsschutz genießen und in den vergangenen Jahren wegen der steigenden Energiepreise wieder häufiger angeworfen werden. "Für die Luft im Neckartal ist das ein ernstes Problem", sagt sie. Mit Kopfschütteln registriert sie, dass eine ganze Reihe von Haushalten die problematischen Altanlagen betreiben, obwohl sie über eine moderne Heizung verfügen. Kritische Worte findet sie auch für neue Anlagen, die über eine mangelhafte Technik verfügen oder unsachgemäß installiert worden sind. Die Mitarbeiterin des Stadtplanungsamts setzt darauf, dass der Gesetzgeber die Besitzer der Dreckschleudern in die Schranken verweist egal, ob es sich um alte oder neue Modelle handelt. Daurer ist sich mit Weinmann einig, dass das Feinstaubproblem nicht nur eine technische Frage ist. "Der menschliche Faktor spielt ebenfalls eine Rolle." Unwissenheit oder Gleichgültigkeit sind es, die nach ihren Beobachtungen dazu führen, dass in vielen Haushaltungen ungeeignetes Holz verwendet wird. Wenn das Brennmaterial nicht richtig gelagert wird, wird die Umwelt ebenso über Gebühr belastet wie in Fällen, in denen behandeltes Holz zum Einsatz kommt. Mit Appellen und Informationen versuchen Daurer und die Innung, diese bedenkliche Praxis einzudämmen. "Der Handlungsbedarf ist groß. Da gibt es noch viel zu tun", sagt die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung.